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Steigt der Wasserpreis in Pirna-Sebnitz, Herr Müller?

Der Chef des Trinkwasserverbandes sagt, wieso es immer noch Grundstücke ohne Wasseranschluss gibt und was die Preisentwicklung beeinflusst.

Von Heike Sabel
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Das Wasser kommt aus dem Hahn. Doch wie kommt es dahin? Aus der zentralen Leitung oder direkt aus dem Brunnen am Haus?
Das Wasser kommt aus dem Hahn. Doch wie kommt es dahin? Aus der zentralen Leitung oder direkt aus dem Brunnen am Haus? © dpa-Zentralbild

Die Energiepreise kennen im Moment nur eine Richtung: nach oben. Droht das auch beim Wasserpreis? Mit dem Vorsitzenden des Trinkwasserverbandes Pirna-Sebnitz und zugleich Dohnaer Bürgermeister Ralf Müller (CDU) sprach die SZ auch über jene Haushalte, die gar keinen Wasseranschluss haben. Man möchte zwar meinen, das ist im 21. Jahrhundert in Europa undenkbar. Dennoch gibt es das und gar nicht so selten. Aktuelles Beispiel sind 14 Anlieger am Schusterberg in Breitenau. Sie sollen für einen Trinkwasseranschluss bis zu 15.000 Euro zahlen.

Wie viele Grundstücke sind im Verbandsgebiet noch ohne Trinkwasseranschluss, Herr Müller?

Es ist nicht bekannt, wie viele es genau betrifft, da die betroffenen Bürger keine Kunden sind. Aber natürlich sind dem Verband einige Probleme wie das in Breitenau bekannt.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass es keine Trinkwasseranschlüsse gibt?

In den 1990er-Jahren erfolgte die Trinkwassererschließung aller Orte mit über 80-prozentiger Förderung. Damals waren die Gemeinden kleiner strukturiert. Oft ging es um kleine Dorfnetze, die an einem Brunnen hingen, aber auch um kleinere Einheiten, die außerhalb lagen oder Einzelabnehmer mit eigenem Brunnen. Manche Gemeinden entschieden sich damals sehr bewusst, nicht angeschlossen zu werden, weil man meinte, das dauerhaft günstiger zu erledigen. Viele Jahre hat das auch funktioniert. Danach folgte eine lange Zeit ohne Förderung der Trinkwassererschließung. Dazu kam die Kontrolle der Qualität der Trinkwasserbrunnen, die heute auch aufwändiger ist als früher.

Wie versorgen sich die Betroffenen bzw. woher bekommen sie ihr Trinkwasser?

In der Regel haben sie Brunnen. Neue Erschließungen bzw. Baugenehmigungen gibt es nicht ohne Trinkwasserversorgung.

Das heißt, wo die Trinkwasserversorgung nicht gesichert ist, kann auch nicht gebaut werden?

Ja.

Damit hemmt das fehlende Trinkwasser die Entwicklung dieser Orte bzw. Bereiche. Und wenn die Anschlüsse erfolgen, kostet das die Grundstückseigentümer viel Geld. Umso weiter weg von den Hauptleitungen, umso teurer. In Breitenau ist jetzt von bis zu 15.000 Euro die Rede.

Aktuell gibt es ein Förderprogramm zum Anschluss von Brunnendörfern mit einem Fördersatz von 60 Prozent. Die Kosten sind nicht pauschal bezifferbar und in jedem Fall neu zu kalkulieren. Eine Obergrenze gibt es nicht. Es gibt Fälle, in denen trotz Förderung Beträge von über 15.000 Euro anfallen. Das ist auch bei Neubauprojekten in angeschlossenen Orten möglich. In Dohna sind mir zwei solche Fälle bekannt, in denen geht es sogar um mehr als 20.000 Euro.

Wie viele Grundstücke sollen in Zukunft angeschlossen werden?

Bei den Neubauprojekten kann man das vorher nicht sagen. Das hängt von den Bauvorhaben und Bauanträgen ab. Bei ihnen wie bei den Brunnendörfern entscheidet über den Anschluss, wer bereit ist, welchen Betrag zu zahlen. Die Eigentümer können beim Zweckverband den Anschluss jederzeit beantragen, die Kosten werden immer im Einzelfall kalkuliert.

Wer bezahlt was bei den neuen Anschlüssen?

Die Trinkwasserversorger übernehmen grundsätzlich einen Teil der nicht geförderten 40 Prozent. Im Verbandsgebiet des Zweckverbandes muss der Grundstückseigentümer 70 Prozent von den nicht geförderten 40 Prozent bezahlen, die übrigen 30 Prozent bezahlt der Verband. Nach den Investitionen Anfang der 1990er-Jahre haben alle angeschlossenen Kunden die Investitionen und laufenden Kosten über ihre Gebühren getragen. Die Brunnendörfer haben praktisch 20 bis 25 Jahre von geringeren Kosten bei geringer Versorgungssicherheit profitiert. Nun wollen sie auf Kosten aller Trinkwasserkunden angeschlossen werden. Das ist nicht vermittelbar. Dass sich die Betroffenen beschweren, dass alles teuer ist und die Förderungen nicht ausreichen, ist normal, aber letztlich eine Konsequenz der Entscheidung der 1990er-Jahre. Ich bezweifle, dass Gemeinden freiwillig einen größeren Zuschuss an die Eigentümer zahlen oder die Leitung auf eigene Kosten legen.

Was wird mit den Grundstücken, die nie angeschlossen werden?

Die bleiben unangeschlossen, solange die Eigentümer das nicht wollen.

Und was, wenn deren Brunnen mal versiegen?

Dann versiegen sie. Das Versiegen der Brunnen wird man mit einer zentralen Trinkwasserversorgung nicht verhindern.

Was wird mit dem Preis fürs Trinkwasser?

Der Preis wird sicher steigen, da Löhne, Energie- und Baukosten ebenfalls steigen. Würde man die Erschließung der Brunnendörfer zusätzlich auf alle umlegen, würden die Steigerungen größer ausfallen. Bei allen Initiativen, Wasser zu sparen, sehe ich das Problem, dass die eigentliche „Leistung“ die Erhaltung des heutigen Niveaus ist. Das bedeutet Lebensmittelqualität 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr. Ich erwarte, dass die Kubikmeterpreise konstant bleiben, aber die Grundgebühren steigen, denn die „Leistung“ wird ja auch erbracht, wenn weniger Wasser verbraucht wird.​

Der Dohnaer Bürgermeister Ralf Müller (CDU) ist auch Vorsitzender des Trinkwasserzweckverbandes Pirna-Sebnitz.
Der Dohnaer Bürgermeister Ralf Müller (CDU) ist auch Vorsitzender des Trinkwasserzweckverbandes Pirna-Sebnitz. © Daniel Förster

Der Trinkwasserverband:

  • Der Trinkwasserzweckverband Pirna-Sebnitz ist ein Zusammenschluss von 18 Kommunen. Das sind: Bad Gottleuba-Berggießhübel, Bad Schandau, Bahretal, Dohma, Dohna, Dürrröhrsdorf-Dittersbach, Heidenau, Hohnstein, Königstein, Kurort Rathen, Liebstadt, Müglitztal, Neustadt, Rathmannsdorf, Rosenthal-Bielatal, Sebnitz, Struppen, Stadt Wehlen.
  • Der Verband versorgt über 20.000 Hausanschlüsse und liefert an die Stadtwerke Pirna GmbH und den Wasser- und Abwasserzweckverband Mittlere Wesenitz. Er ist Notwasserversorger für die Stadt Dresden. Damit versorgt er insgesamt rund 150.000 Einwohner sowie Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe.
  • Dem Verband gehören zwei Wasserwerke (Bad Gottleuba und Ottendorf) mit einem Wasseraufkommen von rund sieben Millionen Kubikmeter, was 14 Milliarden Halbliter-Wasserflaschen entspricht.
  • Das Leitungsnetz des Verbandes ist rund 1.300 Kilometer lang, was der Strecke Sebnitz – Kiel – Sebnitz entspricht.
  • Vorsitzender ist der Dohnaer Bürgermeister Ralf Müller, Geschäftsführer Mathias Leutert.
  • Das Trinkwasser kostet aktuell 2,10 Euro pro Kubikmeter.
  • Die Grundgebühr beträgt für Wohngebäude und Wohn- und gleichzeitig Gewerbegebäude bis zu zwei Wohnungen jährlich 171,20 Euro. Ab der dritten Wohnung sind es je weiterer Wohnung 62,06 Euro. Für reine Gewerbe-Grundstücke ist die Grundgebühr abhängig von der Zählergröße. Für sonstige Grundstücke liegt sie ebenfalls bei 171,20 Euro. Die Preise sind inklusive sieben Prozent Umsatzsteuer. Die Grundgebühr ist vom Grundstückseigentümer zu zahlen und wird über die Betriebskosten auf die Mieter umgelegt.