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Crystal ziehen mit Teenie-Mädchen

Zwei Sebnitzer standen vor Gericht, weil sie Schülerinnen die Droge zugänglich gemacht hatten - auf deren Wunsch. Die Urteile fallen unterschiedlich aus.

Eine Bahn Crystal (nachgestellte Szene).
Eine Bahn Crystal (nachgestellte Szene). © Symbolfoto: Claudia Hübschmann

An Crystal zu kommen, ist in der Grenzregion offenbar nach wie vor nicht schwer. Bei einem der Händler gleich an der Ecke hinter Grenze habe er den Stoff besorgt, berichtete Mirko W. am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Pirna. Dort musste der 37-jährige Sebnitzer sich verantworten, weil er die Droge mehrfach weiterverkauft und das Crystal, was besonders schwer wiegt, auch an zwei minderjährige Schülerinnen abgegeben haben soll - sie waren 15 und 16 Jahre alt. Letzteres warf die Staatsanwaltschaft ebenso Georg G. vor, dessen Fall am gleichen Tag gesondert verhandelt wurde.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen, weil eines der beiden Mädchen seinen Drogenkonsum zu Hause nicht länger verbergen konnte und von seiner Mutter daraufhin zur Polizei geschleppt wurde. Beide Mädchen machten eine Aussage. Es folgten Hausdurchsuchungen und die Auswertung von Mobiltelefonen. Besonders die Handychats sollten in beiden Prozessen eine Rolle spielen.

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Dem gelernten Koch Mirko G. konnten die Ermittler anhand der Chats detailliert nachweisen, dass er zwischen 2017 und 2019 mehr als zwei Dutzend Male Crystal an mindestens einen volljährigen Kumpel und eine frühere Schulfreundin weiterverkauft hatte. "Servus, alles klar bei dir? Hast du Zeit für mich für 50 Minuten?", lautete etwa eine Nachricht, die er empfangen hat. Die Antwort: "Bin jetzt im Imbiss. Gehen auch 100?"

Die Zahlen stehen nicht für Zeitangaben, sondern für Geld: also Crystal für 50 Euro oder für 100 Euro, das Mirko W. besorgt hat. Wirklich etwas daran verdient habe er nicht, erklärte der Sebnitzer. Oft habe er die 50 Euro von besagtem Kumpel schon vorher erhalten, damit er ihm etwas mitbringe. Von einer Freundin gab es mal 25 Euro obendrauf fürs Spritgeld oder eine Stange Zigaretten.

Rechtlich ist das aber kritisch. Schon wenn man mit dem Weiterverkauf der Droge seine eigenen Zigaretten finanziert, gilt das als gewerbsmäßiger Handel, erklärte Richter Andreas Beeskow.

Gemeinsam Crystal konsumiert

Der Richter interessierte sich vor allem dafür, wie der Kontakt zu den beiden Mädchen zustande gekommen war. Man habe sich bei einem Fest im Sebnitzer Sängerhof über gemeinsame Bekannte kennengelernt, erklärte Mirko W. Ja, er habe gewusst, dass die beiden noch minderjährig sind. Bei späteren Treffen habe man gemeinsam Crystal konsumiert. Mal habe er etwas dabei gehabt, mal die Mädchen.

"Ich hätte dies verhindern sollen. Da ich aber selbst unter Drogeneinfluss stand, war mir die Schwere nicht bewusst", sagt Mirko W. in seinem Geständnis. Er zeigte sich reuig und räumte die Vorwürfe komplett ein. Seit einem Jahr ist er clean, hat eine feste Partnerin und kann mit Ende der Corona-Beschränkungen bald wieder als Koch arbeiten.

In seinem Lieblingsberuf als Erzieher habe er trotz erfolgreicher Umschulung kaum eine Chance, erklärte seine Verteidigerin. Mit einem Drogendelikt im Führungszeugnis stelle ihn niemand ein. Das sei die größte Strafe für ihn.

Das Gericht verurteilte Mirko W. zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Er muss 500 Euro zahlen und sein Handy wird als Tatmittel einbehalten. "Ich erwarte, dass wir Sie hier nicht wieder begrüßen müssen", sagte Richter Andreas Beeskow.

Drogenkonsum auf der öffentlichen Toilette

Der ebenfalls angeklagte Georg G. aus Sebnitz kam weniger gut weg. Der 40-jährige gelernte Gärtner kann seit 1998 auf ein umfangreiches Strafregister zurückblicken: Sachbeschädigungen, Trunkenheit im Verkehr, Betrug und immer wieder Diebstahl. Unter anderem machte er damit Schlagzeilen, dass er sich im Vollrausch von seiner damaligen Partnerin im Sebnitzer Hochzeitspavillon hatte oral befriedigen lassen und anschließend versuchte, einen Bierkasten zu rauben. Zuletzt zeigte er auf offener Straße in Sebnitz den Hitlergruß.

In der Befragung stellte sich heraus, dass die beiden Schülerinnen im Februar 2020 in Georg G.s Wohnung zum ersten Mal Crystal konsumiert hatten. Dazu drängen musste er sie aber wohl nicht. Georg G. habe sich vor ihren Augen eine Bahn des Stoffs gelegt und sie hätten ihn daraufhin angebettelt, auch mal probieren zu dürfen, erklärten die beiden Jugendlichen als Zeuginnen vor Gericht. Bis dahin hatten sie immer nur Marihuana geraucht. Nach anfänglichen Bedenken gab G. ihnen schließlich etwas ab.

Die Wirkung blieb nicht aus. "Georg, gib mir einfach mehr, bitte, bitte", schrieb die Ältere der beiden später in einer Handynachricht. Zu anderer Gelegenheit zogen die beiden Mädchen und die Angeklagten noch einmal zusammen Crystal auf der öffentlichen Toilette in der Passage am Sebnitzer Markt. Im April 2020 begab sich die heute 17-Jährige wegen der Drogen in Therapie.

Das Gericht verurteilte Georg G. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten - ohne Bewährung. Er befand sich zum fraglichen Zeitpunkt wegen früherer Vergehen noch auf Bewährung, in der Zwischenzeit kamen weitere Strafbefehle hinzu. "Irgendwann ist dann Schluss", sagte Richter Andreas Beeskow. Gegen beide Urteile können noch Rechtsmittel eingelegt werden.

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