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Linke und DGB kämpfen um Gynäkologie

Die gynäkologische Abteilung in der Sächsische-Schweiz-Klinik in Sebnitz soll geschlossen werden. Dagegen regt sich Widerstand. Nun soll der Kreistag handeln.

Die Asklepios Sächsische-Schweiz-Klinik in Sebnitz. Wieder soll eine Abteilung geschlossen werden. Dagegen regt sich Widerstand.
Die Asklepios Sächsische-Schweiz-Klinik in Sebnitz. Wieder soll eine Abteilung geschlossen werden. Dagegen regt sich Widerstand. © Steffen Unger

Der Asklepios-Konzern hat beschlossen, die gynäkologische Abteilung in der Sächsische-Schweiz-Klinik in Sebnitz aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen. Die Kreistagsfraktion der Partei Die Linke wie auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sehen damit die Zukunft der Klinik in Gefahr. Der Asklepios-Konzern verweist darauf, dass man mit der Schließung der einen Abteilung andere Fachabteilungen stärken wolle. Doch daran wollen weder Linke noch Gewerkschaft glauben. Aus diesem Grund wird die Fraktion Die Linke in der nächsten Kreistagssitzung am 14. Dezember einen Antrag in den Kreistag einbringen.

Kreistag soll sich für gynäkologische Abteilung einsetzen

Fraktionsvorsitzende Verena Meiwald hat den Antrag bereits formuliert. Demnach solle sich der Kreistag gegen die geplante Schließung der Gynäkologie im Krankenhaus in Sebnitz aussprechen und den Landrat auffordern, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln darauf hinzuwirken, dass die gynäkologische Abteilung in der Asklepios Sächsische-Schweiz-Klinik für die gesundheitliche Versorgung in der Region weiterhin erhalten bleibt.

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Aus Sicht der Linken-Fraktion sei eine Schließung der Gynäkologie falsch und sollte aus mindestens drei Gründen verhindert werden:

  • Erstens würde für die Patientinnen aus der Region eine ganz wichtige und zudem hoch leistungsfähige wie erfahrene Anlaufstelle wegfallen, wodurch sich die Wege für künftige Behandlungen und auch Operationen deutlich verlängern würden.
  • Zweitens würde die Umsetzung der Schließungspläne zugleich das Ende des zertifizierten Brustzentrums Ostsachsen bedeuten.
  • Drittens befürchtet die Fraktion, stehe mit der Schließung der Gynäkologie über kurz oder lang die Zukunft des gesamten Klinikums auf dem Spiel.

Daher seien aus Sicht der Fraktion alle politischen Verantwortungsträger aus der Region und insbesondere der Kreistag gefordert, hier schnell und unmissverständlich zu intervenieren. In diesem Zusammenhang erinnert Verena Meiwald daran, dass dies schon einmal erfolgreich war und zum Beispiel zum Erhalt der Kinderklinik in Pirna beigetragen hatte.

Hilfe für strukturschwache Regionen statt Profit

Der Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge des DGB meldet sich ebenfalls in Sachen Sächsische-Schweiz-Klinik zu Wort. "Eine ernsthafte Erkrankung darf in unserer Region nicht zum lebensgefährlichen Risiko für Frauen werden. Gerade eine strukturschwache Region braucht starke öffentliche Daseinsvorsorge. Diese darf nicht zum bloßen Geschäft verkommen", sagt DGB-Regionalgeschäftsführer Andre Schnabel.

Wenn es im Gesundheitswesen immer mehr um rein ökonomische Kennziffern gehe, rechnen sich Bereiche und Spezialbehandlungen wie zum Beispiel Neurochirurgie, Orthopädie, Unfallchirurgie, Herzkatheter oder Intensiv-Beatmung offenkundig deutlich mehr, so die Vermutung des Vorstandes. Solange Krankenkassen teure Knie- und Hüft-Operationen finanzieren würden, sei natürlich das Interesse da, diese verstärkt anzubieten. "Es ist daher absehbar, dass die Schließung der Gynäkologie nicht das letzte Aus für eine angeblich defizitäre Abteilung im Sebnitzer Krankenhaus sein wird", sagt der Regionalgeschäftsführer.

Gewerkschaftsbund: Fehler in der Vergangenheit

Die Ursache für die gegenwärtige Situation sieht der Gewerkschaftsbund in den 90er-Jahren. Damals wurden zahlreiche Kliniken aufgrund falscher politischer Vorgaben defizitär und der Druck auf die kommunalen Träger wuchs, ihre Krankenhäuser zu verkaufen. "Die großen Klinikkonzerne sahen hier ihre Chance, in großem Stil in Ostdeutschland einzusteigen. Gewinne wurden in der Folge privatisiert, Verluste, soweit wie irgend möglich, auf die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler abgewälzt", so Andre Schnabel.

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Ein Problem, vor welchem nicht nur die Sächsische-Schweiz-Klinik steht. In anderen strukturschwachen Regionen beziehungsweise Grenzregionen sieht es bereits ähnlich aus. In Sebnitz wolle man das verhindern, deshalb wende sich der Gewerkschaftsbund gegen das geplante Aus für die Gynäkologie in der Asklepios Sächsische-Schweiz-Klinik. Doch auch die Gewerkschafter wissen, dass die Entscheidungen letztlich beim Asklepios-Konzern liegen und Gesundheit ein knallhartes Geschäft ist.

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