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Schwitzen für Fortgeschrittene

30  Grad und mehr mitten im September – da bekommen nicht nur Menschen Sonnenbrand.

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© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber, Katarina Gust, Gunnar Klehm und Mareike Huisinga

Sächsische Schweiz. Schwitzt du noch oder klebst du schon? Keine ausgefallene Frage bei nahezu 30 Grad im Schatten und Sonne satt. Hoch „Karl“ heizt den Menschen in der Sächsischen Schweiz in dieser Woche noch einmal richtig ein. Voraussichtlich bis diesen Donnerstag bleibt es hochsommerlich warm. Erst am Freitag soll es wettertechnisch eine Abkühlung geben. Gute Aussichten also. Doch bis dahin heißt es durchhalten. Und zwar nicht nur für den Menschen. Die SZ hat die Freuden und Leiden des Spätsommers zusammengefasst.

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Die Freuden und Leiden des Spätsommers

Gärtnerei gießt im Akkord

Gießen, gießen und nochmals gießen, das heißt es im Moment für die Mitarbeiter der Gärtnerei Klein in Sebnitz. Bis zu zweimal täglich müssen die Pflanzen in den Gewächshäusern gewässert werden, erklärt Theresa Philipp. Das sei enorm zeit- und arbeitsintensiv. In den moderneren Gewächshäusern gäbe es einen Schattierschirm. Er sorge für das richtige Lichtmaß. In den älteren Anlagen gibt es diesen Schutz nicht. Deshalb müsse auf die Pflanzen dort besonders geachtet werden. Zum Beispiel auf die ersten Primeln, die bei Kleins schon wachsen. „Sie vertragen die Hitze nicht so gut und müssen oft gewässert werden“, sagt Theresa Philipp.

Morgens und abends bekommen die Pflanzen einen extragroßen Schluck gegen den Durst. Ein Rhythmus, den sie auch Kleingärtnern empfiehlt. In der prallen Mittagssonne sollte man dagegen die Hände von der Gießkanne lassen. Das könnte den Pflanzen mehr schaden als nützen. Für Theresa Philipp, ihre Mitarbeiter und auch Kunden gibt es dagegen eine Abkühlung. Im Verkaufsraum, in dem auch frische Blumen stehen, wurde eine Kühlanlage installiert. „Sie macht uns und die Blumen richtig glücklich“, verrät sie.

Qualität der Äpfel leidet

Viel Sonne und Hitze sind gut fürs Obst – könnte man denken. Doch die Obstbauern in der Region haben nicht nur Schweißperlen, sondern mittlerweile auch Sorgenfalten im Gesicht. „Die Früchte können bei starker Sonneneinstrahlung wie Menschen auch einen Sonnenbrand bekommen“, sagt Ulrich Rüdiger vom Obsthof Rüdiger in Helmsdorf. Dagegen schützen kann er seine Plantagen nicht. Der Schaden halte sich in Grenzen, da seine Plantagen von der Lage her etwas kühler stehen. Mit der Ernte der Wintersorten wurde bei ihm bereits begonnen.

Kritisch sieht man die derzeitigen Temperaturen auch im Obsthof von Steffen Menzel in Langenwolmsdorf. Die Ernte ist dort in vollem Gange. Es musste sogar schon zusätzliches Personal geholt werden, da alles auf einmal reife. Das allerdings sehe man den Äpfeln derzeit nicht an. Sie seien ziemlich grün. Das hängt allerdings damit zusammen, dass die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht nicht sehr groß sind. Die braucht der Apfel aber, denn nur so erhält er seine schöne Farbe, also am Tage warm und kühl in der Nacht. Bei Menzels gedeihen die Äpfel unter einem Hagelnetz. Das könnte man zwar wegnehmen. Doch bei den vorausgesagten möglichen Unwettern am Wochenende lässt es Steffen Menzel lieber noch ein paar Tage länger über seinen Bäumen.

Schüler freuen sich über hitzefrei

Bei heißen Temperaturen konzentriert bleiben und Klassenarbeiten schreiben? Schwierig. Deshalb bekamen die Mädchen und Jungen in der Neustädter Julius-Mißbach-Grundschule am Dienstag nach der fünften Stunde Hitzefrei. Am Mittwoch und Donnerstag wurden die Unterrichtsstunden auf 35 Minuten verkürzt, wie Schulleiterin Steffi Milantzkis mitteilt. Wie es am Freitag weitergeht, wird kurzfristig entschieden – je nach Temperaturprognose. An der Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt gibt es für die Kinder auch eher Schulschluss. Seit Dienstag haben sie nur bis zur fünften Stunde Unterricht. „Die restlichen Stunden fallen aus“, sagt Schulleiter Klaus Anders. In einem der Klassenräume sei es am Montag an die 30 Grad heiß gewesen. Schuld sind die großen Glasfronten, durch die sich das Gebäude aufheizt. „Für die Schüler und Lehrer sind diese Temperaturen nicht zumutbar“, sagt er.

Auf verkürzten Unterricht setzt in dieser Woche auch die Ludwig-Renn-Oberschule in Stolpen. Statt 45 Minuten lang werden die Fünft- bis Zehntklässler nur 30Minuten in einem Fach unterrichtet. Kurz vor 12 Uhr ist dadurch die letzte Stunde schon vorbei. Bis einschließlich Freitag soll diese Regelung gelten.

Freibäder gehen in die Verlängerung

Ein Großteil der Freibäder im Raum Sebnitz hat den Badebetrieb aufgrund der spätsommerlichen Temperaturen verlängert. Das Waldbad in Polenz hat bis diesen Donnerstag geöffnet. Gleiches gilt voraussichtlich für das Stadtbad Hohnstein, in dem man sich von 11 bis 18 Uhr erfrischen kann. Das Freibad des Kräutervitalbads in Sebnitz hat sogar die ganze Woche noch geöffnet – und zwar täglich ab 12 Uhr. Lediglich das Erlebnisbad Rathewalde hat seine Türen schon geschlossen. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen ist es seit Montag zu.

Bauarbeiter schwitzen am Elbkai

Es ist einer der heißesten Arbeitsplätze, die es derzeit gibt. Bei 35 Grad im Schatten arbeiten die Bauarbeiter am Elbkai in Bad Schandau. Nah am Wasser müsste es doch auszuhalten sein. Doch weit gefehlt. Schatten gibt es dort kaum. Den spenden zwar die dunklen Spundwände. Doch die sind von der Sonne so aufgeheizt und strahlen so viel Wärme ab, dass es in deren Nähe nicht kühler wird. Abwechselnd stellen sich die Bauarbeiter immer mal wieder in den Schatten des Baggers. Dort unten im Graben weht auch kein Lüftchen. „Da hilft nur viel trinken“, sagt Baumaschinenführer Jens Schiwek von der Firma Baucom Bautzen. Die Arbeiter haben Dutzende Löcher in die Mauer gebohrt und betonieren Stähle ein, die als Anker die Kaimauer stabilisieren und so das Umkippen verhindern sollen. Rund ein Viertel ist erst geschafft. Die Bauarbeiter hätten nichts dagegen, wenn das tropische Sommerwetter mal Pause machen würde.

Futtermais droht zu vertrocknen

Das heiße und trockene Wetter kommt für Uwe Petzold von der Agrar-Produktivgenossenschaft Pirna-Cotta eG zu spät. Das hätten wir bei der Getreideernte Ende Juli dringend gebraucht“, sagt der Fachmann. Jetzt bestünde das Problem, dass den Pflanzen Wasser fehlt. Das betrifft vor allem die Futterpflanzen wie zum Beispiel Silomais. „Wenn der zu stark austrocknet, lässt er sich schlecht konservieren“, erklärt Petzold. Deshalb müsse der Mais schon jetzt möglichst schnell geerntet werden. Dadurch nehmen die Arbeitsspitzen der Landwirte zu, denn außerdem beginnt die Aussaat für das nächste Jahr, sagt Petzold und spricht von einer Doppelbelastung.

Junge Weinpflanzen im Trockenstress

Winzer Wolfgang Winn aus Pirna baut seit über zehn Jahren eigenen Wein an. „So ein heißes Wetter im September habe ich noch nie erlebt“, sagt er und ist skeptisch. Den Trauben, die direkt von der Sonne beschienen werden, droht Sonnenbrand. Kein Witz. „Das heißt. die Beere trocknet ein und kann nicht mehr verwertet werden“, erklärt Winn. Jüngere Pflanzen, die noch keine tiefen Wurzeln hätten, gerieten schnell in Trockenstress. Dabei werden die Blätter gelb, sodass die Beeren nicht mehr reifen können. Allerdings sind die heißen Temperaturen auch eine Chance, da die Sonne den Fruchtzuckergehalt in den Beeren erhöht, sodass gute Öchslegrade, also gehaltvollere Weine erzielt werden. Näheres weiß Winzer Winn erst in zwei bis drei Wochen.

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