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Acht Monate Haft für Hitlergruß

Ein Sebnitzer bedrohte seine Freundin und deren Kinder. Dann beleidigte er Polizisten als "Hurensöhne". Nicht zum ersten Mal. Ins Gefängnis muss er aber nicht.

Symbolbild.
Symbolbild. © dpa-Zentralbild

Von Friederike Hohmann

Bei häuslichem Streit schickt die Polizei normalerweise nur einen Streifenwagen mit zwei Beamten los. Diesmal machten sich gleich vier Polizisten auf den Weg zu einer Wohnung in Sebnitz. Eine 16-Jährige hatte sie um Hilfe gebeten. Das Mädchen hatte Angst, dass der Freund ihrer Mutter ihrer Familie etwas antun würde. Er wolle die Mutter, ihren Bruder und das Mädchen im Schlaf umbringen, hätte er gedroht. Am Telefon fiel der Name von Jan H., den man im Sebnitzer Revier schon gut kannte. Denn H. war der Polizei schon mehrmals durch sehr aggressives Verhalten aufgefallen.

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Als die Streife eintraf, saß Jan H. im Wohnzimmer auf der Couch. In der Küche berichtete seine aufgelöste Partnerin von der Bedrohung. H. sollte deshalb die Wohnung verlassen. Da habe sich bei dem 30-Jährigen wohl der Schalter umgelegt, wie es einer der Beamten vor Gericht ausdrückt. Er wurde körperlich aggressiv, beschimpfte die Polizisten als Hurensöhne und Vollpfosten und zeigte den Hitlergruß.

In Dresdner Straßenbahn gekotet

Dass nicht nur letzteres eine Straftat ist, weiß Jan H. sehr genau. Zuletzt wurde er 2019 dafür am Amtsgericht Dresden verurteilt. Bereits etliche Zeugen mussten sich seinen Hitlergruß ansehen. Herbeigerufene Polizisten wurden übel beschimpft. Immer waren Alkohol und Drogen im Spiel, wenn Jan H. sich unflätig äußerte oder verhielt. Er ging mehrmals in Supermärkte, nahm sich Bier aus dem Regal, trank die erste Dose leer, steckte eine weitere ein und ging, ohne zu bezahlen. Einmal kotete und urinierte er in eine Straßenbahn in Dresden.

Immer wieder versuchte er, von der Sucht loszukommen. Mehrere Entgiftungen, aber keine Therapie stand er durch. Mehrmals bekam er Strafbefehle oder musste sich vor Gericht verantworten. Nun stand er erneut vor einem Richter: wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen.

Nur wenige Tage nach dem Vorfall, für den er in Pirna angeklagt ist, hatte er in einer Berufungsverhandlung am Landgericht Dresden erreicht, dass seine Gefängnisstrafe in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. Er hatte dort glaubhaft versichert, dass er auf dem richtigen Weg sei und seine Therapien angeführt. Auch hatte er schon eine Geldstrafe „abgesessen“ und gab an, nun sehr wohl zu wissen, wie es im Gefängnis zugeht.

Mit Drogen nichts mehr zu tun

Seit November hat Jan H. einen Job bei der Müllabfuhr, den er richtig gerne macht, sagt er dem Gericht. Dort wisse er genau, was er zu tun hat, hätte keinen Stress. Er hätte sich für eine Therapie angemeldet, stelle sich allen Untersuchungen, um seinen Führerschein wiederzubekommen. Er wolle künftig alles in Ordnung bringen. Mit Drogen habe er auch nichts mehr zu tun.

Richterin Simona Wiedmer möchte ihm das alles glauben. Aber Jan H. stand schließlich schon zum Zeitpunkt der nun angeklagten Taten unter Bewährung. Deshalb fällt es ihr nicht leicht, ihm auch diesmal eine Chance zu geben. Beleidigende Angriffe auf Respektspersonen könne man nicht durchgehen lassen. So etwas müsse angemessen bestraft werden, wie es der Gesetzgeber verlangt.

Wiedmer meint aber, Jan H. sei nicht dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Den Hitlergruß habe er gezeigt, um zu provozieren. Die Richterin lässt ihn schließlich unter Auflagen noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. Zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt sie ihn. Die Bewährungszeit mit angeordneter Bewährungshilfe beträgt drei Jahre. H. muss 700 Euro an die Staatskasse zahlen und fünf Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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