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Schwarzer Protest

RB Leipzig kassiert mit dem 1:2 bei Union Berlin die erste Niederlage in Liga zwei. Aber das ist nicht das einzige Ärgernis.

© dpa

Von Nikolaj Stobbe

Am Ende war die Freude so groß, dass von der Protestaktion gegen den „Kunstverein“ kaum noch geredet wurde. Während sich einige Fans in schwarze Regencapes hüllten, setzten die Spieler auf dem Rasen ein sportliches Zeichen: Union Berlin bringt RB Leipzig die erste Niederlage in der 2. Fußball-Bundesliga bei und vermasselt dem von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz finanzierten Klub den Sprung an die Tabellenspitze. Für die „Eisernen“, die zuvor saisonübergreifend elf Spiele nicht gewonnen hatten, war es der erste Sieg unter Norbert Düwel. Das sei eine „große Befreiung“, sagte der neue Coach.

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RB-Trainer Alexander Zorniger war dagegen ziemlich geladen und meinte angesichts der besonderen Brisanz: „Ich freue mich, dass es nicht die Traditionsmannschaften geschafft haben, das Stadion zu füllen, sondern wir.“ Er sei von einem Sieg seiner Elf überzeugt gewesen. „Ich hatte nie das Gefühl, dass Union ein Tor macht. Doch dann haben wir zweimal nicht mit Wille, sondern nur mit Talent verteidigt. Und da hat es geklingelt“, sagte Zorniger.

Nach dem ersten Treffer von Sebastian Polter konnte Yussuf Poulsen nach Abwehrfehler von Ex-Dynamo Toni Leistner für die Leipziger mit einem Heber ausgleichen, aber in der 83. Minute war es erneut Neuzugang Polter, der Union jubeln ließ. RB-Kapitän Daniel Frahn war sauer. „Union hat zwei Chancen und macht zwei Tore, das war schon bitter“, sagte der Torjäger, der von den Fan-Protesten zu Spielbeginn angeblich nicht viel mitbekommen hat. „Ob die da nun in Schwarz, Gelb oder Blau rumlaufen, ist mir egal. Für mich war es ein Spiel wie jedes andere.“

Union-Fans hatten ihrer Wut gegen den angeblichen „Kunstverein“ aus Leipzig Luft gemacht. In den ersten 15 Minuten verzichteten sie auf Sprechchöre. Eine seltene Stille breitete sich im Stadion An der Alten Försterei aus. Die 20 000 schwarzen Regenjacken, die zuvor verteilt wurden und den Tod der Fankultur in Leipzig symbolisieren sollten, blieben jedoch weitgehend unbenutzt. Zudem bekundeten die Anhänger der „Eisernen“ ihre Vorbehalte mit Plakaten. „In Leipzig stirbt die Fußballkultur“ und „Fußball braucht Mitbestimmung, Treue, Stehplätze, Emotionen, Financial Fair Play, Tradition, Transparenz, Leidenschaft, Geschichte, Unabhängigkeit“, war in großen weißen Lettern auf schwarzen Transparenten zu lesen.

Wirklich neu ist das alles nicht. Anfang August haben sich mehrere Fanklubs mit der bundesweiten Kampagne „Nein zu RedBull!“ verbündet und machen seitdem kräftig Stimmung gegen den Zweitliga-Aufsteiger mit den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Bei den Leipzigern löst die Welle der Antipathie lediglich Schulterzucken aus. „Das muss man nicht verstehen“, erklärte Sportdirektor Ralf Rangnick.

Doch gerade bei den Berlinern, die sich gerne als Kult-Klub mit einer Unmenge an Tradition darstellen, ist der Widerstand gegen den vermeintlichen „Retortenverein“ groß. Als die Köpenicker 2011 um Aktionäre für den Stadionkauf warben, gab es ein Werbeplakat mit einer zerquetschten Red-Bull-Dose und dem Spruch: „Wir verkaufen unsere Seele, aber nicht an jeden.“ (sid)