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Schwierige Raumsuche

Die Jugend will ihre Freizeit in Hartha verbringen. Doch dazu fehlt ein Domizil. Wie es weitergeht, bleibt auch nach einer Analyse der Situation offen.

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© André Braun

Von Cathrin Reichelt

Hartha. Sie wünschen sich einen Treffpunkt für junge Leute ab 16 Jahre. „Auch Jüngere sind kein Problem“, sagt Tommy Weise von der Interessengemeinschaft Bronx. Die Jugendlichen wollen mit Vereinen zusammenarbeiten, sportliche Veranstaltungen organisieren, gemeinsam Radtouren unternehmen oder einfach nur vom Alltag abschalten. Sie möchten ihre Freizeit in Hartha verbringen. Doch das ist schwierig.

Zu diesem Ergebnis kommt auch ein sogenanntes Sozialraumporträt, das das Kulturbüro Sachsen über Hartha erstellt hat. Danach wollen diejenigen, die in der Stadt groß geworden sind, möglichst auch dort bleiben. Vereine gibt es in Hartha genug, schätzen die Jugendlichen ein. Aber es fehlt ein Treffpunkt, „mit dem wir niemanden belästigen“, so Weise. Zwar gibt es den Jugendklub Sunshine an der Sonnenstraße, doch der teilt sich die Räume mit dem Hort. Dadurch gibt es Einschränkungen, die die jungen Leute in strengen Regeln und den Öffnungszeiten sehen. Auch das Konzept sei für die Jugendlichen wenig ansprechend, weil mehr auf Jüngere ausgelegt, sagt Susanne Feustel vom Kulturbüro.

Die Motivation sinkt

Bisher trafen sich die Jugendlichen in einer Garage, bemühten sich später um den Bahnhof und das Gelände um die Bronx, um dort ein selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum aufzubauen. All das hat sich zerschlagen. Auch der Bauwagen, den die Stadt zur Verfügung stellte, steht wieder leer. „Der Boden am Eingang und die Tür waren kaputt und der Bauwagen nicht abschließbar. Außerdem haben wir ihn erstmal stundenlang entrümpelt“, beschreibt Lucas Weber von der Interessengemeinschaft Bronx den Zustand. Der Grundgedanke sei gut, aber im Winter, auch wenn es kein strenger war, sei nichts zu machen gewesen, ergänzt Philip Just. Es gibt keine Heizung und keine Toilette. Mit einer finanziellen Unterstützung sieht er die Möglichkeit, den Wagen für die jungen Leute auszubauen. Sie treffen sich zwar weiterhin bei der Bronx, aber nur um zu beraten, wo sie anschließend hinfahren, um gemeinsam ihre Freizeit zu verbringen. Die Motivation der Jugendlichen hat augenscheinlich nachgelassen. Zwar haben sie sich zusammen mit den Mitarbeitern des Kulturbüros mögliche Treffpunkte angesehen, aber auch die seien aufgrund der Lage mitten in der Stadt oder der räumlichen Ausstattung kaum geeignet. Deshalb empfiehlt das Kulturbüro den älteren Harthaern, die Jüngeren beim Aufbau eines selbstverwalteten Jugendclubs zu unterstützen, damit sie ihre Interessen selbstbestimmt umsetzen können.

Einen Schritt weiter scheinen da schon diejenigen zu sein, die noch zur Schule gehen. Für sie und für die älteren Jugendlichen fordert das Kulturbüro ein Mitspracherecht – möglicherweise in Form eines Jugendstadtrates oder eines Runden Tisches. Philine Graichen, Schülersprecherin an der Pestalozzi-Oberschule, erklärt, dass es ein solches Mitspracherecht bereits gibt. Die Schüler können ihre Wünsche und Vorschläge über die Klassensprecher mitteilen. „Auch die Themen des fächerverbindenden Unterrichts haben wir selbst erarbeitet“, nennt sie zwei Beispiele. Und Schulleiterin Kerstin Wilde ergänzt, dass es zwar lange gedauert habe, „aber einen Jugendstadtrat können wir jetzt angehen.“ Viele Prozesse bräuchten Zeit zum Reifen.

Kontakt zu anderen Jugendlichen suchen

Stadtrat Albrecht Günther (CDU) weiß aus seiner Arbeit an der Oberschule Waldheim um den positiven Effekt eines Jugendstadtrates. „Ich kann ihn nur empfehlen“, meint er. In Bezug auf die älteren Jugendlichen stellt er die Frage: „Wie geht es in der Stadt weiter?“ Tatsache sei, dass der Stadtrat und der Bürgermeister eng mit den Jugendlichen zusammenarbeiten. Trotzdem sei bisher kein Kompromiss gefunden worden. Günther empfiehlt den jungen Leuten, Kontakt zu Gleichaltrigen in Waldheim und Leisnig zu suchen, um zu sehen, ob und wie sie es schaffen, einen selbstbestimmten Jugendklub zu führen.

So weit weg müsse man gar nicht schauen, meint Matthias Scheidig. In Nauhain gebe es seit 15 Jahren einen selbstverwalteten Jugendklub. Der werde von den Anwohnern akzeptiert und unterstützt. „Und wenn 80-Jährige auf die Jugendlichen schwören, haben die alles richtig gemacht“, meint Scheidig.