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Schwere Entscheidung für Karasek-Museum

Seifhennersdorfs Stadträte ändern ihr Projekt zum Brandschutz. Aber noch ist unklar, ob sie dafür das Geld haben.

© Rafael Sampedro

Von Holger Gutte

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Seifhennersdorf. Ina Köhler hat noch gut Lachen. Die Leiterin des Karasek-Museums in Seifhennersdorf hofft, dass mit der Einrichtung doch noch alles ins Lot kommt. Dabei lieferte das Museum im jüngsten Stadtrat wieder den Stoff für eine hitzige Diskussionsrunde unter den Stadträten. Denn ihnen lag eine Beschlussvorlage vor, mit der sie den erst im November gefassten Beschluss zur Einrichtung ändern sollten.

Die Diskussionen unter den Stadträten heizte sich dabei so auf, dass die Bürgermeisterin für fünf Minuten die Sitzung unterbrechen musste, damit sich die Gemüter beruhigen konnten. Stadträtin Friederike Cieslak (CDU) bezweifelte beispielsweise auch, ob die Form mit einer Beschlussänderung überhaupt in Ordnung ist. Ihrer Meinung nach hätte es eines neuen Beschlusses bedurft. Mit fünf Ja-Stimmen (UBS, Bürgermeisterin) und einer Nein-Stimme (CDU) sowie vier Enthaltungen (CDU und Linke) haben sich die Stadträte für eine Änderung des Beschlusses vom November entschieden.

„Was wir im November 2017 beschlossen haben, geht so nicht“, hatte Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS) vor der Abstimmung für die Beschluss-Änderung geworben. Damals hatten sich die Stadträte aus Kostengründen mehrheitlich auf eine kleine Variante geeinigt, um wenigstens einen Teil der Brandschutzauflagen zu erfüllen. Der Einbau einer Hausalarmanlage bei Rauchentwicklung, eine weitere Tür als Fluchtweg nach draußen und eine kleine Fluchttreppe gehörten dazu.

Im Nachhinein hatte die Stadtverwaltung jedoch festgestellt, dass der nötige Eigenanteil für das Projekt nicht wie angenommen in den Plänen für den Haushalt 2018 vorgesehen ist. Wiederum wirkte sich negativ aus, dass die Stadt schon längere Zeit auf ihre erkrankte Kämmerin verzichten muss. CDU-Stadträtin Friederike Cieslak verstand deshalb um so weniger, warum bei einem so wichtigen Beschluss der Hauptamtsleiter nicht anwesend war.

Die Stadt ist beim Museum in Zugzwang. Denn hat sie die nötigen Eigenmittel für das Brandschutzprojekt nicht, müsste sie die dafür vorgesehenen Fördergelder aus dem Stadtsanierungsfond an die Sächsische Aufbaubank zurückzahlen. Die Zeit drängt. Die Sondergenehmigung für den Brandschutz im Karasek-Museum läuft am 30. Juni 2018 aus. Bis dahin muss also wenigstens schon gehandelt worden sein.

Die Bürgermeisterin plädierte deshalb für eine Änderung des im Herbst gefassten Beschlusses. Und sie will gleich mehr Brandschutzauflagen erfüllen. „Wenn wir keine Lösung finden, haben wir in absehbarer Zeit kein Museum mehr“, sagte sie. Die Planungsphase drei liegt vor. Und sie fügte hinzu: „Jetzt müssen wir den Mut haben, und das restliche Geld in den Haushalt 2018 einstellen.“ Sie weiß auch, woher die Stadt das Geld nimmt. Noch vor der Regierungserklärung von Ministerpräsident Michael Kretschmer am 31. Januar ging sie fest davon aus, dass in Sachsen der Breitbandausbau nicht wie bisher vorgesehen mit 90, sondern zu 100 Prozent gefördert wird. Zu oft hatte ihrer Meinung nach Michael Kretschmer im Vorfeld in der Öffentlichkeit davon geredet. Dadurch kann die Stadt 106 000 Euro, die fest im Haushalt für den Breitbandausbau eingeplant waren, einsparen und anders verwenden. Schon die Hälfte davon würde erst einmal für den Brandschutz im Museum reichen.

Allerdings ist es nicht sicher, ob Seifhennersdorf eine 100-prozentige Förderung erhält. Denn den Fördermittelantrag für den Breitbandausbau hat die Stadt noch im Glauben der 90-prozentigen Förderung gestellt. Aber schon, wie die Bürgermeisterin sagt, mit dem Vermerk auf eine volle Förderung. Gleich mehrere Abgeordnete hätten hier aber erst einmal Gewissheit haben wollen, bevor das Geld schon wieder anders verplant wird.

Unabhängig von dem Hick-Hack wegen der Erfüllung der Brandschutzauflagen für das Museum hat der Museumsvorstand jetzt beschlossen, dass es auch 2018 einen Leinewebertag gibt. Weil das Obergeschoss für die Öffentlichkeit gesperrt ist, findet die Schauvorführung im März aber nicht in der Webstube des Museums, sondern im benachbarten Buln´heimschen Hof statt.