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Schulden machen krank

© Symbolfoto/dpa

Die Meißner Caritas hat den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Geldsorgen untersucht. Mit traurigem Ergebnis.

Von Dominique Bielmeier

Heike S. lebte über zehn Jahre lang mit dem Schuldenberg aus ihrer gescheiterten Ehe – immerhin rund 42 000 Euro – bevor sie den Mut fasste, in die Beratungsstelle der Caritas in Meißen zu kommen. Diese Zeit ging an der alleinerziehenden Mutter nicht spurlos vorbei: Die Sorgen und die Pfändungen schlugen ihr aufs Gemüt, sie konnte immer schlechter schlafen, hatte ständig Kopfschmerzen, irgendwann kamen Verspannungen und Rückenschmerzen dazu. Auch die Kinder bekamen das zu spüren, ihre Mutter reagierte immer öfter gereizt.

Heike S. gibt es nicht. Sie ist ein Produkt aus vielen einzelnen Schicksalen, die Sandro Vogt von der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung des Caritasverbandes Meißen täglich zu hören bekommt. Deshalb steht Heike S. exemplarisch für die Ängste und Nöte, unter denen überschuldete Menschen bei uns leiden.

Um den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Geldsorgen – dem diesjährigen Thema einer bundesweiten Aktionswoche der Schulderberatungsstellen – zu untersuchen, hat der Caritasverband 25 Ratsuchende in einem anonymen Fragebogen zu Wort kommen lassen.

Das sind die Ergebnisse der Befragung:

Krankheit kann zu Überschuldung führen

Erkrankung, Sucht oder ein Unfall sind mittlerweile die Hauptauslöser für mehr als jede zehnte Überschuldung in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. In der Beratungsstelle des Caritasverbandes für das Dekanat Meißen waren Krankheiten und Unfälle bei mehr als jedem fünften Ratsuchenden der Hauptauslöser für eine Überschuldung. „Mit Erkrankung sind oftmals finanzielle Einbußen verbunden – und dann geht die Schuldenspirale los“, sagt Schuldnerberater Sandro Vogt.

Sorgen durch Geldprobleme machen krank

Doch die Verbindung zwischen Gesundheit und Überschuldung ist auch umgekehrt gegeben: Sorgen aufgrund von Geldproblemen machen krank. Kein einziger der befragten Ratsuchenden hatte keine gesundheitlichen Probleme, einer nannte sogar elf. Die Menschen berichteten vor allem von seelischen Faktoren wie Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen und Erschöpfung. Auch somatische Krankheiten wie Kopfschmerzen, Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie Magen-Darm-Probleme spielen eine Rolle. Die meisten Befragten gaben an, dass sie eine direkte Verbindung zwischen den Schulden und ihren Erkrankungen sehen. Bei Männern und Frauen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

Eltern sind gesundheitlich besonders belastet

Für Eltern stellt sich die Situation sogar noch schwieriger dar. Die befragten Personen mit Kindern sind gesundheitlich mehr belastet als Ratsuchende ohne Kinder. Sie gaben deutlich häufiger an, erschöpft zu sein (54 Prozent), Ernährungsprobleme zu haben (63 Prozent), unter Unruhe und Ängsten zu leiden (77 Prozent) oder niedergeschlagen zu sein (62 Prozent). Hinzu kommt, was Sandro Vogt sehr oft erlebt: „Stress mit den Finanzen macht auch Stress mit der Familie.“ Und gerade stabile soziale Beziehungen können die Gesundheit positiv beeinflussen, so Vogt.

Die Schuldnerberatung tut auch der Gesundheit gut

Die gute Nachricht der Befragung: Nicht nur gegen die Überschuldung lässt sich etwas tun. Auch der Gesundheit kommt die Beratung bei Verbänden wie der Caritas zugute. Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung trage bei 51 Prozent der angegebenen gesundheitlichen und sozialen Probleme zu einer Besserung bei, so die Caritas. Deutliche Verbesserungen seien bei Schlafstörungen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen zu verzeichnen. Davon dürften dann auch die fiktiven Kinder von Heike S. profitieren.

Am 6. Juni beginnt die bundesweite Aktionswoche zum Zusammenhang von Krankheit und Schulden der Schuldnerberatungsstellen.

Informationen dazu gibt es unter www.aktionswoche-schuldnerberatung.de.