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Schuldenkrise lässt Euro-Kurs abstürzen

Frankfurt/Main. Die Schuldenkrise und zunehmende Rezessionsängste lasten immer stärker auf dem Euro-Kurs. Am Mittwoch sank die Gemeinschaftswährung erstmals sei Mitte Januar unter die Marke von 1,30 US-Dollar.

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Von Bernhard Funck

Frankfurt/Main. Die Schuldenkrise und zunehmende Rezessionsängste lasten immer stärker auf dem Euro-Kurs. Am Mittwoch sank die Gemeinschaftswährung erstmals sei Mitte Januar unter die Marke von 1,30 US-Dollar. Bis zum Jahrestief bei 1,2850 Dollar ist es nicht mehr weit. Offensichtlich haben die Beschlüsse des wichtigen EU-Gipfels von vergangener Woche die Anleger nicht überzeugen können. Darüber hinaus verliert ein wichtiges Argument für den Euro zusehends an Bedeutung: die Zinsdifferenz zu den USA.

Die jüngste Talfahrt der Gemeinschaftswährung setzte bereits in diesem Sommer ein, nachdem sie bis dahin kräftig auf knapp 1,50 Dollar zugelegt hatte. Experten begründen die Entwicklung seither mit zwei Wellen in der Schuldenkrise: So war die Krise im Sommer von Griechenland auf die dritt- und viertgrößte Euro-Wirtschaft Italien und Spanien übergeschwappt. Im Spätherbst kam es noch schlimmer, als sogar „Kernländer“ im Herzen Europas in den Abwärtssog gerieten. Selbst Staaten wie Frankreich, die bis dahin als stabil galten, standen plötzlich im Kreuzfeuer der Investoren. Sie mussten den Anlegern empfindlich höhere Zinsen zur Refinanzierung ihrer Staatsschulden bieten.

Ratingagenturen machen Druck

Zusätzlicher Zündstoff kam von den Ratingagenturen: Die größte von ihnen, Standard&Poor’s, hatte unlängst die Euro-Zone unter verschärfte Beobachtung gestellt und drohte mit Bonitätsabstufungen. An dieser skeptischen Haltung hat auch der EU-Krisengipfel nichts geändert.

Auch den Ratingagenturen geht die verschärfte Kontrolle der Staatshaushalte nicht weit genug. Sie fordern kurzfristige Maßnahmen, insbesondere eine Ausweitung der umstrittenen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Derartigen Forderungen hatte EZB-Chef Mario Draghi vergangene Woche aber eine klare Absage erteilt, was den Euro stark belastete. Seit Wochenbeginn hat er vier Cent an Wert verloren.

Neben der Schuldenkrise, die den Zusammenhalt des Währungsraums zusehends auf die Probe stellt, lasten Rezessionsängste auf dem Euro. Die Entwicklung in Deutschland gilt zwar immer noch als vergleichsweise robust. Für den gesamten Währungsraum erwartet aber kaum ein Ökonom mehr als eine Stagnation im kommenden Jahr. In einzelnen Ländern, allen voran in Griechenland, dürfte sich der konjunkturelle Sinkflug fortsetzen und die Wirtschaft schrumpfen. Schwergewichte wie Frankreich, Italien und Spanien dürften allenfalls schwach wachsen.

Europa gibt seinen Vorteil auf

Neben Schuldenkrise und Rezessionssorgen nennen Bankvolkswirte einen dritten Grund für den schwächeren Euro: die geringere Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euro-Raum. Während der amerikanische Leitzins seit drei Jahren nahe der Nulllinie verharrt, lag er im Euro-Raum bis vor wenigen Wochen deutlich höher bei 1,5 Prozent. Höhere Zinsen lassen eine Währung in den Augen von Investoren attraktiver erscheinen. Allerdings hat die EZB diesen Zinsvorteil mit zwei schnellen Zinssenkungen zuletzt verringert. Und EZB-Beobachter sind sich sicher, dass die Notenbank bei einer Verschärfung der Schuldenkrise weitere Schritte folgen lassen wird.

Dennoch: Trotz der jüngsten Verluste hält sich der Euro im längeren Vergleich gut. So notiert die europäische Währung klar über ihrem mehrjährigen Durchschnitt von rund 1,20 Dollar. Und vom Rekordtief bei 0,82 Dollar, das rund zwei Jahre nach der Euro-Einführung als Buchgeld Ende 2000 erreicht wurde, ist der Euro sehr weit entfernt. Allerdings auch von seinem historischen Höchststand bei gut 1,60 Dollar, der im Sommer 2008 vor der ersten Finanzkrise markiert wurde. Von einer „Weichwährung“, wie der Euro zuweilen bezeichnet wird, kann vor diesem Hintergrund aber keine Rede sein. (dpa)