merken
PLUS Sebnitz

Rekordsumme für Breitband in Sebnitz

Sebnitz erhält über 32 Millionen Euro für den Ausbau des schnellen Internets. Vor allem der Tourismus im Kirnitzschtal profitiert davon.

Ronald Kretzschmar (li.) und OB Mike Ruckh mit dem symbolischen Topf voller Gold: Sebnitz kann 32 Millionen Euro für schnelles Netz verbauen.
Ronald Kretzschmar (li.) und OB Mike Ruckh mit dem symbolischen Topf voller Gold: Sebnitz kann 32 Millionen Euro für schnelles Netz verbauen. © Daniel Schäfer

Wenn dieses Vorhaben einmal umgesetzt ist, dann liegen in entlegenen Gasthäusern in der Sächsischen Schweiz Internetleitungen an, von denen Einwohner und Touristen bislang nur träumen können. Eine Bandbreite von mindestens einem Gigabit pro Sekunde im Download ist das Ziel - das sind 1.000 Mbit und damit das Zehnfache von dem, was aktuell in den am besten versorgten Innenstadtbereichen von Sebnitz möglich ist.

Die Stadt Sebnitz hat ihren lang erwarteten Fördermittelbescheid für den Breitbandausbau erhalten. Er umfasst rund 32,6 Millionen Euro - eine Rekordsumme und der höchste Betrag an Fördergeldern, den die Stadt jemals zugesprochen bekommen hat. "Das ist eine Summe, die uns erstmal die Beine weggezogen hat", sagt Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Zum Vergleich: Das Haushaltsbudget für ein Jahr in Sebnitz, inklusive allem, was die Stadt für Kitas, Personal, Straßen oder Bauprojekte ausgeben kann, beträgt ungefähr die Hälfte.

Anzeige
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter

Die Wohnungsgenossenschaft Zittau eG bietet für engagierte Bewerber ein attraktives und verlässliches Arbeitsumfeld.

Internet für Gasthäuser im Kirnitzschtal

Die Investition kommt zunächst den entlegenen Winkeln des Gemeindegebiets zugute, den weißen Flecken auf der Landkarte, in denen bisher kaum Internet anliegt: Mittelndorf etwa sowie das komplette Kirnitzschtal, einen der touristischen Hotspots in der Sächsischen Schweiz. Sämtliche Mühlen und Gasthäuser entlang des Kirnitzschtals vom Campingplatz Ostrauer Mühle, der zu Bad Schandau gehört, bis zur Buschmühle sollen an das Breitbandnetz angeschlossen werden, außerdem die Kräuterbaude am Wald zwischen Saupsdorf und Hinterhermsdorf, die Ottendorfer Hütte und sogar das Zeughaus am Großen Zschand.

"Wir legen Glasfaser bis ans Haus", erklärt Ronald Kretzschmar, Hauptverwaltungsleiter im Sebnitzer Rathaus, der sich federführend um die Planung gekümmert hat. Etwa 275 Kilometer Glasfaserkabel werden dafür verlegt. Auf einer Strecke von 95 Kilometern sind Tiefbauarbeiten nötig, ansonsten werden die Kabel oberirdisch geführt. Am Ende sollen 1.800 Haushalte, die Unternehmen im Sebnitztal wie Bosch, Weka oder Kimmel, alle Schulen sowie das Krankenhaus mit dem Gigabit-Internet versorgt sein.

Digitalisierung für Schulen und Unternehmen in Sebnitz

Das Sebnitzer Stadtgebiet im engeren Sinn gehört bis auf einige Randbereiche von Hainersdorf oder Hertigswalde nicht zum Ausbaugebiet. Hier liegen aktuell mindestens 30 Mbit pro Sekunde an. Zudem hat die Telekom angekündigt, diesen Bereich auf eigene Kosten auszubauen. Die staatlichen Fördergelder gibt es nur dort, wo es sich für die Unternehmen nicht lohnt. Bund und Land finanzieren den Ausbau gemeinsam zu 100 Prozent.

Perspektivisch werde aber ganz Sebnitz profitieren, heißt es auch dem Rathaus. "Dieser Förderbescheid ist die Eintrittskarte in die digitale Zukunft für die Stadt und alle Ortsteile", sagt OB Mike Ruckh über die angekündigten 32,6 Millionen Euro. Der Glasfaserausbau sei die Voraussetzung für die 5G-Technologie und die Antwort auf die veränderte Arbeitswelt sowie das digitale Lernen: Themen, die gerade während der Corona-Pandemie verstärkt sichtbar geworden sind.

Schon jetzt sollen nach dem Fischgräten-Prinzip nicht nur die entlegensten Adressen angeschlossen werden, sondern auch jene, die am Weg dorthin liegen. Je mehr technische Infrastruktur bereits vorhanden ist, desto besser sind später die Voraussetzungen für die nächste Ausbaustufe auch im Innenstadtgebiet.

Verkehrsleitsystem fürs Kirnitzschtal

Die Fördermillionen müssen bis Ende 2024 verbaut sein. Welches Telekommunikationsunternehmen von der Stadt den Zuschlag erhält, soll sich noch vor Weihnachten entscheiden. Die ersten Glasfaserkabel werden aber frühestens Ende 2021 in die Erde kommen. Die Zeit bis dahin wird noch für die konkrete Detailplanung sowie nötige Ausschreibungsfristen gebraucht.

Den ersten Antrag für diese Breitbandausbau-Projekt hat Sebnitz bereits 2016 gestellt. Beim ersten vorläufigen Förderbescheid 2018 war man noch von rund zwei Millionen Euro ausgegangen. Dass die Kosten jetzt ein Vielfaches betragen, liegt vor allem an der Topographie, erklärt Hauptverwaltungsleiter Ronald Kretzschmar: Der Boden besteht zu großen Teilen aus Fels. Im ersten Schritt seien die Kosten über eine Software des Bundes nur pauschal anhand der Entfernung berechnet worden. Der später kalkulierte tatsächliche Aufwand liegt aber deutlich darüber.

Weiterführende Artikel

Enso-Nachfolger verbaut Internet-Millionen

Enso-Nachfolger verbaut Internet-Millionen

Der Versorger Sachsen Energie erhält den Zuschlag für den Breitbandausbau in Sebnitz. Davon sollen auch lokale Firmen profitieren.

Besonders für das Kirnitzschtal hat der bevorstehende Breitbandausbau noch eine weitere Bedeutung, die über Internetanschlüsse für die Gaststätten und Pensionen hinausgeht. Die Glasfaserkabel sind die technische Voraussetzung für ein digitales Verkehrsleitsystem mit Parkplatzanzeige. Davon ist für das Tal, das während der Tourismussaison von Autos und Touristen quasi überrollt wird, bereits seit Jahren die Rede.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Sebnitz