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Schwierige Suche nach Hilfsmotoren

Motordoping ist im Radsport nur schwer nachzuweisen. Eine neue Studie schürt Zweifel an der Testmethode des Weltverbandes.

© dpa

Von Emanuel Reinke

Christopher Froome wollte über die Vuelta reden, das Rote Trikot, den Traum vom Sieg in Madrid, als am zweiten Ruhetag wieder Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Radsports laut wurden. „Ich denke darüber nicht nach“, sagte der Tour-de-France-Sieger angesichts eines neuen Berichts zum Motordoping, der den Weltverband UCI in ein schlechtes Licht rückt.

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In der Recherche der ARD, der französischen TV-Sendung Stade2 sowie eines Journalisten des italienischen Corriere della Sera geht es nicht um Pillen oder Ampullen. Die Dokumentation wirft Fragen über die Effektivität der UCI-Tests auf, mit denen der Technikbetrug bekämpft werden soll. Versteckte Hilfsmotoren können einem Fahrer einen Vorteil verschaffen, ohne ihn einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen. Vorsprung durch Technik. 40 000 Tests hat die UCI in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt, allein 4 000-mal kontrollierten Prüfer des Weltverbandes bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli.

Ergebnisse? Negativ. Nur einmal wurde eine Athletin überführt, 2016 bei der Radcross-WM, als bei der Belgierin Femke Van den Driessche ein verbotener Hilfsmotor gefunden wurde. Ist das Prüfverfahren der UCI nicht wirksam genug? So lautet der Vorwurf. Die UCI setzt für ihre Tests ein speziell umgerüstetes Tablet ein, das mittels Magnetresonanz-Untersuchung versteckte Motoren ausfindig machen kann. Das Verfahren funktioniert, doch es eignet sich offensichtlich nicht zum Aufspüren fortschrittlicher Umbauten. „Motoren der ersten Generation“ könnten damit gefunden werden, sagte Professor Bernd Valeske vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP in Saarbrücken. Dort hatten die französischen Journalisten ein UCI-Tablet einem Härtetest unterzogen und Schwächen aufgezeigt.

Die einfachen Antriebe lassen sich aufgrund des verbauten ferromagnetischen Materials – etwa Eisen – im ausgeschalteten Zustand erkennen. Das Problem: diese Bauteile sind an Rädern überall zu finden, in Zahnrädern, Tretlagern oder Schrauben. „Es entstehen viele falsche Alarme. Das führt dazu, dass die Prüfer irgendwann ermüden, weil sie wissen, das sind Scheinanzeigen“, sagt Valeske: „Es ist daher eine gute Möglichkeit, in solchen Umgebungen etwas zu verbauen und zu verbergen.“

Doch es geht noch raffinierter. Der ungarische Ingenieur Istvan Varjas, der seine Technologie vor der Tour 2015 an einen Unbekannten verkauft haben will, präsentierte sein „magisches“ Hinterrad. Dieses drehte sich in dem Bericht ohne Krafteinwirkung von außen. Die Technik soll ohne ferromagnetische Bestandteile verbaut werden können. Sie könnte per Funkübertragung aktiviert werden, etwa aus einem Begleitfahrzeug oder sogar aus dem Publikum. Im Video schlug der UCI-Scanner bei dieser Konstruktion nicht an. (sid)

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