merken
PLUS Sebnitz

Mittagsschlaf im Schlummerboot

Die Sebnitzer Kita "Unterm Regenbogen" hat für Krippenkinder den separaten Schlafraum abgeschafft. Jetzt läuft alles entspannter.

Schlummern im hölzernen Schlafboot: auch ohne Wellengang ein kleines Abenteuer.
Schlummern im hölzernen Schlafboot: auch ohne Wellengang ein kleines Abenteuer. © Steffen Unger

Die Gitterbetten sind weg. Und dadurch haben die Kleinsten in der Sebnitzer Kindertagesstätte "Unterm Regenbogen" einiges an Platz gewonnen - einen ganzen Raum nämlich. Die Kita an der Schillerstraße in Sebnitz hat die Zeit der Notbetreuung zu Jahresbeginn für eine Umgestaltung ihres Krippenbereichs genutzt. Anstelle eines getrennten Schlafraums und eines Gruppenraums gibt es nun zwei Räume, in denen beides stattfindet: schlafen und spielen - jedes zu seiner Zeit, versteht sich.

Der Mittagsschlaf ist für die Ein- bis Dreijährigen damit nicht gestrichen. Statt in Betten schlafen die Kleineren aber jetzt in sogenannten Schlummerbooten - hölzerne Wannen, die mit Matratzen gepolstert sind - die Größeren auf Matten. Nach dem Mittagsmahl holen die Kinder ihre mobilen Schlafstätten selbst herbei verteilen sie in den Räumen. Jedes Kind hat seine eigene feste Ecke, die es vorher selbst mit aussuchen konnte. Den Rest des Tages sind die Schlafboote beiseite geräumt.

Anzeige
Im Handumdrehen zum Traum-Pool
Im Handumdrehen zum Traum-Pool

Wer im Sommer das kühle Nass im eigenen Garten genießen will, kann jetzt schon anfangen zu planen. Und wer zu LandMAXX geht, spart bares Geld für Top-Produkte.

Auch den Schlafanzug hat die Kita für die Krippenkinder abgeschafft. Geschlafen wird jetzt einfach in Strumpfhose und T-Shirt unter der Decke. Das Umziehen war für die schon müden Kinder immer mit Stress verbunden, erklärt Kita-Leiterin Petra Behner. Erwachsene tragen schließlich auch keinen Schlafanzug, wenn sie sich für einen Mittagsschlaf aufs Sofa legen.

Kinder sind viel entspannter

Die Effekte dieser Umgestaltung können die Erzieherinnen der christlichen Kita, die zum Trägerverein Kinderarche Sachsen gehört, schon jetzt sehen. "Die Kinder sind viel entspannter", sagt Leiterin Petra Behner. Dadurch, dass nicht mehr alle in einem Raum schlafen, können die Schlafplätze so aufgeteilt werden, dass es passt. Manche Kinder schlafen schneller ein, andere brauchen länger. Auch das Aufwachen ist flexibler.

Um die Mittagszeit herrscht jetzt eine völlig andere Atmosphäre im Nestbereich der Kita. "Die Kinder gehen mit Begeisterung schlafen", berichtet Petra Behner. Nach dem Essen gebe es gegen dreiviertel Zwölf kein Halten mehr. Voller Stolz holen die Kleinen dann ihre Tüten mit den Decken hervor und rücken die Schlafboote an Ort und Stelle.

Mehr Platz zum Forschen und Spielen: Durch die veränderte Raumaufteilung sind neue Nischen entstanden.
Mehr Platz zum Forschen und Spielen: Durch die veränderte Raumaufteilung sind neue Nischen entstanden. © Steffen Unger

"Wir hätten nie gedacht, dass eine Raumveränderung so viel ausmacht", erklärt die Kita-Leiterin. Der gewonnene Platz wurde mit neu angeschafften Holzmöbeln in mehrere Nischen unterteilt. Für den Erwachsenen sind die aufgrund der niedrigen Höhe der Möbel kaum als solche wahrnehmbar, doch für die Kinder sind damit ganz neue Räume entstanden. Es gibt eine Ecke zum Forschen mit Magnet- und Steckbausteinen, eine für das Rollenspiel mit Küchenspielzeug oder eine zur Schulung der Motorik.

Beteiligung und Gesundheitsvorsorge

Das offene Konzept, das die Kita für die größeren Kindergartenkinder verfolgt, mit frei zugänglichen Spielräumen ohne geschlossene Gruppen, findet damit im kleinerem Maßstab schon im Krippenalter seinen Anfang. Das ist der pädagogische Hintergrund. Die Kleinen können sich etwas von den Größeren abschauen, parallel dazu lernen die Älteren auf die Jüngeren Rücksicht zu nehmen. Durch die verschiedenen Bereiche können die Erzieherinnen jedes Kind besser altersgerecht fördern. Auch gibt es durch die abgeteilten Nischen jetzt weniger Konflikte.

Für Petra Behner geht es bei dem Umbau auch um Beteiligung. "Kinder haben ein sehr gutes Gespür dafür, was sie brauchen", erklärt die Kita-Leiterin. In der Sebnitzer Kita durften sie mitbestimmen, in welcher Ecke ihr Schlafboot künftig steht. "Wenn ich an etwas selbst beteiligt bin, habe ich auch mehr Lust darauf." Am Mittagsschlaf an sich wird für die Krippenkinder aber nicht gerüttelt: Nach dem Mittag ist Schlafenszeit.

Bei einigen Eltern und Kollegen stieß die Idee zunächst auf Skepsis, doch die Ergebnisse sprechen für sich. Es gebe nun auch zu Hause weniger Schlafprobleme, erklärt Petra Behner. Sie möchte die Kinder auch dazu anleiten, auf ihr eigenes Körpergefühl zu hören und ausreichend Ruhepausen einzulegen. Das sei die Grundlage für körperliche und psychische Gesundheit.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Sebnitz