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Erste Schadensbilanz für Sebnitz

Vor allem Straßen, Wege und Bachläufe hat das Unwetter in Sebnitz beschädigt. In einem Brief an den Umweltminister fordert der OB mehr Hochwasserschutz.

Die Straße von Ottendorf bei Sebnitz ins Kirnitzschtal ist auch Tage nach dem Starkregen unpassierbar. Durchlässe sind zugesetzt, die Fahrbahn unterspült.
Die Straße von Ottendorf bei Sebnitz ins Kirnitzschtal ist auch Tage nach dem Starkregen unpassierbar. Durchlässe sind zugesetzt, die Fahrbahn unterspült. © Daniel Schäfer

Anders als beim großen Hochwasser 2010 in Sebnitz kamen die Wassermassen diesmal nicht vor allem vom Oberlauf des Sebnitzbachs in Tschechien geflossen, sondern aus Hertigswalde und von den Hängen des Ungers. Binnen kürzester Zeit hat der Starkregen am vergangenen Sonnabend die Hertigswalder Dorfstraße in einen reißenden Sturzbach verwandelt. Was vom Unger über Auen- und Seiffenbach in Richtung Sebnitztal abfloss, überflutete unter anderem das Gerätehaus der Sebnitzer Feuerwehr, so das diese ihre Befehlsstelle während der Einsätze ins Rathaus verlegen musste.

Der Höchststand der Sebnitz wurde mit 1,97 Meter gemessen, normal sind 50 Zentimeter. Zum Vergleich: 2010 lag der Pegel mit 3 Metern noch deutlich höher. Diesem Umstand, den bisherigen Schutzmaßnahmen und der schnellen Reaktion von Einsatzkräften und Helfern ist es zu verdanken, dass die Schäden nicht so drastisch ausfallen wie damals. Wohnbereiche wurden nur selten in Mitleidenschaft gezogen, es blieb bei überfluteten Kellern und Gärten, so Fazit der Stadtverwaltung.

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Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) und mehrere Stadträte nutzten die Stadtratssitzung am Mittwoch, um - nach einer Gedenkminute für die zahlreichen Todesopfer der Unwetterkatastrophe in Westdeutschland - allen Feuerwehrleuten, Mitarbeitern und freiwilligen Helfern für ihren Einsatz zu danken. Auffallend viele Jugendliche seien unter den Helfern gewesen, erklärte Ruckh, die unter anderem auf dem Marktplatz Sandsäcke befüllten. Sie und alle anderen hätten mitgeholfen, Schlimmeres zu verhindern.

Einige Tage danach kann das Rathaus eine erste Schadensbilanz vorlegen. 60.000 bis 80.000 Euro werden für Reparaturen an unbefestigten Straßen und Wegen fällig werden, die das Wasser ausgespült hat, weitere 80.000 bis 100.000 Euro für zerstörte Durchlässe. Stützmauern und Brücken müssen erst von Sachverständigen geprüft werden, bis genaue Zahlen vorliegen. Ebenfalls noch offen sind die Schäden an Bachläufen und Teichen, das hier das Wasser noch nicht vollständig abgeflossen ist. Allein für die Gewässer rechnet die Stadt mit mehreren 100.000 Euro.

Hinzu kommen etwa 150.000 Euro für die Entsorgung von Schlamm und Geröll. Diese Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch bis in den September hinein andauern. Besonders betroffen sind der Ottendorfer Bach vom Lochräumicht ins Kirnitzschtal - die Straße ist dort wegen Unterspülungen weiterhin gesperrt, die Dorfbäche in Lichtenhain, Hertigswalde, Schönbach sowie das gesamte Kirnitzschtal.

Die Sebnitzer Innenstadt kam vergleichsweise glimpflich davon. Alle Hochwasserschutzmaßnahmen, die die Stadt hier in den vergangenen Jahren umgesetzt hat, hätten sich bewährt, erklärte OB Ruckh, darunter der Rückbau der Wehrinsel und der Wasserkraftanlage an der Langen Straße sowie die Erhöhung des Brückenquerschnitts am Mühlgäßchen. Ebenso hätten sich viele private Grundstückseigentümer die Erfahrungen von 2010 zu Herzen genommen.

Reichen wird das im Ernstfall aber nicht, meint das Rathaus. Ruckh hat deshalb einen Brief an Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne)geschrieben, in dem er dessen Ministerium auffordert, weitere Gelder für den Hochwasserschutz entlang der Sebnitz bereitzustellen. Mehrere geplanten Baumaßnahmen im Stadtgebiet seien bisher immer wieder verschoben worden. "Es kann nicht sein, dass wir angesichts einer solch gravierenden Situation Planungs- und Umsetzungszeiträume von bis zu zehn Jahren in Aussicht gestellt bekommen", sagte Ruckh.

Zudem müssten die Erkenntnisse der grenzüberschreitenden Hochwasserstudie mit Tschechien schneller umgesetzt werden. Experten beider Länder hatten in einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie acht Standorte für Rückhaltebecken auf tschechischer Seite im Schluckenauer Zipfel identifiziert, die die Hochwassergefahr entlang des gesamten Flusslaufs verbessern würden. Ein Baubeginn für diese Dämme ist jedoch noch nicht absehbar.

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In einem ersten Beschluss hat der Sebnitzer Stadtrat bis zu 400.000 Euro für die Beseitigung der Hochwasserschäden freigegeben, darunter 20.000 Euro in einem Soforthilfefond für Härtefälle. Für Privatgrundstücke sei aber auch weiterhin die Eigenvorsorge entscheidend. "Es wird keine Feuerwehr geben, die Sandsäcke ausfährt", sagte Ruckh.

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