Teilen: merken

Schwieriges Gespräch über Flüchtlinge

Bei der Diskussionsreihe „miteinander reden“ ging es jetzt um das Asylbewerberheim in Naundorf. Die Stimmung war teils aufgebracht.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Der Mittwochabend im Gemeindehaus der Friedenskirche hat drei Dinge gezeigt. Erstens: Das Thema Flüchtlinge ist noch immer eine hochsensible und emotional geladene Problematik. Zweitens: Wer am lautesten spricht, wird am meisten gehört, auch wenn die Veranstalter das anders geplant haben. Und drittens: Eine konstruktive Diskussion ist schwierig, wenn die Ansichten der Teilnehmer kolossal weit auseinander liegen. Dann kann so eine Gesprächsrunde auch schnell dazu führen, dass das Verständnis für die Meinung des Anderen sogar noch abnimmt.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Frauenpower in böhmischen Dörfern

Dresden, 18. Februar 2019. Mariame Clément hat für die Semperoper Dresden Bedřich Smetanas Oper »Die verkaufte Braut« kräftig ausgelüftet. 

An mangelndem Interesse litt der Abend, der unter dem Thema „Unsere neue Nachbarn – Wiedereröffnung des Asylbewerberheimes in Naundorf“ stand, jedenfalls nicht. Die 20 Plätze im Stuhlkreis waren schnell gefüllt, die Leute ließen sich in einer zweiten und sogar dritten Reihe nieder. Darunter auch geladene Gäste, wie die Ausländerbeauftragte des Landkreises und der Betreiber des Wohnheimes.

Nach dessen Wiedereröffnung im Dezember leben dort derzeit 104 Asylbewerber, davon 100 Männer, drei Frauen und ein Kind. 110 Plätze gibt es regulär, im Notfall könnten maximal 158 Menschen im Haus vorübergehend untergebracht werden. Insgesamt leben in Radebeul im Moment 133 Asylbewerber. Familien sind in dezentralen Wohnungen untergebracht.

Dass beim Diskussionsabend keine Ausländer anwesend waren, missfiel einigen der Gäste. „Ich wollte die fragen, warum sie hier sind“, sagte ein Mann. Auch mit der Organisation der Diskussion war ein Teil der Leute nicht zufrieden. „Wir diskutieren gar nicht darüber, ob Flüchtlinge überhaupt aufgenommen werden sollten. Sie unterdrücken den Dialog, das ist keine Demokratie“, warf einer den Veranstaltern vor. Nach anfänglicher Ablehnung ließen sich dann aber doch alle Anwesenden darauf ein, in kleinen Gruppen miteinander ins Gespräch zu kommen.

In kleinerer Runde waren dann auch ganz andere Töne zu hören. Eine junge Frau erzählte, dass sie neben einer Flüchtlingsunterkunft aufgewachsen ist und nie Probleme gehabt habe. Noch mehr Vielfalt wäre schön, sagte ein Mann. Zum Beispiel ausländische Geschäfte, wo man verschiedenste Dinge kaufen kann.

„Die Leute sind nicht hier, weil sie kostenlos Bus fahren wollen, sondern weil ihnen in ihrer Heimat hinterher geschossen wurde“, erklärte ein anderer. Und ergänzte zum Thema Kultur: In den 60er-Jahren habe seine Oma im Ruhrgebiet ihm auch immer gesagt, er solle nichts bei den Gastarbeitern aus Italien essen. Die machten so komische Sachen. „Und heute geht alle Welt zum Italiener.“

Den Vergleich mit den Gastarbeitern finde er schwierig, erwiderte ein anderer Teilnehmer. Die seien damals zum Arbeiten gekommen. Die Ausländer, die jetzt hier sind, blieben mehr unter sich. Weil sie eine so große Gruppe mit ihrer eigenen kulturellen Prägung bildeten, hätten sie weniger Interesse, sich anzupassen.

Diskutiert wurde auch das Thema Sicherheit. Radebeuls Sozialamtsleiter Elmar Günther erklärte, dass die Stadt regelmäßig mit der Polizei im Gespräch sei. Seit das Asylbewerberheim 2004 eröffnete, habe es keinen signifikanten Kriminalitätsanstieg gegeben. Ein älterer Herr berichtete von anderen Erfahrungen. Früher habe man die Türen offenlassen können, erzählte er. Heute müsse er immer alles abschließen und trotzdem sei in letzter Zeit acht Mal bei ihm eingebrochen worden.

Elmar Günther widersprach deutlich der Aussage, Asylbewerber könnten bei Aldi und Netto in Radebeul Waren im Wert bis zu 50 Euro klauen, ohne verfolgt zu werden, weil die Kassiererinnen so große Angst vor ihnen hätten. „Das stimmt nicht“, so Günther. Einer Frau aus Naundorf war am Ende noch wichtig zu sagen, dass bei ihr noch nie eingebrochen wurde.

Schlussendlich war es ein Abend, an dem miteinander geredet wurde. Aber auch ein Abend mit etlichen verschränkten Armen und verbissenen Gesichtern. Als Anregung wollen die Organisatoren mitnehmen, beim nächsten Mal auch Asylbewerber einzuladen.