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Schulden trotz Arbeit

Sachsens Schuldnerberater haben alle Hände voll zu tun. Immer mehr Hilfesuchende geraten trotz Arbeit in finanzielle Schwierigkeiten. Schuld sei die Niedriglohnpolitik, kritisieren die Berater.

© dpa

Dresden/Leipzig. In Sachsen platzen die Schuldnerberatungsstellen aus allen Nähten. Die Nachfrage von Hilfesuchenden, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, ist nach Angaben der Beratungsstellen ungebrochen hoch. „Wir sind voll ausgelastet und froh, wenn wir alle Anfragen bearbeiten können“, sagt Dietrich Besen von der Schuldnerberatungsstelle der Diakonie in Riesa. Mit Besorgnis beobachten die Experten, dass immer mehr Bürger trotz Arbeit ihre Lebenskosten nicht mehr bestreiten können.

„Zu uns kommen zunehmend Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten und daher keine Rücklagen aufbauen können“, sagte die Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen, Ines Vogel. „Ihnen gelingt es nicht, für Notsituationen vorzusorgen.“

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Allein der Caritasverband Dresden hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 3758 Schuldner beraten, ein leichtes Plus zum ohnehin hohen Vorjahresniveau. In Chemnitz wurden bei der AWO 2013 800 neue Fälle aufgenommen. Für eine Insolvenzberatung müsse man mittlerweile bis zu fünf Monate auf einen Termin warten, hieß es.

Anlaufstellen für Schuldner

An 17 Standorten in Sachsen bietet der AWO-Landesverband eine Schuldner- oder Insolvenzberatung an, darunter auch die großen Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau.

Die Diakonie hat insgesamt 19 Anlaufstellen im Erzgebirgskreis, im Kreis Görlitz, in Leipzig und dem Umland, sowie in Meißen und im Kreis Mittelsachsen.

Die Verbraucherzentrale Sachsen berät in Leipzig in Sachen Schulden und Insolvenz.

Kontakt: +49 341 9608923, [email protected]

Auch die Caritas bietet Anlaufstellen für Schuldner, die Hilfe und Beratung brauchen, z.B. in Chemnitz, Kamenz, Zwickau oder Dresden.

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Insgesamt stagniert die Schuldnerquote in Sachsen mit knapp neun Prozent auf hohem Niveau. Das geht aus dem „Schuldneratlas Deutschland 2013“ des Inkasso-Dienstleisters Creditreform hervor. In Leipzig sind die Zahlen alarmierend: Mit einer Schuldnerquote von 12,91 Prozent wird die Messestadt im Ranking der Großstädte mit den höchsten Schuldnerquoten auf Rang vier geführt. „Wir haben täglich drei bis fünf neue Anfragen“, sagt Schuldnerberaterin Andrea Günther von der Verbraucherzentrale in Leipzig.

Die Hilfe kommt oft in letzter Minute - zu groß ist die Scham vor der Offenbarung. „Viele trauen sich schon nicht mehr, ihre Post zu öffnen. Dann steht schon mal der Kunde mit einem großen Plastikkorb voll ungeöffneter Briefe bei uns, weil er Angst vor den Mahnungen hat“, berichtet AWO-Sprecherin Vogel.

Neben Mietrückständen, Kreditbelastungen und Handyschulden machen den Hilfesuchenden vor allem die steigenden Energiekosten zu schaffen. „Wir beobachten eine deutliche Zunahme von Energieschulden und Stromabstellungen“, stellt Verbraucherschützerin Günther fest. Während ein Schuldner in Deutschland laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich mit 33.500 Euro in der Kreide steht, häufen auch unter 25-Jährige bereits im Schnitt mehr als 7.000 Euro Schulden an. Günther: „Komplex verschuldete junge Menschen gehören leider mittlerweile zum Erscheinungsbild unserer Gesellschaft.“ (dpa)