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Schweine und Bubis in Farbe

Die Glasmalerin Renate Müller aus Uhsmannsdorf bei Niesky fährt in der Adventszeit auf einige Märkte und zu kranken Menschen.

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Von Irmela Hennig

Renate Müller hängt den großen Herrnhuter Stern unters Balkondach. „Ich mach es jetzt auch ein bissel weihnachtlich“, sagt die 50-Jährige. In ihrem kleinen Laden am Waldrand von Uhsmannsdorf bei Niesky stehen schon ein paar Weihnachtsgeschenke in der Vitrine.

Renate Müller ist Glasmalerin. Mit einer verschneiten Dorfkirchenszene und zartrosa Christrosen hat sie ein Windlicht und zwei Schalen verziert. Zu viel Vorrat will sie nicht anlegen. Renate Müller weiß nie im Voraus, wie die Geschäfte laufen. Auf den Weihnachtsmärkten ist es eher nicht so berauschend. Oft springt gerade mal die Standgebühr raus. „Die Märkte sind oft nur noch essen und Glühwein trinken. Viele nehmen uns Händler gar nicht war.“

Trotzdem wird die gebürtige Radebeulerin, die durch Heirat in die Lausitz kam, am Sonntag aufbrechen, die empfindlichen Kelche, Krüge und Vasen in Kisten packen und auf dem Seifhennersdorfer Weihnachtsmarkt am Karasekmuseum anbieten. Außerdem fährt sie zum Markt auf den Martinshof nach Rothenburg. Und in viele Rehakliniken. „Die Menschen dort können nicht weit laufen, wollen aber auch etwas kaufen.“ Oft sind es dann eher Geburtstagsgeschenke für später, die über den Verkaufstisch wandern.

Pinsel und Palette

Meisterin Renate Müller bietet nur Handarbeit an. In der kleinen Ladenwerkstatt mit Blick auf den Vorgarten entstehen Blütenmuster, Tierbilder, Glückwünsche. Gläser voller Pinsel stehen auf der Arbeitsplatte. Manche dieser Fehhaarpinsel sind fast zwei Finger breit, andere beinahe nadelspitzendünn. Auf einer Glaspalette mischt Renate Müller Terpentin, Dammarlack und Farbe. Sie taucht die Pinselspitze ein und schreibt scheinbar mühelos: „Zum Geburtstag“ auf einen Kelch. Ist die Farbe aufgebracht, werden die Gläser in einem Ofen, der wie ein Fass aussieht, gebrannt. Drei Stunden, bei 500 Grad.

Die kleinen Sachen gehen am besten. Für 10 bis 12,50 Euro verkauft die gelernte Porzellanmalerin hohe schmale Gläser. Aufwendige, individuell angefertigte Dinge können auch mal 75 Euro oder mehr kosten. Die Arbeitszeit rechnet Renate Müller da gar nicht mit. „Das würde dann niemand bezahlen.“ Gemalt habe sie immer sehr gern. Bei einem Tag der offenen Tür in der Meissner Porzellan-Manufaktur ist aus dem Hobby ein Berufswunsch geworden. Den hat sich Renate Müller erfüllt. In Rietschen wechselte sie zum Glas. Schon vor der Wende wollte sich die mittlerweile nach Uhsmannsdorf „weggeheiratete“ selbstständig machen. „Das wurde aber nicht genehmigt.“ Renate Müller zieht eine Schublade auf. In dem schmalen Fach liegen Bilder – Hasen. Große, kleine, als Schablone durchgepauste. Manche haben Schlappohren, andere ein geschecktes Fell. „Hasen male ich gern. Tiere überhaupt.“

Kirchen für Königssee

Doch wenn die Kunden es möchten, kommt alles mögliche auf die Gläser. Ein rosa Schweinchen zum fünften Grilljubiläum, Feuerwehrhelme, der Lieblingswellensittich namens Bubi. Oder für ein Hotel am Königssee die Kirchen der Region und die Alpenblumen. Für diesen Kunden gehen Renate Müller allerdings die Spezialgläser aus. „Von der Glasindustrie hier ist fast nichts übrig geblieben.“ Die Sektgläser für den Königssee hatte sie zuletzt in Hof bestellt. „Doch da gibt es auch keine mehr.“ Die Rohlinge beschaffen – das wird teurer und schwieriger. Die Glasmalerin fürchtet um die Zukunft des Handwerks in Deutschland. Ihre beiden Kinder jedenfalls werden die Werkstatt wohl nicht übernehmen.

Geöffnet hat Renate Müllers Geschäft

in Uhsmannsdorf, Spreehammer 4,

Montag 10 bis 19 Uhr und nach

Vereinbarung unter 035892/5462.