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Kunstblume soll Kulturerbe werden

Sebnitz will sein Kunstblumenhandwerk als immaterielles Kulturerbe der Unesco eintragen lassen. Auch eine Ausbildung soll es wieder geben.

Von Dirk Schulze
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Identitätsstiftende Handwerkskunst: Kunstblumen aus Sebnitz.
Identitätsstiftende Handwerkskunst: Kunstblumen aus Sebnitz. © Achim Meurer

Das Sebnitzer Kunstblumenhandwerk soll zum immateriellen Kulturerbe der Unesco werden. Dieses Ziel hat die Stadt Sebnitz jetzt ausgegeben. "In der nächsten Bewerbungsrunde - voraussichtlich im Jahr 2023 - sind wir mit dabei", sagt Rathauschef Ronald Kretzschmar. Schon 2025 könnte die traditionsreiche Sebnitzer mit der Fertigung künstlicher Blumen dann als immaterielles Kulturerbe gelten.

Die Stadt Sebnitz spricht von einer identitätsstiftenden Handwerkskunst. "Um diese einzigartige, historisch bedeutsame Tradition zu bewahren und ihren immateriellen Wert für die Zukunft zu schützen, wird der Baustein 'Kulturerbe' maßgeblich beitragen", heißt es in der zum Jahresstart veröffentlichten Mitteilung. Das Alleinstellungsmerkmal könne damit auch überregional noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Um das Sebnitzer Kunstblumenhandwerk in das bundesweite Verzeichnis von Kulturgüter eintragen zu lassen, muss Sebnitz ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren durchlaufen. Es ist eine detaillierte historische Ausarbeitung nötig. Die Vorbereitungen dafür sind bereits im Gange, erklärt die Stadt, erste Gespräche mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultur habe es schon gegeben.

Was ist immaterielles Kulturerbe?

Im Gegensatz zum Unesco-Welterbe, das Baudenkmäler oder Kulturlandschaften umfasst - wie einst das Dresdner Elbtal -, geht es beim immaterielle Kulturerbe um kulturelle Ausdrucksformen. Es kommen Traditionen, Handwerk, Musik, darstellende Künste oder Feste infrage. Das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbe für Deutschland hat aktuell 126 Einträge, darunter der Orgelbau und das Märchenerzählen, aber auch der Streuobstanbau oder der Poetry-Slam. Aus Sachsen haben es bisher unter anderem die sächsischen Knabenchöre, die Bergparaden, der vogtländische Musikinstrumentenbau oder das Kamenzer Forstfest in das Verzeichnis geschafft.

Das Verfahren läuft folgendermaßen ab: Eine Bewerbungsrunde gibt es alle zwei Jahre. Jedes Bundesland trifft eine Vorauswahl und kann maximal vier Vorschläge einreichen. Ein unabhängiges Expertenkomitee der deutschen Unesco-Kommission prüft und bewertet dann die Bewerbungsdossiers nach festgelegten Kriterien und spricht Empfehlungen aus. Die Entscheidung über die Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis liegt schließlich bei der deutschen Kulturministerkonferenz und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Als höchste Weihe ist theoretisch noch die Aufnahme in eine von drei internationalen Unesco-Listen des immateriellen Kulturerbes möglich. Das ist aber deutlich schwerer. Hier entscheidet jährlich ein internationaler Unesco-Ausschuss aus 24 Staaten, welche nationalen Kulturformen in die internationale Liste aufgenommen werden. Aus Deutschland stammen bisher fünf Einträge.

Für das Sebnitzer Kunstblumenhandwerk geht es aktuell um das bundesdeutsche Verzeichnis. Als Kriterium für den Titel immaterielles Kulturerbe gilt unter anderem, dass die Kulturform nachweisbar lebendig ist sowie kreativ weitergegeben und weiterentwickelt wird.

Neues Ausbildungsangebot geplant

Genau in diese Richtung zielt auch ein weiteres Sebnitzer Vorhaben: Es soll wieder eine Ausbildung für das Kunstblumenhandwerk geben. Bereits ab 2022, spätestens 2023 wolle man mit einem Ausbildungsangebot versuchen, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, kündigt der Sebnitzer Amtschef Ronald Kretzschmar an. Neben einer allgemeinen beruflichen Ausbildung soll auch eine direkt anschließende, langfristige Anstellung in der Kunstblumenmanufaktur möglich sein. Als Lehrberuf war die Kunstblumenfertigung mit der DDR untergegangen.

Schon 2016 hatte Sebnitz versucht, den oder die "Kunstblumenfacharbeiter/in" wieder als Ausbildungsberuf staatlich anerkennen zu lassen. Das Vorhaben war damals an den Vorgaben der Industrie- und Handelskammer gescheitert. Jetzt will die Stadt einen anderen Weg einschlagen. "Wir müssen hier versuchen, das vorhandene Wissen und die Fertigkeiten auch den nachfolgenden Generationen zu übertragen", sagt Kretzschmar. Bereits vor Jahren hat die Manufaktur sämtliche Arbeitsschritte detailliert in einem Buch festgehalten, um das Wissen intern zu sichern. "Seit 1834 ist die Kunstblume Bestandteil der Sebnitzer Geschichte - das gilt es auch für die Zukunft zu bewahren."