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Schwächeanfall nach Würstchen mit Sauerkraut

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann klappt auf dem Neujahrsempfang seines Hauses zusammen. Der Stress war schuld, sagt er.

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Deutschlands mächtigsten Bankier hat bislang nichts umgeworfen: kein Mannesmann-Prozess mit Siegeszeichen, kein Rekordgewinn oder -verlust, kein massenhafter Stellenabbau, kein Imageverlust, keine Finanzkrisen-Hiobsbotschaft. Nicht einmal der Verhaftungswunsch des linken Bundespräsident-Kandidaten Peter Sodann brachte ihn aus der Fassung.

Doch am Mittwochabend war es so weit: Josef Ackermann aß beim Neujahrsempfang der Deutschen Bank in Berlin zwei Würstchen mit Sauerkraut. Die hauten ihn um.

„Ich hatte den ganzen Tag dicht gedrängt Termine, leider nichts gegessen und fast nichts getrunken“, schildert der 60-Jährige den Vorfall. Nach dem Genuss der Würstchen sei ihm schlecht geworden. „Die Ärzte wollten auf Nummer sicher gehen, haben mich gründlich untersucht und mich dann aber auch schnell wieder nach Hause geschickt“. Er betrachte den Vorfall als „Warnschuss“ und werde künftig besser auf sich aufpassen, so Ackermann. Gestern ging er bereits wieder seiner Arbeit nach.

Ackermann lobte auf dem Neujahrsempfang – auf dem nahezu die gesamte bundespolitische Prominenz fehlte – die Regierung, die Zentralbanken und sogar die Gewerkschaften. Das Schön-Wetter-Machen ist wohl notwendig. Seine Glaubwürdigkeit fällt – von einem Zwischenhoch Mitte vorigen Jahres abgesehen – nahezu ebenso rasant wie der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie. Die Fachwelt überraschte er am Mittwoch mit der Offenbarung, die Bank werde 2008 mit einem Verlust von rund vier Milliarden Euro abschließen. Dabei hatte sie bis einschließlich Ende September noch Gewinn gemacht.

Die große Schwäche im letzten Quartal war weniger auf Kreditrisiken bei Würstchenfabrikanten und Sauerkrautherstellern zurückzuführen (hat die Deutsche Bank solche Firmenkunden?) als vielmehr auf Gewerbeimmobilienkredite, Aktienderivate und sonstige Kreditprodukte. Hat Ackermann all das unterschätzt? Schämt er sich?

Die Scham führt der gebürtige Schweizer gern an. „Besäße ich oberflächlichen Luxus wie Yachten, würde ich mich vor mir selbst schämen“, sagte er einmal dem „Zeit-Magazin“. Und er provozierte Politiker und Kollegen mit dem Satz: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“ Im Februar 2008 hatte der Manager versichert, die Deutsche Bank habe reinen Tisch gemacht. Das Eingeständnis der horrenden Verluste widerspricht dem. Ackermann wird künftig wohl mehr im Magen liegen als nur zu hastig gegessene Würstchen mit Sauerkraut. (SZ/uwo/dpa)