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Geköpfte Strauße? Nie wieder!

In Neustadt geht für Jugend forscht ein Team an den Start. Das will die Tiere der Straußenfarm Helmsdorf gegen Übergriffe schützen. Mit selbst entwickelter Technik.

Obwohl verboten, nähern sich Neugierige immer wieder den Straußen auf der Farm bei Helmsdorf.
Obwohl verboten, nähern sich Neugierige immer wieder den Straußen auf der Farm bei Helmsdorf. © Daniel Schäfer

Die Bilder der geköpften Zuchthenne aus der Straußenfarm in Helmsdorf nahe Stolpen dürften vielen noch in Erinnerung sein. Der oder die Täter wurden nie ermittelt. Das könnte sich ändern. Neue Überwachungstechnik soll Tierquälern oder anderen böswilligen Besuchern der Straußenfarm das Handwerk legen. Ob und wie das möglich ist, erforschen derzeit Schüler der Friedrich-Schiller-Oberschule Neustadt mit ihrem Teamleiter Ullrich Hering von der Firma Forteza Deutschland aus Stolpen. Der Ingenieur beschäftigt sich schon seit Längerem mit solchen Themen und betreute schon mehrere Gruppen bei Jugend forscht.

Mit einem neuen Projekt beteiligen er und die Neustädter sich nun an der 56. Runde im Wettbewerb "Jugend forscht", der coronabedingt dieses Mal etwas anders als gewohnt laufen wird. Auch das Neustädter Team hat überlegt, ob man sich der Herausforderung unter anderen Bedingungen stellen möchte. "Es gibt nur eine Antwort darauf, und die lautet, jetzt erst recht, wir sind dabei", sagt Ullrich Hering.

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Er hat bereits ein neues Team mit drei Schülern aus der neunten Klasse auf die Beine gestellt. Das Projekt heißt "Perimeterschutzsystem für die Landwirtschaft". Die eingesetzten Mikrowellensensoren dienten eigentlich zum Aufspüren von Einbrechern auf zwei Beinen, seien jedoch so programmiert, dass auch Vierbeiner geortet werden können, erklärt der Experte.

Testlauf in Helmsdorf gestartet

Von den Straußen auf der Farm in Helmsdorf neugierig beäugt, wurde die mit Radarsensor gesteuerte Überwachungstechnik bereits aufgebaut. "Mit dieser Technologie sollen einerseits unliebsame Besucher von den sehr scheuen Tieren ferngehalten werden, andererseits auch Übergriffe von Beutegreifern verhindert oder zumindest rechtzeitig alarmiert und Bilder oder Videoaufzeichnungen zur Beweisführung erstellt werden. Für die Ansteuerung der Kamera wurde eine bisher einzigartige spezielle Software entwickelt", erklärt Ullrich Hering.

Die Oberschüler und er sind nun gespannt, wie die Testphase verlaufen wird. Die Spezialkameratechnik von einem Unternehmen aus Australien müsste nun Bilder und Videos in Echtzeit auf das Handy schicken oder ins Internet übertragen, sobald sich in der Nähe etwas oder jemand bewegt.

Danach muss sich das Ganze auch im Dauertest bewähren. Im Erfolgsfall könnte damit die gesamte Umzäunung der Straußenfarm wirkungsvoll und unsichtbar für Täter überwacht und geschützt werden.

Die Radartechnik wurde bereits in einem Bereich der Straußenfarm angebracht und soll nun getestet werden.
Die Radartechnik wurde bereits in einem Bereich der Straußenfarm angebracht und soll nun getestet werden. © privat

Damit können Vorfälle wie das Köpfen der Zuchthenne vermieden werden und unerlaubte Annäherung trotz Verbotshinweisen verhindert beziehungsweise für die Nachverfolgung durch die Polizei dokumentiert werden. Denn die weiten Wiesen mit den in Gruppen herumspazierenden Straußenvögeln erregen Neugier. Immer wieder dringen Leute auf das Privatland vor, trotz Verbotsschildern und Schranke, sie fahren sogar quer über den Acker, um an die Gehege zu kommen.

Jury bewertet digitale Präsentation

Corona hat auch die Bedingungen für den Nachwuchswettbewerb Jugend forscht verändert. Dieser findet komplett als digitaler Wettbewerb statt. So soll garantiert werden, dass die Projekte und Ideen trotz Abstandsregelungen und Quarantäne gehört und gesehen werden können. Das bedeutet, dass alle Wettbewerbsteilnehmer ihre Projekte in einer Videokonferenz der Jury vorstellen.

Für das Team aus der Schilleroberschule wird das eine neue Herausforderung sein, jedoch auch eine ganz neue Erfahrung, über die die Schüler sicherlich noch lange etwas zu erzählen haben.

Solcher Forschergeist ist dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) Unterstützung wert. Ullrich Hering ist selbst Mitglied. Der Verein unterstützt Jugend forscht und führt Kinder und Jugendliche an technische Themen heran, freiwillig, eigenständig und mit viel Spaß an der Sache. Und das aus gutem Grund, weiß der Experte. "Technik spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle, keiner möchte mehr auf sie verzichten. Wie sie funktioniert, wissen jedoch die wenigsten", sagt Ullrich Hering. Und er stellt klar, dass für das Team nicht nur die Teilnahme zählt. Man wolle schon einen der vorderen Plätze belegen.

Preis fürs Wolfsradar eingeheimst

Dass es Neustädter Oberschüler ganz weit nach vorn schaffen können, haben sie bereits beim vorherigen Wettbewerb bewiesen. Da belegten sie in ihrer Kategorie den zweiten Platz. Gemeinsam mit Ullrich Hering hatte das Team ein Wolfsradargerät erfunden, konstruiert und gebaut. Das Prinzip: Die Sensoren am Radar erkennen die Tiere aus 60 Metern Entfernung. Das Gerät spricht die Tiere an und speichert den Alarm, damit die Informationen später abgerufen werden können. Per Wildkamera soll dann bewiesen werden, dass der Wolf auch tatsächlich diesen Alarm ausgelöst hat. Eine weitere Testphase schließt sich in dem Fall noch an.

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