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Sebnitz: Mit Schreckschuss-Maschinenpistole Polizisten bedroht

Ein Neustädter muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er sagt, es sei keine Absicht gewesen. Stimmt das auch?

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Symbolfoto.
Symbolfoto. © Symbolfoto: dpa

Von Friederike Hohmann

Spät in einer Mainacht fällt Polizisten, die einen Schwerlasttransport begleiten, ein unbeleuchtetes Moped auf. Das Zweirad wird sofort aus dem Verkehr gezogen. Es muss aber von Einsatzkräften bewacht werden, da der Fahrer es nicht diebstahlsicher anschließen kann.

Nun steht also ein Funkstreifenwagen zur Bewachung des Mopeds neben einer Kreuzung in Neustadt, als dort nachts halb drei ein aus Sebnitz kommender Opel hält, um nach links abzubiegen. Die Beamten im Streifenwagen denken, sie sehen nicht richtig: Der grinsende Beifahrer im Opel hält eine echt aussehende Waffe in ihre Richtung, hebt und senkt sie mehrmals. Kurz darauf springt die Linksabbieger-Ampel auf Grün.

Die erschrockenen Polizisten nehmen die Verfolgung auf und lassen kurz darauf den Opel rechts ran fahren. Noch bevor die Polizisten aussteigen, öffnet sich die Beifahrertür des Opels. Ein junger Mann geht auf den Streifenwagen zu, überreicht den Beamten eine nicht geladene Schreckschuss-Maschinenpistole und entschuldigt sich, das da gerade an der Kreuzung sei nicht ernst gemeint, sondern nur ein Spaß gewesen.

Mit der Waffe fühlte er sich wie ein kleines Kind

So schildert es der als Zeuge geladene Polizeibeamte vor dem Amtsgericht in Pirna. Angeklagt ist dort Ronny F., der dieser Aussage nicht widerspricht. Entscheidend in dem Prozess ist aber, ob F. den Funkstreifenwagen sah, als der Opel, in dem er auf dem Beifahrersitz saß, an der Kreuzung hielt. Hielt er also die Waffe bewusst in die Richtung des Polizeiwagens?

Ronny F. bietet dem Gericht zunächst eine Version an, die nicht zu dem Protokoll passt, das bei der Vernehmung des Opelfahrers angefertigt wurde. Er wollte seinen Kumpel da nicht mit hineinziehen, sagt der nervös wirkende Ronny F. vor Gericht. Sein Verteidiger schildert nun, was sein in Bedrängnis geratener Mandant ihm nach dem Vorfall erzählt hätte. Wie ein kleines Kind hätte F. sich gefühlt, nachdem er die Schreckschuss-Waffe auf einem Schrottplatz in Sebnitz für 20 Euro gekauft hatte. Schon auf der neun Kilometer langen Strecke bis zur Kreuzung hätte er damit hantiert und die Waffe, die für ihn ein Spielzeug war, aus dem geöffneten Fenster gehalten.

Ronny F. beteuert mehrmals, dass er niemals auf Polizisten zielen würde. Er hätte den Streifenwagen erst gesehen, als es eigentlich schon zu spät war, nämlich als die Ampel auf Grün schaltete. Deshalb sei er auch gleich schuldbewusst ausgestiegen und hätte gar nicht erst versucht, die Waffe zu verstecken. Im Nachhinein sei ihm erst richtig klargeworden, wie gefährlich die Situation auch für ihn in dem Moment gewesen war. Die Polizisten hätten auch die Waffe ziehen können.

Moped war inzwischen gestohlen

Am nächsten Tag brachte der schuldbewusste Ronny F. ein Entschuldigungsschreiben aufs Revier. Die Richterin glaubt F. nicht so recht, dass er die Waffe nicht doch bewusst in Richtung des Polizeiwagens gerichtet hatte. Warum hätte er sich sonst gegenüber den Beamten sofort so reuig verhalten und ihnen die Waffe überreicht, noch bevor sie ihn dazu aufgefordert hatten?

Im nächsten Termin sollen weitere Zeugen vernommen werden, um zu klären, ob F. bewusst auf die Beamten zielte. Wenn F. die gefährliche Körperverletzung nachgewiesen wird, droht ihm eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten.

Übrigens, beim anfangs geschilderten Einsatz kamen die Polizisten nach ihrem 20-minütigen Einsatz in dieser Mainacht allerdings zu spät zur Kreuzung zurück. Das Moped, das sie bewachen sollten, war inzwischen spurlos verschwunden.