Frankfurt/Main. Die Exportnation Deutschland profitiert vom schwachen Euro. Konsumfreudige Verbraucher schieben das Wachstum zusätzlich an. Ökonomen gehen daher von guten Konjunkturdaten für das zweite Quartal 2015 aus. An diesem Freitag (14.8.) veröffentlicht das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung zur Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von April bis Juni.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet ein Wachstum von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. „Vor allem der Arbeitsmarkt ist zur Zeit eine große Stütze für die Konjunktur“, erläuterte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Die Beschäftigungssituation hat sich zuletzt dynamisch entwickelt und stützt den privaten Verbrauch.“ Angeschoben wird der Konsum als Konjunkturtreiber zusätzlich durch den Rückgang der Ölpreise: Weil Tanken und Heizen billiger ist als vor einem Jahr, können Verbraucher mehr Geld in andere Dinge stecken.
Die Dekabank rechnet ebenfalls mit soliden 0,5 Prozent BIP-Wachstum im zweiten Vierteljahr. „Wie schon in den vergangenen Quartalen bildet eine robuste Konsumtätigkeit das Fundament, auf dem die Konjunktur aufbaut“, schreiben die Deka-Volkswirte.
„Stabil auf mehreren Beinen“
Die deutsche Wirtschaft stehe „stabil auf mehreren Beinen“ - so die Analyse der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba): „Die bisher veröffentlichten Konjunkturindikatoren zeigen, dass das zweite Quartal 2015 etwas stärker ausgefallen sein sollte als das erste Vierteljahr.“
Zum Jahresauftakt war der deutsche Konjunkturmotor etwas ins Stottern geraten: Das reale BIP stieg in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal um vergleichsweise geringe 0,3 Prozent. Damals bremste der Außenbeitrag - die Differenz der Entwicklung von Exporten und Importen: Zwar wurden im ersten Quartal mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als Ende 2014. Doch die Einfuhren nach Deutschland stiegen noch sehr viel kräftiger.
Das politische Umfeld hat sich wieder etwas beruhigt, was viele Mittelständler aufatmen lässt. Monatelang hatte das Gezerre um Griechenlands Zukunft für Nervosität im Euroraum gesorgt, nun verhandeln die Geldgeber wieder mit der Regierung des von der Pleite bedrohten Landes. Der Atom-Deal mit Iran macht hiesigen Unternehmen zusätzlich Hoffnung auf neue Geschäfte.
Belastbar auch in schwierigem Umfeld
Im Mittelstand ist die Stimmung gut: Im Juli kletterte das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer auf den höchsten Stand seit 13 Monaten. „Die deutsche Wirtschaft erweist sich in einem teils schwierigen internationalen Umfeld als belastbar“, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Unter dem Strich hält der deutsche Aufschwung Kurs auf ein Realwachstum von mindestens 1,5 Prozent in diesem Jahr.“
Die Volkswirte der Deutschen Bank mahnen, Europas größte Volkswirtschaft solle sich nicht zu sehr im eigenen Glanz sonnen oder sich gar zu einer teuren Sozialpolitik hinreißen lassen. Zwar deuteten die Ergebnisse bis jetzt darauf hin, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen von Mindestlohn und Rente mit 63 in Grenzen hielten, schreiben die Ökonomen in einer aktuellen Studie. Doch: „Der reale Einkommenszuwachs durch sinkende Ölpreise, die Unterstützung des Exports durch den schwächeren Euro, der äußerst expansive Kurs der EZB und die derzeitige Einwanderungswelle am deutschen Arbeitsmarkt könnten möglicherweise über die negativen Auswirkungen der fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik hinwegtäuschen.“ (dpa)