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Sebnitz: Gynäkologie schließt in der Klinik

Die Asklepios-Konzernleitung spricht von fehlender Wirtschaftlichkeit. Es ist nicht die erste Abteilung, die abgeschafft wurde.

In der Asklepios Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz wird die Gynäkologie abgeschafft.
In der Asklepios Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz wird die Gynäkologie abgeschafft. © Steffen Unger

Erst waberte es durch den Buschfunk. Inzwischen hat es der Asklepios-Konzern auch offiziell bestätigt: Die Gynäkologie in der Asklepios Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz wird dichtgemacht.

Vor wenigen Tagen wurde den Mitarbeitern verkündet: Die Abteilung wird zum Jahresende geschlossen. Öffentlich spricht die Konzernleitung von einer Schließung im ersten Quartal 2021. Ein Entschluss, der nicht nur den Ärzten, Pflegekräften dieser Abteilung wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen muss. Damit werde mit einem Handstrich das platt gemacht, wofür in den vergangenen Jahren gekämpft und gearbeitet wurde. Immerhin gab es für die Arbeit in der Gynäkologie weit über Sachsens Grenzen hinaus viel Lob. Das Brustzentrum, gemeinsam betrieben mit dem Klinikum Oberlausitzer Bergland in Ebersbach, erhielt deutschlandweit Bestnoten.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Selbst die Klinik wirbt auf ihrer Internetseite damit: "Spezialisten der Fachgebiete Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Anästhesie und Intensivmedizin sowie Radiologie sind bei uns rund um die Uhr im Einsatz, um eine schnelle und nachhaltige Behandlung auf hohem Niveau zu gewährleisten. Insgesamt mehr als 300 Mitarbeiter kümmern sich um Ihre Gesundheit". Und nun die plötzliche Schließung der Gynäkologie.

Deshalb wird die Station dicht gemacht

Ausschlaggebend für die Entscheidung ist aus Sicht der Konzernleitung die Wirtschaftlichkeit. Um eine Klinik für die Zukunft aufzustellen, müsse man sich von defizitären Bereichen trennen. "Leider hat sich trotz erheblicher Investitionen in qualifiziertes Personal und moderne Technik der Trend sinkender Patientenzahlen dramatisch fortgesetzt", sagt Asklepios-Regionalgeschäftsführer Patrick Hilbrenner. Seit mehreren Jahren würden die Belegungszahlen in der Gynäkologie ungebremst rückläufig. So habe man seit 2017 durchschnittlich etwa 370 Patienten jährlich betreut. "Angesichts der immensen Aufgaben, vor denen wir als Klinikbetreiber unter anderem durch den generellen Fachkräftemangel in der Pflege stehen, ist dieser Schritt sehr bedauerlich, aber notwendig", sagt Hilbrenner.

Die Corona-Pandemie habe die Situation weiter zugespitzt. "Um die Klinik für die bestmögliche medizinische Diagnostik und Therapie sowie die Pflege von Patienten auszurichten, konzentrieren wir uns auf die Stärkung des Chirurgischen Zentrums und der Abteilung Innere Medizin. Mit dem neuen Chirurgischen Zentrum und der klinikeigenen Physiotherapie haben wir 2020 Angebote für eine vollumfängliche Patientenversorgung geschaffen", sagt Hilbrenner. Es wäre unverantwortlich, Personal und Ressourcen, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden, in einem Bereich vorzuhalten, der nicht annähernd die nötige Auslastung und Akzeptanz erfahre.

Allerdings gibt es bereits jetzt offenbar Ungereimtheiten in den Zahlen. Denn zu den jährlich etwa 370 stationär betreuten Patienten kommen jährlich noch einmal etwa 350 Patienten, die ambulant in der Gynäkologie behandelt werden hinzu. Das wären dann an die 800 Patienten jährlich in der gynäkologischen Abteilung. Eine Stellungnahme von Asklepios dazu steht noch aus.

Überregionales Brustzentrum ebenfalls betroffen

Von 1994 bis 2015 war Dr. Aiman Bachouri Chefarzt der Fachabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Sebnitzer Klinik. In dieser Zeit baute er die vorhandenen Strukturen im Bereich der Geburtshilfe aus und erweiterte das Behandlungsspektrum in den Bereichen der operativen Gynäkologie, der onkologischen Versorgung sowie der Urogynäkologie.

Das stärkte den Ruf der Sebnitzer Klinik. 2003 war er Mitbegründer des Brustzentrums Ostsachsen, einer Kooperation des Klinikums Oberlausitzer Bergland und der Sächsischen Schweiz Klinik Sebnitz. Der Leitende Oberarzt Stefan Päßler hat das Brustzentrum weiterentwickelt und damit auch den überregionalen Ruf der Klinik gestärkt. Auch das Brustzentrum in Sebnitz steht damit vor dem Aus. Es habe dem Rückgang der Patientenzahlen nicht entgegenwirken können, sagt Hilbrenner. Also nächster Fachbereich dicht. Den ärztlichen Mitarbeitern werde gekündigt. Auf das Pflegepersonal habe die Schließung der Station keine Auswirkungen.

Personal befürchtet Folgen für den Ruf der Klinik

Ganz offen wird unter dem Klinikpersonal inzwischen diskutiert, dass die Schließung der Gynäkologie dem Image der Klinik weiter schade. Denn es ist nicht der erste Bereich, der dicht gemacht wird. So wurde bereits vor einigen Jahren die Geburtenstation geschlossen. Begründung: zu unrentabel. Es folgten unter anderem die Auslagerung der Physiotherapie, welche inzwischen wieder in der Klinik angesiedelt ist. Es wurden die beiden Klinikküchen für die Hauptversorgung geschlossen.

Sicher, auch das wird bestätigt, dass die fetten Jahre vorbei seien. Aber das Einzugsgebiet der Einwohner ist geblieben. Betroffene müssen jetzt die Kliniken im Umland aufsuchen in Pirna, Ebersbach, Bautzen oder Dresden.

Niedergelassene Frauenärzte sehen mit der Schließung der Gynäkologie einen Teil der Grundversorgung im ländlichen Raum wegbrechen. Das sei bedenklich, sagt zum Beispiel die Neustädter Ärztin Astrid Schillert. "Es ist ein schwieriges Problem. Etwa die Hälfte der Patienten kommen doch gerade auch wegen kleinerer Sachen. Darunter sind viele ältere Frauen, denen es wichtig ist, vor Ort operiert zu werden. Eine Gynäkologie gehört zur Grundversorgung dazu", sagt sie. Und dabei spricht sie ein weiteres Problem an. Mit dem Wegfall dieses Fachbereiches und des Brustzentrums in Sebnitz gibt es auch für andere Bereiche weniger Patienten, wie etwa in der modern ausgestatteten Radiologie.

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