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Schwarze Liste, harte Strafen

Russische Fußballfans haben einen sehr schlechten Ruf. Kommt es nun bei der WM zu neuen Gewaltexzessen?

© dpa

Von Peter Spinella, Thomas Körbel und Benedikt von Imhoff

Die Bilder haben sich eingebrannt: Brutal prügelten russische Hooligans, beinahe militärisch organisiert, bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich auf englische Fans ein. Die schwersten Krawalle bei einem Fußball-Großturnier seit fast 20 Jahren schüren jetzt Ängste vor Randalen bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft im Heimatland der Schläger. Doch mit einer harten Linie wollen die russischen Behörden ähnliche Bilder wie in Frankreich vermeiden. Vorbei scheinen zumindest die Zeiten zu sein, als Abgeordnete der Duma die Schlagkraft russischer Fans feierten.

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Zu wichtig sei das Turnier für die Außendarstellung auch von Präsident Wladimir Putin, der sich soeben mit einem Rekord-Ergebnis im Amt bestätigen ließ, ist häufig zu hören. Kommentatoren verweisen immer wieder auf den friedlichen Verlauf des Konföderationenpokals 2017. Es gab keine Krawalle. Rechtzeitig zu dieser Generalprobe für die WM waren die Gesetze verschärft worden: Rowdys drohen monatelange Arreststrafen, hohe Geldbußen und Stadionverbote.

Gut 400 früher auffällig gewordene Fans stehen inzwischen auf einer schwarzen Liste der Behörden. Zur Abschreckung sind alle Störer mit Klarnamen im Internet zu finden. „Diejenigen, denen der Zutritt ins Stadion verboten ist, werden nicht hineingelangen“, betont WM-Cheforganisator Alexej Sorokin.

Die Randale russischer Hooligans 2016 in Marseille sind ein Auslöser der harten Linie. Demonstrativ nahmen russische Spezialkräfte bald nach der EM einen der mutmaßlichen Rädelsführer, Alexander Schprygin, vor laufenden Kameras auf einer Hoteltoilette vorübergehend fest. Der russische Fußballverband sperrte seine allrussische Fanvereinigung. Der Fan von Dynamo Moskau gilt als einer der Köpfe der russischen Ultra-Szene – mit guten Verbindungen in die Politik.

Zur WM präsentiert sich Schprygin, Kampfname „Kamantscha“, als zahmer Fanklubboss. „Ich denke, dass das Sicherheitsniveau in Russland so hoch sein wird, dass etwas Größeres als damals in Marseille völlig unmöglich ist“, erklärt der 40-Jährige. Für das Gespräch über Fangewalt hat er sich einen Ort ausgesucht, dessen Name von Ironie zeugt. „Brawler’s Pub“ heißt die schummrige Bar im Südwesten Moskaus – die „Kneipe der Streithähne“. Die Polizei habe russische Fans seit langem genau im Blick, meint Schprygin. Schon beim kleinsten Vorfall gebe es Verhöre. „Die Polizei reagiert sehr hart auf alle Verstöße.“ Auch deshalb sieht er keine Gefahr für Gäste aus dem Ausland.

Dabei verhehlt Schprygin nicht, dass es in der russischen Fußball-Kultur auch mal etwas ruppiger zugeht. „Sie (die Fans – d. A.) pflegen einen gesunden Lebensstil. Sie gehen ins Fitnessstudio und machen Kampfsport – solche Dinge“, sagt er.

Extrem nationalistisch und rechts

Das Bild vom saufenden, übergewichtigen Schläger, das durch Auftritte englischer Hooligans aus den 1980er-Jahren geprägt wurde – auch in Russland stimmt es längst nicht mehr. Vielmehr stößt es auf Verachtung in einer Fanszene, die häufig ultranationalistisch bis rechtsextrem geprägt ist. Rechtsradikale Symbole sind in den Stadien oft zu sehen. Immer wieder kommt es zu Angriffen von Fußballfans auf Migranten aus Zentralasien oder dem Kaukasus.

Als radikalste Gruppen gelten Hooligans der Hauptstadtvereine Spartak und ZSKA Moskau, zwischen denen es immer wieder zu organisierten Massenschlägereien mit Dutzenden oder sogar Hunderten Beteiligten kam. Berüchtigt sind außerdem die Fans von Zenit St. Petersburg. Aber auch kleinere Klubs wie Ural Jekaterinburg oder FK Arsenal Tula haben gewaltbereite, rechtsextreme Anhänger.

Kürzlich berichtete die „Bild“-Zeitung, das Bundeskriminalamt warne in einem geheimen, vertraulichen Bericht vor der Gewaltbereitschaft von Teilen der russischen Fanszene. Das Sicherheitskonzept müsse nicht verändert werden, betont das WM-Organisationskomitee immer: „Szenarien für alle möglichen Arten von Angriffen wurden berücksichtigt.“

Ein Problem bleibt der Rassismus in Russland. Auch Schprygin fiel früher mit rassistischen Äußerungen auf. Fremdenfeindlichkeit belastet den Ruf der russischen Fankultur. Immer wieder bekommen das dunkelhäutige Spieler in der Liga zu spüren, und auch Akteure ausländischer Mannschaften klagten bei Europapokalspielen über „Affenlaute“ aus dem Fanblock. Erst vor wenigen Monaten erhielt der amtierende Meister Spartak Moskau vom Weltverband Fifa einen Rüffel für ein Video: Der Verein hatte zwei seiner eigenen brasilianischen Spieler als „Schokoladen“ bezeichnet. (dpa)