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Schon wieder nur Ersatzverkehr

Zwischen Sebnitz und Neustadt fahren erneut keine Züge. Die Triebwagen machen Probleme.

Schienenersatzverkehr: Zwischen Sebnitz und Neustadt müssen Fahrgäste in den Bus steigen.
Schienenersatzverkehr: Zwischen Sebnitz und Neustadt müssen Fahrgäste in den Bus steigen. © Steffen Unger

Für Pendler, die regelmäßig auf der Bahnstrecke Pirna-Sebnitz unterwegs sind, gleicht der Blick auf den Fahrplan derzeit einem Déjà-vu. Auf dem hinteren Streckenabschnitt der Linie RB 71 zwischen Sebnitz und Neustadt heißt es seit Wochen immer wieder "Zugausfall" und "Schienenersatzverkehr". Die Fahrgäste müssen dort in einen Bus umsteigen. Dies ist bereits seit Ende August der Fall, wie der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) auf Nachfrage bestätigt. 

Unter den Fahrgästen weckt das unschöne Erinnerungen. Schon 2018 und 2019 war der Ersatzverkehr zwischen Neustadt und Sebnitz über Monate hinweg zur Regel geworden. Dem damaligen Streckenbetreiber, der Städtebahn Sachsen GmbH, waren die Lokführer davon gelaufen. Am 25. Juli 2019 schließlich stellte die Städtebahn den Betrieb komplett ein. Insolvenz. 

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Seit Oktober 2019 fährt die Mitteldeutsche Regiobahn auf den Strecken des Dieselnetzes rings um Dresden, zu dem neben Pirna-Sebnitz auch Heidenau-Altenberg sowie die Verbindungen von Dresden nach Kamenz und Königsbrück gehören. In einer Notvergabe hatte der VVO die zur Transdev-Gruppe gehörende Marke beauftragt. 

Hoher Verschleiß an den Zügen

Mit dem früheren Personalmangel haben die aktuellen Zugausfälle aber nichts zu tun. Die Ursache ist rein technischer Natur. Mehrere Triebwagen sind aktuell nicht einsatzbereit. "Wir haben immer wieder Probleme mit Ausbröselungen an den Radsätzen", erklärt ein Sprecher der Mitteldeutschen Regiobahn. Die Räder der Triebwagen verschleißen so stark, dass die Züge aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

In den vergangenen zwei Wochen betraf das drei Triebwagen - zusätzlich zu weiteren, die sich ohnehin in der Wartung befinden. Bei regulärem Verschließ hätte der Radsatzwechsel für die drei Züge erst Anfang 2021 angestanden. Die genaue Ursache des Problems - ob es am Material liegt oder an der Strecke - sei noch unklar.

Triebwagen vom Typ Desiro: Der aktuelle Betreiber hat die Leasingfahrzeuge von der insolventen Städtebahn Sachsen übernommen.
Triebwagen vom Typ Desiro: Der aktuelle Betreiber hat die Leasingfahrzeuge von der insolventen Städtebahn Sachsen übernommen. © Archivfoto: Marko Förster

Die Dieseltriebwagen vom Typ Siemens Desiro hat die Mitteldeutsche Regiobahn von der insolventen Städtebahn übernommen. Das war Teil des Deals. Es handelt sich dabei um Leasingfahrzeuge, Eigentümer ist das Unternehmen Alpha-Trains.  

Allein seit der Übernahme vor einem Jahr mussten laut Angaben der Mitteldeutschen Regiobahn an sieben Fahrzeugen insgesamt 37 Radsätze gewechselt werden. Die Beschaffung der Ersatzteile könne mitunter bis zu 180 Tage dauern, erklärt das Unternehmen. 

Aktuell sind jedoch die Werkstattkapazitäten das Problem. Die Vertragswerkstatt in Dresden sei ausgebucht, den nächsten freien Termin gibt es Mitte bis Ende Oktober. Auch überregional sei in anderen Werkstätten kein kurzfristiger Termin zu bekommen gewesen. Zum Aufbocken der knapp 70 Tonnen schweren Triebwagen muss eine passende Hebebühne vorhanden sein. 

Ersatzverkehr bis Ende Oktober

Ersatzweise hat das Unternehmen bereits zwei Leihfahrzeuge angemietet. Ein weiterer Triebwagen der ebenfalls zum Transdev-Konzern gehören Erzgebirgsbahn, der bereits früher als Ersatzfahrzeug diente, ist aktuell aufgrund einer Baustelle nicht verfügbar. Statt der insgesamt 15 benötigte Triebwagen im gesamten Dieselnetz stehen aktuell nur 12 zur Verfügung. 

Der Schienenersatzverkehr zwischen Neustadt und Sebnitz wird deshalb voraussichtlich noch bis Ende Oktober andauern. "Wir bedauern das sehr", erklärt ein Unternehmensprecher der Mitteldeutschen Regiobahn. 

Der Verkehrsverbund Oberelbe stehe im engen Austausch mit dem Unternehmen, erklärt Sprecher Christian Schlemper. "Wir erwarten, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der Notvergabe, eine vernünftige, und auch für die Fahrgäste planbare, Erbringung der Verkehrsleistungen."  

Der aktuelle Vertrag läuft noch etwas über ein Jahr. Ab Dezember 2021 wird die Deutsche Bahn mit ihrer Tochter DB Regio auf den vier Strecken des VVO-Dieselnetzes fahren. Das Verkehrsunternehmen hat bei der Vergabe Anfang Juni den Zuschlag bis 2031 bekommen. 

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