merken

Schwimmhalle soll blickdicht werden

Sportler und Schüler fühlen sich in der Schwimmhalle an der Freiberger Straße beobachtet. Manche Passanten treten sogar extra nah an die Scheiben heran. Die Dresdner Bäder GmbH reagiert jetzt.

© Sven Ellger

Von Lars Kühl

Anzeige
Eine Frage der Ehre

Ist Russland immer an allem schuld? Die IHK Dresden möchte am 05.11.2019 gemeinsam mit Russland-Interessierten diskutieren und Erfahrungen austauschen.

Dresden. Es ist ein Reflex. Aus dem Augenwinkel nimmt der Passant wahr, dass sich hinter dem Glas etwas bewegt. Der Kopf dreht sich zur Seite und schaut mitten hinein in die neue Schwimmhalle an der Freiberger Straße. Trubel im großen Wettkampfbecken, Training im Lehrschwimmbecken. Der Fußgänger läuft weiter und hat das Gesehene nach wenigen Sekunden wieder vergessen. Eine Schwimmhalle mit Glasfront ist schließlich so normal wie ein Freibad ohne Dach.

Der Ausbau der alten Halle am Freiberger Platz ist in vollem Gange. Bis zum Jahresende soll die Hülle saniert sein.
Der Ausbau der alten Halle am Freiberger Platz ist in vollem Gange. Bis zum Jahresende soll die Hülle saniert sein. © Sven Ellger

Doch es gibt die anderen, sie bleiben stehen, schauen länger hin als nötig, treten vielleicht sogar noch ein paar Schritte heran. Das merken dann auch die Schwimmer in der Halle, zumindest aber die Lehrer oder Eltern, wenn sie auf ihre Schüler oder Kinder aufpassen. „Ja, es gibt viele Beschwerden“, räumt Matthias Waurick, Chef der Dresdner Bäder GmbH, ein. „Die fühlen sich beobachtet.“

Waurick weiß zwar, dass die meisten Schwimmhallen Glasfronten haben und ein Hineinschauen kaum zu vermeiden ist, aber beim Neubau an der Ecke Freiberger/Maternistraße sei die Sache ein wenig schwieriger. „Er liegt sehr nah am öffentlichen Verkehrsraum.“ Die Beschwerden nimmt er ernst. Waurick hat selbst schon Leute stehen und hineinstarren sehen. „Wenn ich dann noch erfahre, dass einige von ihnen fotografieren, werde ich hellhörig“, sagt er. „Wir müssen jetzt in irgendeiner Form reagieren.“ Es gab deshalb schon Gespräche mit dem Architektenteam und dem Stadtplanungsamt.

Martin Boden-Peroche, einer der Architekten, hat Verständnis für die Angst der Beobachteten. „Aber gesellschaftlich ist das schon zu hinterfragen. Müssen wir uns immer weiter einschließen und verbarrikadieren?“ Den Auftrag wird er trotzdem umsetzen. Ideen von einer dichten Bepflanzung direkt vor den Scheiben bis zu blickdichten Folien gibt es.

Einen Kompromiss zu finden, womit die meisten gut leben können, sei schwierig, erklärt Bäderchef Waurick. Von einer einfachen Milchglasfolie hält er nichts. Auch Pflanzen kommen für ihn nicht infrage. In den Sträuchern hätten es Spanner viel leichter, sich zu verstecken. In den nächsten Tagen werde einiges ausprobiert. Ihm schwebt eine Variante mit Folien vor, die zwar das untere Drittel der Glasfront abdeckt, aber von außen als gestalterisches Element wahrgenommen wird. In der Gesamtheit könnten Klebestreifen beispielsweise ein Motiv zum Thema Schwimmbad ergeben. Im Idealfall werde eine Folie gefunden, durch die man zwar von außen nicht nach innen, andersherum aber schon schauen kann. „In den nächsten zwei Wochen werden wir dazu eine Entscheidung fällen.“ Direkt danach sollen Spezialfirmen mit der Umsetzung beginnen. „Bis Ostern ist das erledigt.“

Ausgeführt soll bald auch das Anbringen eines Schriftzuges sein. „Schwimmhalle“, flankiert mit dem blau-gelben Logo der Bäder GmbH, ist dann an der Seite zur Freiberger Straße zu lesen. Geformt von rund einen Meter hohen Buchstaben, die nachts leuchten. „Die Baugenehmigung ist da“, sagt Waurick.

Im Altbau wird inzwischen seit Ende des vergangenen Jahres kräftig gewerkelt. Das Lehrschwimmbecken ist bereits weg, das dortige Fliesenbild beim Restaurator. Die meisten Sitze sind ebenfalls abgebaut. Die Fliesen im großen Schwimmbecken werden demnächst abgeschlagen. Die denkmalgeschützte Decke dagegen wird nicht zerstört. Sie wird abgenommen, damit sie wie vorgeschrieben aufgearbeitet werden kann. In den nächsten Monaten bleibt viel zu tun. Waurick erwartet, dass die Hülle des Altbaus bis zum nächsten Winterbeginn saniert ist, damit in den kalten Monaten der Innenausbau zügig vorangehen kann. Der gesamte Komplex soll bis Anfang 2019 fertig sein.