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Hat der Bikepark in Sebnitz noch eine Chance?

Lange war es ruhig um das Projekt, das den Tourismus in der Sächsischen Schweiz ankurbeln soll. Jetzt haben die Initiatoren neue Hoffnung geschöpft.

Von Dirk Schulze
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Mountainbike-Workshop am Sebnitzer Solivital: Der geplante Bikepark soll den Tourismus beleben.
Mountainbike-Workshop am Sebnitzer Solivital: Der geplante Bikepark soll den Tourismus beleben. © Archivfoto: Dirk Zschiedrich

Ein Bikepark für Mountainbiker am Rande der Sächsischen Schweiz - das erste Mal wurde diese Idee im Herbst 2017 bekannt, als die Stadt Sebnitz ihre Tourismusstrategie für die kommenden Jahre beschloss. Eigens angelegte Bike-Strecken im Wald sollen eine bislang vernachlässigte Zielgruppe anlocken. Wenngleich der Bikepark von Anfang an als grenzüberschreitendes Gemeinschaftsprojekt zwischen Sebnitz und seinen beiden Nachbarstädten Neustadt und Dolni Poustevna angedacht war, galt doch der Sebnitzer OB Mike Ruckh (CDU) als treibende Kraft.

Ruckh hat sein Amt als Oberbürgermeister Ende September niedergelegt. Auch die von den Bikepark-Initiatoren angestrebte Klärung zwischen Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) und Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) hat bislang in der erhofften Form wohl nicht stattgefunden.

Gestorben sei der Bikepark allerdings noch nicht, erklärte der scheidende Sebnitzer OB an einem seiner letzten Arbeitstage gegenüber Sächsische.de. Erst Anfang September habe ein Gespräch im Tourismusministerium in Dresden stattgefunden. "Das Tourismusministerium hat uns ganz klar signalisiert, dass man dieses Projekt in Sebnitz, Neustadt und Dolni Poustevna will", sagte Ruckh. "Dieses Gespräch hat uns wieder neue Hoffnung gegeben."

Eine schnelle Lösung sei zwar nicht in Sicht. Er sei aber guten Mutes, dass die Ursprungsidee nicht komplett zusammengestutzt werde. Die drei Städte arbeiten weiter an dem Projekt.

Strittig ist das Anlegen neuer Trails im Wald

Die Mountainbike-Routen sollen laut Planung ein Wegenetz von bis zu 150 Kilometern umfassen und könnten im Idealfall vom Gerstenberg im Dreieck zwischen Sebnitz, Neustadt und Dolni Poustevna bis auf den tschechischen Tanzplan oder zum Valtenberg bei Neukirch reichen. Zum einen verlaufen die Routen auf bestehenden Wegen, die nur zu beschildern sind, zum anderen müssten aber schmale Trails im Wald neu angelegt werden.

Strittig ist vor allem dieser Bau von neuen Wegen. Hier macht der Sachsenforst naturschutzrechtliche Bedenken geltend. Ein Teil der gewünschten Routen führt durch den Sebnitzer Wald. Das Waldgebiet an der Grenze zu Tschechien gilt als Musterbeispiel für einen naturnahen Waldumbau hin zu einem vielfältigen Mischwald. Ringsherum sind in der Sächsischen Schweiz die Fichtenwälder durch den Borkenkäfer großflächig abgestorben.

Bikepark als neues Produkt für Tourismusbranche

Um hierfür eine Lösung zu finden, sei eine aufwendige Planung nötig, die unter anderem Naturschutzgutachten und die Klärung von Grundstücksfragen umfasst, erklärte Ruckh. Dafür habe das Tourismusministerium den Kommunen organisatorische Unterstützung in Aussicht gestellt. Erst wenn eine verbindliche Trassenplanung vorliege, aus der hervorgeht, welche Routen naturschutzrechtlich überhaupt möglich sind, sei es sinnvoll, das Projekt im Detail der Öffentlichkeit vorzustellen.

Grundsätzlich hält Ruckh den Bikepark für wichtiger denn je. Bereits in der aktuellen Saison habe sich gezeigt, dass die Übernachtungszahlen in der Sächsischen Schweiz nach dem Rekordsommer 2020 wieder rückläufig sind. Für die Zeit nach Corona brauche die Tourismusbranche in der Region neue Produkte, die neue Kundengruppen erschließen.

Das Thema Radtourismus halten dafür auch andere für geeignet. In der Oberlausitz laufen die Planungen für eine rund 300 Kilometer lange Gravelbike-Strecke, die das Oberlausitzer Bergland mit dem Zittauer Gebirge und der Sächsischen Schweiz verbindet. Dem Sebnitzer Bikepark kommt das laut Mike Ruckhs Einschätzung nicht ins Gehege - im Gegenteil, die beiden Angebote würden sich bestens ergänzen. Im Erzgebirge nimmt gerade die beschilderte Bikeroute namens Blockline Fahrt auf, zusätzlich zum etablierten Stoneman Miriquidi und dem Trailcenter Rabenberg.