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"Wir brauchen eine e-bike-freundliche Stadt"

Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) sieht die Burgstadt als Wohn- und Arbeitsort. Für Touristen gibt es aber auch einiges zu erleben.

Uwe Steglich (FDP), Bürgermeister von Stolpen, über geplante Investitionen und Herausforderungen im Jahr 2021.
Uwe Steglich (FDP), Bürgermeister von Stolpen, über geplante Investitionen und Herausforderungen im Jahr 2021. © Steffen Unger

Herr Steglich, Stolpen schafft Voraussetzungen, um vom Speckgürtel der Landeshauptstadt Dresden profitieren zu können, zum Beispiel mit neuen Wohngebieten. Wie wichtig ist das für die Stadt und gibt es bereits einen Aufwärtstrend?

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Ich glaube, wir sollten vorerst nicht von einem Aufwärtstrend sprechen, sondern vielmehr einem Abwärtstrend entgegenwirken. Und das ist der Fall. Die Einwohnerverluste waren in den letzten vier Jahren nicht mehr so stark, wie in den Jahren davor. Pro Jahr haben wir im Schnitt bislang 20 Einwohner verloren. Ende Juni 2020 gab es seit langer Zeit sogar wieder einen Zuwachs. Man muss natürlich beachten, dass wir in den nächsten Jahren eher mit weniger Geburten rechnen müssen. Dies begründet sich mit der stark abfallenden Geburtenrate Anfang der 90er Jahre im Osten Deutschlands. Ich denke aber, dass wir mit der Einwohnerentwicklung dennoch zufrieden sein können. Das ist sicher auch ein Ergebnis der Investitionen in die Infrastruktur von Stolpen.

Davon könnten auch Firmen profitieren. Gibt es außer den bestehenden Neuansiedlungen bereits weitere Nachfragen? Wäre die Stadt überhaupt in der Lage weitere kommunale und vielleicht auch private Flächen für Gewerbe zur Verfügung zu stellen?

Die Nachfragen halten sich in Grenzen. Ungeachtet dessen machen wir uns schon Gedanken über weitere Gewerbeflächen. Allerdings sind da unsere Möglichkeiten im kommunalen und privaten Bereich etwas eingeschränkt. Schwerpunkt bleibt nach wie vor der Erhalt und Ausbau der vorhandenen Standorte.

Touristisch gesehen hat Stolpen außer der Burg nicht viel anzubieten. Das wirkt sich auf die Besucherzahlen aus und letztlich auf die Gewerbetreibenden, Gaststätten und Hotels, die auch vom Tourismus leben. Gibt es Ideen, Stolpen für Touristen attraktiver zu gestalten?

Stolpen ist mit den Gemeinden im Kerngebiet der Sächsischen Schweiz nicht zu vergleichen. Unser Schwerpunkt war immer der Tagestourismus. Deshalb gibt es ja zum Beispiel auch die beiden großen Parkplätze sowie extra Busparkplätze. Wir sind damit auf Tagestouristen vorbereitet. Neben der Burg haben wir zum Beispiel das Kunsthandwerkerhaus in Langenwolmsdorf oder das Landgut Lietze in Stolpen. Das sind schon einige Angebote, die wir für Tagestouristen bereit halten. Das Freizeitverhalten junger Familien und der Generation über 50 Jahren hat sich verändert. Junge Familien sind ganztägig aktiver mit ihren Kindern unterwegs. Darauf müssen wir reagieren. Ich nenne da nur solche Stichpunkte wie weitere Angebote für Kinder und eine E-Bike-freundliche Innenstadt. Ungeachtet dessen sind die Hotels und Pensionen in Stolpen normalerweise gut ausgelastet. Stolpen ist aus meiner Sicht kein schlechter Ausgangspunkt für Ausflüge in Richtung Sächsische Schweiz, Oberlausitz und Dresden.

Braucht Stolpen überhaupt mehr Touristen oder sieht man sich eher als Wohn- und Arbeitsort?

Sicher freuen wir uns über mehr Touristen. Wir sehen uns aber schon eher als Wohn- und Arbeitsort. Beides muss sich nicht gegeneinander ausschließen. Wenn wir Angebote für Touristen schaffen, werden diese auch von den Einwohnern genutzt. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Die Stadt hat einen Verfügungsfonds. Welche Projekte konnten daraus bereits unterstützt werden und welche sind noch geplant?

Bei dem Verfügungsfonds muss man wissen, dass dieser nur für das Stadtsanierungsgebiet, insbesondere die Innenstadt, anwendbar ist. Denn hier wurden Fördermittel aus der Stadtsanierung in Anspruch genommen. Wir konnten in den zurückliegenden Jahren einige Projekte umsetzten, die ohne den Verfügungsfonds nicht machbar gewesen wären und durchaus positive Zeichen gesetzt haben. Dazu gehören das Mausspiel, die Beleuchtung des Marktbrunnens, die Unterstützung der Weihnachtsaktionen oder solcher Projekte wie „Stolpen liest“. Wir werden diesen Fonds weiter nutzen. Meine Gedanken gehen da in Richtung Altes Amtsgericht und weiterer Angebote im Marktbereich.

Vor welchen großen Herausforderungen sehen Sie Stolpen in den nächsten fünf Jahren?

Wir haben in den letzten Jahren viel geschafft und sind froh über die Bilanz. Die Entscheidungen zu den Vorhaben haben manchmal etwas lange gedauert, kamen dann aber immer zur rechten Zeit. Jetzt wären solche Projekte wie die Turnhalle oder das Feuerwehrgerätehaus in Stolpen nicht mehr machbar. In den nächsten Jahren werden wir in der kommunalen Finanzausstattung sicher einen Rückschlag erleben. Da müssen wir eben mal auf die Bremse drücken und unsere Investitionen zurückschrauben. Wir werden dadurch sicher keine Lebensqualität einbüßen.

Die Stadt wird doch aber trotzdem noch investieren können. Was ist geplant?

Investitionsschwerpunkte, an denen wir auf jeden Fall in den nächsten fünf Jahren festhalten müssen, sind die Grundschulerweiterung in Stolpen, die Umsetzung des Digitalpaktes an unseren Schulen, der Breitbandausbau und Investitionen in unseren Bauhof.

Viel schwieriger sehe ich zukünftig die Finanzierung der steigenden kommunalen Aufgaben. Dazu gehört unter anderem die Unterhaltung der Infrastruktur, die Digitalisierung der Verwaltung, die Sicherung der digitalen Ausstattung unserer Schulen, der Bereich der Kitas, Feuerwehren und vieles mehr. Ich frage mich schon manchmal, warum die Gemeinden für Lehrer-Laptops zuständig sein sollen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Digitalisierung das Allheilmittel sein soll und man damit viel sparen kann. Das ist aber bei Weitem nicht so.

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