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Schweinegrippeimpfstoff wird zum Ladenhüter

Die Bundesländer bleiben jetzt auf dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe sitzen, den sie auf Anraten des Bundes bestellt haben.

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Von Ines Klein

Dresden. Im Bundesgesundheitsministerium gilt das Prinzip Hoffnung. Hoffen auf einen langen kalten Winter und neue Schweinegrippefälle zu Jahresbeginn. Das steigert die Angst und lindert vielleicht die Impfmüdigkeit. So lässt sich das Überangebot an Schweinegrippeimpfstoff vielleicht noch abbauen. Wenigstens drängt dafür die Zeit nicht. Dank der umstrittenen Konservierung sind die jetzt ausgelieferten Dosen bis Dezember 2010 haltbar. So weit haben die Länder nicht geplant, als sie auf Anraten des Bundes im Frühsommer rund 50 Millionen Dosen orderten. Sie sollten für ein Drittel der deutschen Bevölkerung ausreichen, zwei Spritzen pro Patient vorausgesetzt. Womit keiner gerechnet hat, ist, dass sich die Antikörper schneller und umfassender bilden als gedacht – nämlich schon nach der ersten Injektion. Und dass die Deutschen unter einer akuten Impfmüdigkeit leiden. Nur gut fünf Prozent der Bevölkerung und 15 Prozent der Ärzte haben sich bislang immunisieren lassen. Was bleibt, sind fünf Millionen Impfdosen, die in den Kühlschränken der Apotheken auf ihre Auslieferung warten.

Wöchentlich kommen neue Lieferungen dazu. Bezahlt sind die Dosen längst, denn die Länder gehen in Vorkasse. Sie sollten sich das Geld von den Krankenkassen zurückholen, die für die Schweinegrippeimpfung eigens einen Fonds aufgelegt haben. Doch die Kassen zahlen nur für die durchgeführten knapp sechs Millionen Impfungen. Auf Kosten von rund 250 Millionen Euro bleiben die Länder sitzen. Da aber niemand etwas zu verschenken hat, verhandelt Thüringen, das gegenwärtig den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz hat, im Auftrag aller mit Glaxo-Smith-Kline. „Die Länder ziehen Bilanz und stellen fest, dass sie viel zu viel Impfstoff haben“, sagt Heinz Fracke aus dem Erfurter Gesundheitsministerium. Man versuche deshalb derzeit in Gesprächen mit dem Hersteller, die Liefermengen abzusenken. Der Produzent selbst gibt sich wortkarg. Man habe Vertraulichkeit vereinbart.

Die 2,2 Millionen Dosen, die in der kommenden Woche ausgeliefert werden, werden verkauft. Ein Abnehmer könnte die von der Schweinegrippe stark gebeutelte Ukraine sein. Auch Afghanistan soll schon angefragt haben.