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Schutt und Deich müssen weg

Geröll in der Mulde ist Anwohnern ein Dorn im Auge. Muss erst die nächste Flut kommen ehe sich etwas tut?

Von Tina Soltysiak

Träge fließt das Wasser derzeit in der Freiberger Mulde bei Fischendorf dahin. Der Pegelstand ist niedrig. Es mutet so an, als könne man sie durchwaten, um vom einen Ufer zum anderen zu gelangen. Doch der Schein trügt. „Sobald der Pegel nur ein wenig über der Krone des Leitdeiches steht, haben wir schon das Wasser in unseren Häusern und Kellern“, erzählen Dieter Friedrich und Manfred Häußler. Der eine wohnt links, der andere rechts des Flusses. Das Schicksal hat sie zu Verbündeten gemacht. Sie kämpfen dafür, dass das Geröll, das zuletzt die Juniflut tonnenweise angeschwemmt hatte, aus dem Flussbett verschwindet. „Schon seit dem Jahrhunderthochwasser von 2002 sind wir mit den zuständigen Behörden in Kontakt, um unsere Bedenken vorzubringen“, sagt Häußler. Damals hatte er das Wasser 2,10 Meter hoch in seinem Wohnhaus unweit des Wehrs stehen, im Juni waren es 60 Zentimeter. „Mir ist ein großer Schaden entstanden, die Versicherung hat gekündigt“, erzählt er.

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Deich behindert den Wasserabfluss

In ihm und Friedrich staut sich die Wut auf. „Ein schwarz-rot-goldener Frosch ist wohl mehr Wert, als das Wohlergehen der Bürger“, sagt Friedrich zynisch. Ein Fluss braucht Platz, darin sind sie sich einig. Doch den hat die Mulde ihrer Ansicht nach nicht mehr überall. Nicht nur die meterhohen Verlandungen in der Mulde nach dem Wehr, auch der Hochwasserschutzdamm unterhalb der Thielebrücke, über die die S36 führt, machen sie als Ursache allen Übels aus. „Er schnürt das natürliche Überschwemmungsgebiet durch die Lache ab und führt zu Rückstau bei Hochwasser“, Manfred Häußler. Er ergänzt: „Wäre der Deich nicht, hätte das Wasser in den Anliegergrundstücken einen Meter niedriger gestanden und der Schaden wäre nicht so erheblich.“ Zudem seien der Deichsicherungserlass und die Gefahranordnung des Regierungspräsidiums Leipzig vom 18. Juli 2007 fehlerhaft umgesetzt, die Einsprüche der Anwohnergemeinschaft ignoriert und dadurch die Überschwemmung der Grundstücke herbeigeführt worden, so Häußler

Im Juni schossen 1.250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch das Flussbett. Diese Zahl hat Häußler schriftlich vorliegen. Das Landesamt für Umwelt und Geologie hat sie ihm übermittelt. „Bei 500 Kubikmetern pro Sekunde sollte sich der Deich eigentlich bereits abtragen“, erzählt er. Über zwei Meter ist der Damm hoch. Er verläuft im Bereich der Brücke parallel zur Mulde unweit der Kleingartenanlage. „Seit Jahrhunderten fungierten die Wiesen an dieser Stelle als Überschwemmungsfläche“, sagt Friedrich.

Dass die Thielebrücke in Ordnung gebracht wird, sich aber sonst nichts tut, verärgert die beiden Rentner.

Brückensanierung hat Vorrang

Die Pfeiler der Brücke sind im Juni ausgespült worden. Das hat zu Statikproblemen geführt. Um sie auf Tragnitzer und Fischendorfer Seite zu verfüllen, wendet die Stadt rund 32.500 Euro auf. Das hat der Rat vergangenen Donnerstag beschlossen.

Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) sagt, dass der Stadt in der Angelegenheit der Mulde nahezu die Hände gebunden seien. Sie ist ein Gewässer erster Ordnung, die Zuständigkeit liegt somit bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen. „Die Behörde hat uns gegenüber bekundet, dass etwas gemacht werden muss. Wann das passieren soll, weiß ich nicht.“

Eine kurzfristige DA-Anfrage blieb seitens der LTV unbeantwortet.