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Klinik Sebnitz: Was wird aus Gynäkologie?

Externe Ärzte sollen die gynäkologische Abteilung im Sebnitzer Krankenhaus ersetzen. Die Rettung der Station kann auch eine Expertenrunde nicht verkünden.

Sebnitzer Klinik: Experten beraten über die von Schließung bedrohte Gynäkologie.
Sebnitzer Klinik: Experten beraten über die von Schließung bedrohte Gynäkologie. © Steffen Unger

Niedergelassene Ärzte könnten künftig die gynäkologische Versorgung in der Asklepios-Klinik in Sebnitz übernehmen. Das ist das Ergebnis einer Expertenrunde, die Landrat Michael Geisler (CDU) einberufen hatte. In einem sogenannten Belegbettensystem würden dann Gynäkologen mit eigener Praxis, die nicht in der Klinik angestellt sind, ihre Operationen in dem Krankenhaus durchführen.

Die Pflege der Patienten übernehmen bei einer solchen Lösung weiterhin die Schwestern und Pfleger des Krankenhauses. Die externen Ärzte schließen dafür einen Vertrag mit der Klinik und zahlen für Bettenkapazität und Pflegeaufwand. Die Kosten rechnen sie selbst mit den Krankenkassen ab.

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Positive Signale aus Sozialministerium

Wirklich neu ist dieser Vorschlag nicht. Die Asklepios-Klinik selbst hatte ihn schon Ende 2020 ins Spiel gebracht nachdem bekannt wurde, dass die Schließung der Gynäkologie-Station im Sebnitzer Krankenhaus intern bereits beschlossene Sache ist. Nach der Expertenrunde ist nun zumindest klar, dass Sachsens Sozialministerium dem Vorschlag positiv gegenübersteht, wie das Landratsamt Pirna erklärt. Das Ministerium muss einen solchen Schritt genehmigen. Beantragt wurde er seitens der Klinik bereits.

An der Expertenrunde, die am 20. Januar per Videokonferenz stattfand, nahmen Vertreter des Sozialministeriums, Klinik-Geschäftsführer und Asklepios-Regionalchef Patrick Hilbrenner, die Mitglieder des Krankenhausbeirates, einweisende Ärzte aus der Region sowie Kreisräte der verschiedenen Fraktionen teil. Der Kreistag hatte sich zuvor gegen die Schließung der Gynäkologie in Sebnitz ausgesprochen, hat aber praktisch keine Handhabe, da die Klinik privatwirtschaftlich betrieben wird.

Der Asklepios-Konzern führt wirtschaftliche Gründe für die beabsichtigte Schließung an. Die Patientenzahlen in der Gynäkologie seien seit Jahren rückläufig, die Station arbeitete deswegen defizitär. Man wolle sich stattdessen auf die Chirurgie und die Innere Medizin konzentrieren, die stärker ausgelastet sind.

Sebnitzer Klinik muss Gynäkologen finden

Bereits im Frühjahr 2015 wurde die Geburtenstation der Sebnitzer Klinik dichtgemacht, ebenfalls unter Verweis auf die zu geringen Auslastung. Kurz darauf verlies der damalige Chefarzt der Gynäkologie, Mitgesellschafter der Klinik und Begründer der Brustzentrums Ostsachsen, Dr. Aiman Bachouri, die Klinik. Mit der jetzt beabsichtigten Schließung steht auch das überregional bekannte Brustkrebs-Zentrum vor dem Aus, das die Sebnitzer Klinik gemeinsam mit dem Klinikum Oberlausitzer Bergland betreibt.

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Ob das vorgeschlagene Belegbettensystem als Ersatz für die Gynäkologie tatsächlich kommt und wann dieses Angebot den Patientinnen zur Verfügung steht, ist auch nach der Expertenrunde noch nicht klar. Zunächst muss die Klinik niedergelassene Ärzte finden, die sich daran beteiligen möchten und mit ihnen verhandeln. Die Voraussetzung würden nun geprüft, heißt es. Zeithorizont: "mittelfristig".

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