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Schwere Auffahrunfälle auf deutschen Autobahnen - oft mit Todesfolge

Titelbild: Pixel-mixer / pixabay.com

Das zunehmende Verkehrsaufkommen in Deutschland sorgt für immer vollere Straßen. 

Zwar sterben heute insgesamt deutlich weniger Menschen im Straßenverkehr als im Jahr 2000, doch die Zahl der Unfälle und Verletzten steigt. Besonders folgenschwere Unfälle ereignen sich auf Autobahnen. Im vergangenen Jahr kamen dort 409 Menschen ums Leben, 16 mehr als im Vorjahr. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen ein zu geringer Sicherheitsabstand und überhöhte Geschwindigkeit.

Sicherheitsabstand vernachlässigt

Eine Vielzahl der Verkehrsunfälle wäre vermeidbar, wenn der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Dabei muss längst nicht immer der Auffahrende schuld sein. Auch Autofahrer, die sich beim Wechseln der Spur nicht vergewissern, dass durch das Manöver niemand gefährdet wird, stellen ein Risiko dar. Ein tödlicher Unfall auf der A 71 im Juli 2018 deutet auf diese Fahrlässigkeit hin. Eine 67-Jährige Autofahrerin wechselte auf Höhe Anschlussstelle Arnstadt-Süd auf die linke Spur. Das herannähernde Fahrzeug konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und es kam zum Aufprall. Die 67-Jährige starb am Unfallort.

Der Gesetzgeber hat zur Gewährleistung der Sicherheit im Straßenverkehr klare Regelungen zum Mindestabstand formuliert. Dennoch halten sich viele Autofahrer nicht daran, was fatale Folgen haben kann, wie der genannte Fall zeigt. Viele Verkehrsteilnehmer sind sich nicht bewusst, wie groß die Distanz zwischen ihnen und vorausfahrenden Fahrzeugen sein muss. Da Unwissenheit im Ernstfall nicht vor Strafe schützt, sollten sich Fahrzeugführer mit den Vorschriften auseinandersetzen. Laut Straßenverkehrsordnung ist bei Überlandfahrten der halbe Tachowert als Mindestabstand einzuhalten. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h müsste die Lücke zum nächsten Fahrzeug demnach mindestens 50 Meter betragen. Da die Auffahrgefahr erhöht ist, muss jeder Fahrer im Kolonnenverkehr auch weiter entfernt vorausfahrende Fahrer beobachten.

Grundsätzlich gilt: Der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug muss so groß sein, dass genug Zeit für Reaktion und Bremsung bleibt. Selbst, wenn der Vorausfahrende eine Vollbremsung vollzieht. 

Auch die Witterung spielt eine entscheidende Rolle. Bei schneebedeckter Fahrbahn, Nebel oder Starkregen ist der Abstand entsprechend des verlängerten Bremswegs und der Sichtverhältnisse anzupassen.

Als Orientierung zur optischen Messung des halben Tachowerts können die Leitpfosten auf Autobahnen dienen. Der Abstand zwischen den Begrenzungspfeilern beträgt 50 Meter. Dieser Abstand ist auf Landstraßen und Autobahnen identisch.

Empfindliche Strafen bei Verstößen

Verkehrsteilnehmer, die den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht einhalten und dabei erwischt werden, müssen mindestens mit einem Bußgeld rechnen. Je nach Schwere des Abstandsverstoßes sind Punkte und ein Fahrverbot denkbare Folgen. Unter https://www.bussgeldkatalog.net/abstand/ wurden beispielhafte Szenarien arrangiert, die laut § 4 StVO zu entsprechenden Strafen führen. Demnach müssen Verkehrssünder bei Geschwindigkeiten über 100 km/h mit 320 Euro Geldstraße, zwei Punkten in Flensburg und drei Monaten Fahrverbot rechnen, wenn der Abstand weniger als ein Zehntel des halben Tachowertes beträgt. Grundsätzlich werden Verstöße gegen den Sicherheitsabstand im Straßenverkehr der Gruppe der schweren Verkehrsdelikte zugeordnet.


Tragik auf deutschen Autobahnen durch überhöhte Geschwindigkeit und Unachtsamkeit

Autobahnen gleichen nach Auffahrunfällen nicht selten einem Trümmerfeld. So auch gleich zu Beginn des Jahres 2018, als ein fataler Aufprall auf der A 38 in Nordthüringen Richtung Leipzig für Schlagzeilen sorgte. Ein Porschefahrer prallte mit seinem Fahrzeug ungebremst auf einen Lkw und verschwand aufgrund der hohen Geschwindigkeit fast vollständig unter dem Sattelauflieger. Lediglich der Spoiler ragte hervor. Für den Fahrer kam jede Hilfe zu spät. Doch dabei blieb es nicht: Nachdem sich ein langer Stau gebildet hatte, kam es am Stauende zum nächsten Zusammenstoß zwischen einem Pkw und fünf Lastkraftwagen.

Ebenfalls im Januar kam es im Landkreis Bayreuth zu einem Drama. Nach einem Auffahrunfall auf der A 9 Höhe Talbrücke Trockau zwischen einem Mercedes und einem Sattelzug, konnten zwei weitere Fahrzeuge nicht mehr rechtzeitig bremsen. Sie prallten auf die Unfallfahrzeuge. Der Mercedes-Fahrer stürzte von der Brücke und starb. Ein Fall auf der A 4 Ende Oktober (wir berichteten) verlief weniger tragisch. Dabei hatte eine 42-Jährige das Stauende übersehen und fuhr auf einen Opel auf. Es blieb bei leichten Verletzungen.

Wie die Zahlen des Statistischen Bundesamts unter https://www.destatis.de/ zeigen, war bei 50.267 von insgesamt 360.736 Straßenverkehrsunfällen (mit Personenschäden), die 2017 auf das Fehlverhalten der Fahrzeugführer zurückzuführen sind, unzureichender Abstand die Unfallursache. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 2007 von rund 4,8 Prozent. Den Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) unter https://www.dvr.de zufolge, kamen allein 20.928 Verkehrsunfälle mit Personenschaden auf der Autobahn zustande. Ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent. „Auf den Autobahnen wurden 6,9 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden und 12,3 Prozent aller Getöteten gezählt“, so der DVR.

Maßnahmen zur Abstandsmessung

Die Polizei greift auf mehrere Methoden zurück, um den Sicherheitsabstand zwischen Fahrzeugen zu messen. Neben Laserpistolen und stationären Videogeräten ist die mobile Videoüberwachung im Einsatz. Bei letzterer Lösung befinden sich innerhalb polizeilicher Fahrzeuge sensible Messgeräte. Hiermit können Polizeibeamte während der Fahrt filmen und später einen Videobeweis vorlegen. In der Kabel eins Sendung Achtung Kontrolle wurden Tempo- und Abstandssünder mit dieser Methode überführt: