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Millionen-Bauprojekt für Breitband in Sebnitz startet

Ab Oktober werden rings um Sebnitz rund 300 Kilometer Glasfaserkabel verbaut. Auch der hinterste Winkel soll schnelles Netz bekommen.

Blick auf Sebnitz: Ab Oktober wird Glasfaser in die abgelegenen Ortsteile verlegt.
Blick auf Sebnitz: Ab Oktober wird Glasfaser in die abgelegenen Ortsteile verlegt. © Steffen Unger

Es ist das umfangreichste Infrastrukturprojekt der vergangenen Jahre rings um Sebnitz, und mit dessen Abschluss werden auch einige der hintersten Ecken der Sächsischen Schweiz mit schnellem Gigabit-Internet versorgt sein. Im Oktober startet der Breitbandausbau für die entlegenen und bisher unterversorgten Sebnitzer Ortsteile inklusive des Kirnitzschtals, in den kommenden Jahren wird dabei die Rekordsumme von 32,6 Millionen Euro verbaut.

Die Zahlen verdeutlichen die Ausmaße des Vorhabens: Knapp 300 Kilometer Glasfaserkabel gilt es zu verlegen - teils unter der Erde, teils überirdisch -, darunter befinden sich 137 Gewässerquerungen, siebenmal kreuzen die Kabelwege die Bahngleise, 20 Kilometer der Trasse verlaufen durchs Nationalparkgebiet.

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Als "knackig" bezeichnete Björn Bergmann von der Sachsen-Energie den Plan kürzlich bei einer Präsentation im Sebnitzer Stadtrat, womit zum einen der gesamte Genehmigungsaufwand bezogen auf Bahnstrecken und den Nationalpark gemeint war, und zum anderen ganz handfest die Topografie. Im Elbsandsteingebirge haben es die Bauleute da zu großen Teilen mit Felsen zu tun.

Bis 2024 muss alles fertig sein

Hinzu kommt der Zeitdruck. Bis Ende 2024 muss alles fertig sein, so sieht es die Förderrichtlinie vor. Die 32,6 Millionen Euro für den Breitband-Ausbau werden zu hundert Prozent vom Bund und dem Freistaat Sachsen finanziert. Was für den einzelnen Privathaushalt oder Gastwirt, der seit Jahren auf seinen Anschluss wartet, noch immer einige Wartezeit bedeutet, ist für die ausführenden Unternehmen eine Herausforderung.

Sebnitz hatte den Förderantrag für den Ausbau der sogenannten weißen Flecken (Gebiete mit Internetanschlüssen unter 30 Mbit pro Sekunde) bereits 2016 gestellt, im November 2020 kam der finale Bescheid. Kurz darauf wurde bekannt, dass der Enso-Nachfolger Sachsen-Energie den Zuschlag für die Umsetzung erhalten hat. Andere, kleinere Kommunen in der Sächsischen Schweiz stecken noch immer in der Antragsphase.

Um das Mammutprojekt zu managen, haben die Planer bei Sachsen-Energie die Ausbaustrecken in zehn Cluster unterteilt, die nacheinander und teils parallel abgearbeitet werden. Als Erstes wird ab Oktober im Sebnitzer Ortsteil Hainersdorf sowie im Wohngebiet auf dem Knöchel gebaut. Ab Februar 2022 sind Ottendorf und Hertigswalde dran, voraussichtlich im Juli 2022 beginnt der Ausbau in Lichtenhain.

Angebote für Haushalte entlang der Trassen

Rein formell geht es bei dem geförderten Breitbandausbau um nur 346 Adressen. Dazu gehören das bisher nicht mit schnellem Internet versorgte Mittelndorf sowie viele außerhalb der Ortschaften gelegene Häuser, wie etwa die Kräuterbaude zwischen Saupsdorf und Hinterhermsdorf oder sogar das Zeughaus im Großen Zschand.

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Tatsächlich gehen die Planer aber von rund 1.000 Adressen aus, die im Zuge der Bauarbeiten mit Glasfaser versorgt werden. Denn auch alle Häuser, die entlang der Trassen liegen, können einen Anschluss bekommen, wenn die Eigentümer es wünschen. Die Sachsen-Energie will diesen Haushalten jeweils ein Angebot machen über einen 24-Monatsvertrag. Wer sich für diese Laufzeit bindet, wird mit angeschlossen.

Immer zu Beginn eines neuen Ausbauabschnitts will die Sachsen-Energie eine Infoveranstaltung in dem jeweiligen Ortsteil abhalten. Auch über die Presse sollen die Einwohner informiert werden, in Sebnitz ist zudem ein Infobüro als feste Anlaufstelle bei Fragen geplant.

Vollausbau mit Glasfaser bis 2025/26

Die Stadtverwaltung geht zudem davon aus, dass sich aus dem Ausbau weitere Synergieeffekte ergeben. Auch wer keinen der neuen Glasfaseranschlüsse bis ins Haus bekommt, aber in der Nähe einer der Trassen wohnt, wird perspektivisch schnelleres Internet buchen können, kündigte Hauptverwaltungsleiter Ronald Kretzschmar an. Nach seiner Fertigstellung ist das Glasfasernetz frei verfügbar, das heißt, auch andere Anbieter können es nutzen und ihren Kunden neue Angebote machen.

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Für die Stadt Sebnitz ist das jetzt beginnende Projekt zudem die Vorstufe zum Vollausbau. "Wir streben flächendeckend 1.000 Mbit an", sagte Kretzschmar. Das Ziel sei es, dass bis 2025/26 im gesamten Stadtgebiet die vorhandenen Kupferleitungen durch leistungsfähige Glasfaserkabel ausgetauscht sind. Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) verwies darauf, dass von den 32,6 Millionen Euro Fördergeld ein großer Teil in der Stadt bleibe. Als regionale Partner hat die Sachsen-Energie AG die Sebnitzer Unternehmen WEA Wärme- und Energieanlagenbau sowie das Ingenieurbüro Ender & Schramm mit der Umsetzung beauftragt.

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