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Sebnitzer Radfahrer fühlen sich gefährdet

Erstmals ist Sebnitz im Fahrradklima-Test des ADFC vertreten - und schneidet schlecht ab. Das Rathaus will die Schwachpunkte nun prüfen.

Staatsstraße S154 zwischen Sebnitz und Bad Schandau: Der geplante Radweg lässt noch auf sich warten.
Staatsstraße S154 zwischen Sebnitz und Bad Schandau: Der geplante Radweg lässt noch auf sich warten. © Steffen Unger

Ganze 69 Prozent der Umfrageteilnehmer fühlen sich gefährdet, wenn sie in Sebnitz mit dem Rad unterwegs sind. Sogar 73 Prozent geben an, dass sie auf dem Rad regelmäßig zu knapp von Autos überholt werden. Dies geht aus dem Fahrradklima-Test des ADFC hervor, den der Fahrradclub am Dienstag vorgestellt hat. Sebnitz ist zum ersten Mal in dieser Studie vertreten, 77 Sebnitzer haben sich an der Online-Befragung beteiligt. In den Jahren zuvor waren es immer zu wenige Teilnehmer für eine stadtspezifische Auswertung gewesen.

Neben dem Sicherheitsgefühl beim Radfahren und gefährlichen Überholvorgängen weisen die Ergebnisse der ADFC-Studie auf weitere Problemstellen beim Radverkehr in Sebnitz hin: 61 Prozent der Befragten wünschen sich breitere Radwege und 70 Prozent fordern mehr diebstahlsichere Abstellanlagen für ihre Räder. Insgesamt landet Sebnitz mit der Schulnote 4,15 im hinteren Mittelfeld des Rankings.

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Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, sieht deshalb Handlungsbedarf. Der Fahrradboom dauere bereits seit Jahren an, die Pandemie habe diesen Trend nochmals zusätzlich verstärkt. "Die Kommunalpolitik darf diese Entwicklung nicht verschlafen. Die Menschen wollen mehr Wege mit dem Rad zurücklegen", sagt Krause. "Doch damit sie das tun können, brauchen wir durchgehende Radnetze und angstfreie Wege." 83 Prozent der Sebnitzer Umfrageteilnehmer wünschen sich mehr Engagement von Kommunalpolitikern und der Stadtverwaltung bei der Förderung des Radverkehrs.

Löser: "Stadtpolitik hat Entwicklung verschlafen"

Scharfe Kritik kommt anlässlich der Ergebnisse von Paul Löser, der seit 2019 für die Grünen im Sebnitzer Stadtrat sitzt. "Die Stadtpolitik hat die Entwicklung rund ums Fahrrad schlichtweg verschlafen", sagt Löser. Und: "Mit E-Bikes lassen sich nun auch die berüchtigten Sebnitzer Berge sehr leicht bewältigen." Das Fahrrad sei damit kein Nischen-Verkehrsmittel mehr und nicht beschränkt auf die Sportler des traditionsreichen Sebnitzer Radfahrervereins 1897, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Diese Entwicklung müsse sich in der Politik vor Ort wiederfinden, erklärt Paul Löser. Bis heute fehlten zum Beispiel Fahrradständer am Busbahnhof oder am Bahn-Haltepunkt Amtshainersdorf, dabei seien diese Orte besonders wichtig beim Übergang zwischen Rad und ÖPNV. Auch die Fahrradständer auf dem Sebnitz Markt schätzt Löser als "eher schlecht als recht" ein.

Positiv bewertet der Grünen-Stadtrat, dass große Teile der Sebnitzer Innenstadt Tempo-30-Zone sind. "Diese gilt es auszuweiten, um mehr Sicherheit für Kinder und Senioren im Fußverkehr und natürlich auch für Radfahrende zu schaffen." Der bislang einzige explizite Radweg verläuft von Sebnitz nach Rugiswalde. Dieser sollte laut Löser künftig regelmäßig komplett vom Schnee beräumt werden. Dafür sollte sich Sebnitz mit der Nachbarstadt Neustadt zusammensetzen. Des Weiteren solle sich Sebnitz für Fahrradstreifen auf den Staatsstraßen im Stadtgebiet einsetzen.

Mehr Einbahnstraßen für Radfahrer öffnen?

Als eine konkrete Schwachstelle benennt der Fahrradklima-Test die Einbahnstraßen in Sebnitz. 64 Prozent der Befragten wünschen sich, dass mehr Einbahnstraßen für Radfahrer in der Gegenrichtung geöffnet werden. Sachsenweit liegt dieser Wert bei 37 Prozent. "Hier kann die Stadt Sebnitz leicht und kostengünstig für Verbesserungen sorgen", sagt ADFC-Geschäftsführer Konrad Krause.

Einbahnstraße Lange Straße in Sebnitz: Die Stadt will jetzt prüfen, welche Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet werden können.
Einbahnstraße Lange Straße in Sebnitz: Die Stadt will jetzt prüfen, welche Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet werden können. © Steffen Unger

Die Stadt Sebnitz will nun prüfen, ob und welche Einbahnstraßen im Stadtgebiet für entgegengesetzten Radverkehr geöffnet werden können. Das kündigt das Rathaus an. Die Überprüfung soll gemeinsam mit der Polizei und eventuell dem ADFC vonstattengehen. Ausschlaggebende Kriterien seien die Straßenbreite und das Verkehrsaufkommen. Im Herbst soll dann der Stadtrat die Ergebnisse diskutieren. Auch Möglichkeiten für zusätzliche Radabstellplätze wolle man sich anschauen.

Freistaat will Gelder für Radwege kürzen

Für wichtiger hält Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) jedoch die Radwege zwischen den Kommunen, insbesondere die Verbesserung des bestehenden Radwegs von Sebnitz in Richtung Neustadt sowie den geplanten Neubau zwischen Sebnitz und Bad Schandau. Dafür brauche es aber Geld vom Freistaat.

Dem stimmt der ADFC zu. "Dass Verkehrsminister Martin Dulig jetzt den Städten und Gemeinden den Geldhahn zudrehen will, besorgt mich sehr", sagt Konrad Krause. Im aktuellen Haushaltsentwurf der sächsischen Staatsregierung seien für den Ausbau des kommunalen Radwegenetzes statt 11,7 Millionen Euro nur noch 2,4 Millionen Euro vorgesehen. Dies müssten die Landtagsabgeordneten dringend noch korrigieren.

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