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Blumenfabrik wird zum Platz für Senioren

Sebnitz hat einen Investor für den einstigen Sitz des VEB Kunstblume an der Weberstraße gefunden. Das Gebäude wird ein Haus für Senioren, aber kein Heim.

Ehemaliger VEB Kunstblume in Sebnitz: Die Stadt hat einen Investor für die Immobilie gefunden.
Ehemaliger VEB Kunstblume in Sebnitz: Die Stadt hat einen Investor für die Immobilie gefunden. © Steffen Unger

Nach jahrelangem Suchen hat Sebnitz eine der größten ungenutzten Immobilien im Stadtgebiet an den Mann gebracht: den früheren Hauptsitz des VEB Kunstblume an der Weberstraße, gleich neben dem Goethe-Gymnasium. Die alte Blumenfabrik mitsamt der umliegenden Grundstücke wird zur Wohnanlage für Senioren. Der Stadtrat hat den Verkauf für zusammen 260.000 Euro am vergangenen Donnerstag beschlossen.

"Darin stecken mehr als fünf Jahre harte Arbeit", sagte Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Die Stadt hatte die seit Jahren leerstehende Industriebrache 2015 gekauft und mit Fördermitteln mehr als die Hälfte der verfallenen Produktionsstätten abreißen lassen.

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Ein Senioren-Pflegeheim sollte hier entstehen, das war von Anfang an das erklärte Ziel. Es gab einen Architekturwettbewerb, die Gewinnerstudie sah eine Kombination aus Alt- und Neubau vor. Intern war zunächst das DRK Sebnitz als Betreiber im Gespräch. Nachdem der Verband aber 2018 bekannt gab, das Projekt nicht stemmen zu können, begann die Suche von vorn. Er habe dazu viele Gespräche geführt, erklärte OB Ruckh.

Wer investiert in Sebnitz?

Jetzt wurde ein Investor gefunden. Der Betreiber der geplanten Senioren-Anlage wird die Advita Pflegedienst GmbH. Der Kauf und Bau der Immobilie werden über die mit Advita personell eng verbandelte Entwicklungsgesellschaft Senioren-Wohnen Holding GmbH beziehungsweise deren hundertprozentige Tochter Senioren-Wohnen Sebnitz GmbH abgewickelt.

Der private Pflegedienst Advita wurde 1994 in Sachsen gegründet, ist heute mit 36 Niederlassungen in sieben Bundesländern vertreten und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 2.500 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin betreibt aktuell bereits 39 Senioren-Häuser, weitere 51 Objekte befinden momentan im Bau oder in der Planung. Man kenne sich also bestens aus in dem Metier, erklärte Matthias Faensen, Gesellschafter und Beiratsvorsitzender von Advita, bei seiner Präsentation der Pläne im Sebnitzer Stadtrat.

In Ostsachsen betreibt Advita unter anderem Häuser in Freital, Altenberg, Bautzen, Neschwitz, Görlitz und Radeberg. Oft wurden dabei bestehende Gebäude zu Senioren-Wohnanlagen umgebaut.

Was ist für den VEB Kunstblume geplant?

Ein solches Advita-Haus soll nun auch in Sebnitz entstehen. Das Konzept sieht folgendes vor: Betreutes Wohnen, eine WG für Demenz-Kranke sowie eine Tagespflege. Im Haus ansässig ist ein Pflegedienst, der verschiedene Leistungen anbietet. Die Menschen wollten im Alter vor allem nicht allein sein, so lange wie möglich aktiv bleiben und über sich selbst verfügen können, erklärte Faensen.

Im Betreuten Wohnen behalten sie eine eigene Wohnung, können aber je nach Bedarf verschiedene Angebote wahrnehmen: das gemeinsame Mittagessen, Hilfe im Haushalt bis hin zur Pflege. Besonders für Senioren, die noch keine Pflege benötigen, aber nicht mehr selbst kochen möchten oder für Paare, bei denen einer von beiden pflegebedürftig ist, sei das die passende Alternative, hieß es.

Die im Haus integrierte Tagespflege mit Beschäftigungsangeboten kann von den Bewohnern und von auswärtigen Senioren besucht werden und ist damit gleichzeitig eine "Brücke ins Quartier", wie Faensen erklärte. In der Wohngemeinschaft für Demenzkranke werden die dort lebenden Patienten rund um die Uhr betreut.

Wann wird an der Weberstraße gebaut?

Im ehemaligen VEB Kunstblume in Sebnitz sollen insgesamt rund 100 Senioren ein neues Zuhause finden. Dafür sind 65 Wohnungen geplant mit Platz für 75 bis 85 Menschen, weitere 24 Bewohner können in zwei Demenz-Wohngemeinschaften einziehen. Hinzu kommen 36 Gäste in der Tagespflege. Die Essensversorgung übernimmt eine hauseigene Küche, außerdem sind Büroräume für den ambulanten Pflegedienst geplant.

Die bisherige Architekturstudie sah eine Verlängerung des bestehenden Gebäudes entlang der Weberstraße vor. Im Gegensatz dazu will Advita diesen Neubau etwas kürzer halten und stattdessen t-förmig nach hinten in Richtung Hang bauen - also ganz ähnlich der abgerissenen früheren Produktionsräume. Die Ausrichtung in Nord-Süd-Richtung sei vor allem für die Wohnung optimal, erklärte Matthias Faensen, weil damit beide Fronten jeweils einen halben Tag Sonne bekämen. Im Detail stehe die Architektur aber noch nicht fest.

So sieht der Zeitplan aus: Die Investoren wollen innerhalb eines halben Jahres einen genehmigungsfähigen Bauplan vorlegen. Im Idealfall sollen dann im Frühjahr 2022 die Bauarbeiten beginnen, kündigte Gesellschafter Faensen an. Ende 2023 könnte das Advita-Haus in Sebnitz fertig sein.

Altes Heimatmuseum kann stehen bleiben

Zu den jetzt veräußerten Grundstücken gehören neben dem ehemaligen VEB-Gelände auch das frühere Heimatmuseum und ein benachbartes leerstehendes Eigenheim. Sämtliche Flurstücke hatte die Stadt Sebnitz zuvor für das geplante Projekt angekauft. Das leere Eigenheim an der Bergstraße wird abgerissen werden.

Ehemaliges Heimatmuseum Sebnitz an der Ecke Albertweg/Bergstraße: Die Villa soll erhalten werden.
Ehemaliges Heimatmuseum Sebnitz an der Ecke Albertweg/Bergstraße: Die Villa soll erhalten werden. © Steffen Unger

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Hoffnung gibt es aber für das ehemalige Museumsgebäude am Albertweg. Dem geplanten Neubau ist es nicht im Weg, für einen Abriss gebe es also zunächst keinen Grund, erklärte Matthias Faensen. Eventuell könnte die Villa des früheren Heimatmuseums wieder als Wohnhaus hergerichtet werden, genaue Pläne gebe es noch nicht. Die umgebenden Bäume sollen möglichst erhalten bleiben.

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