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Bei jedem Wetter zum Patienten

Die Pflegedienste müssen sich auch im Winter zu den Senioren durchkämpfen. Die Ökumenische Sozialstation Sebnitz tut das seit 30 Jahren.

Kathrin Dambuk von der Ökumenischen Sozialstation Sebnitz: Der ambulante Pflegedienst war vor 30 Jahren der erste in der Region.
Kathrin Dambuk von der Ökumenischen Sozialstation Sebnitz: Der ambulante Pflegedienst war vor 30 Jahren der erste in der Region. © Steffen Unger

Was die größte Herausforderung in ihrer Arbeit ist? Schwester Kathrin muss nicht lange überlegen. "Jetzt gerade ist es der Schnee", sagt die Pflegedienstleiterin der Ökumenischen Sozialstation in Sebnitz. Als Leiterin des ambulanten Pflegedienstes ist Kathrin Dambuk zwar selbst nur selten draußen unterwegs, sondern organisiert und plant die Touren. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch müssen sich tagtäglich mit ihren Autos durchkämpfen, auch jetzt im Winter, wenn die Straßen im bergigen Sebnitz und den Dörfern in der Umgebung nicht nach jedem Schneefall sofort beräumt sind oder zugeschobene Parkplätze längere Laufstrecken erfordern.

In ihrem Job sind die mobilen Pfleger somit Pflegefachkräfte und Kraftfahrer zugleich. Rund 20 Patienten in deren privaten Wohnungen oder Häusern fahren die Schwestern pro Schicht an. Zwischendrin müssen sie auf den Verkehr achtgeben und sich dann wieder auf den jeweiligen Patienten und seine Bedürfnisse einstellen.

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Corona erschwert die Arbeit der Pflegedienste

Die Mitarbeiter der Ökumenischen Sozialstation in Sebnitz tun das seit 30 Jahren. Am 26. Januar 1991 wurde der von den beiden Kirchgemeinden gemeinsam gegründete Verein seine Arbeit auf. Er war damit der erste mobile Pflegedienst in Sebnitz und Umgebung nach der Wende. Das Angebot steht seitdem allen Pflegebedürftigen offen, egal ob konfessionell gebunden oder nicht.

Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, ist diese Arbeit noch einmal schwieriger geworden. Die ohnehin geltenden Hygienestandards wurden noch einmal erhöht. Autos und Arbeitsflächen werden ständig desinfiziert, die Belegschaft ist in Teams aufgeteilt, sodass möglichst immer die gleichen Mitarbeiter zu den Patienten fahren und wenig Austausch besteht. Vor Ort im Haus des Patienten muss eine Maske getragen werden.

Masken sind Gift für die Kommunikation

Besonders die Masken machen die Arbeit anstrengender und erschweren vor allem die Kommunikation. "Die ganze Mimik geht verloren", berichtet Kathrin Dambuk, die 1999 als Krankenschwester begonnen hat und seit 2005 als Pflegdienstleiterin fungiert. Die Patienten können nicht mehr sehen, ob die Schwester sie gerade anlächelt. Viele ältere Menschen, die nur noch schwer hören, lesen zudem das Gesagte oft von den Lippen ab. Die bedeckten Gesichter sind für sie eine zusätzliche Hürde in der Verständigung.

Anfangs mochten sich einige Patienten noch nicht so recht mit den ungewohnten Maßnahmen abfinden. Inzwischen ist das Verständnis dafür aber da, sagt Kathrin Dambuk. Der Respekt vor der Krankheit sei groß, niemand wolle sich mit Covid-19 anstecken. Bisher hat es unter den Senioren, die von der Ökumenischen Sozialstation betreut werden glücklicherweise auch noch keine Krankheitsfälle gegeben.

Pflegedienst als Kontakt in die Außenwelt

Generelle Besuchsverbote wie sie zeitweise in den Pflegeheimen gelten, gibt es für daheim gepflegte Senioren nicht. Die Angehörigen kümmern sich um ihre Eltern und Großeltern, zum Schutz vor Infektionen werden Besuche aber eingeschränkt. Für manche Ältere, die keine Verwandtschaft in der Nähe haben, sind die Schwestern der einzige persönliche Kontakt in die Außenwelt.

"Ich möchte mich vor allem bei den Patienten für das Vertrauen bedanken", sagt Kathrin Dambuk. Und natürlich auch bei allen Kollegen, die die erschwerten Bedingungen auf sich nehmen. Insgesamt 25 Mitarbeiter beschäftigt die Sozialstation derzeit, zusätzlich zwei Auszubildende. Der Verein würde auch noch mehr Fachkräfte anstellen, sagt Kathrin Dambuk, dann könnte sie auch mehr Patienten aufnehmen. Derzeit gibt es eine Warteliste. Bewerbungen für die Jobs sind jederzeit willkommen.

Seit April 2016 bietet die Ökumenische Sozialstation neben dem ambulanten Pflegedienst auch eine Tagespflege im extra dafür umgebauten Haus auf dem Burggässchen in Sebnitz an. Dort werden Senioren tagsüber betreut, sie wohnen aber weiterhin zu Hause. Durch die Pandemie gibt es auch hier Einschränkungen. Um die Abstände einzuhalten, stehen weniger Plätze zur Verfügung. Die Angehörigen haben dafür Verständnis gezeigt, einige pausierten von sich aus. Für die, die sonst ganz alleine wären, bleibt die Tagespflege aber geöffnet.

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