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So schlecht steht es um den Stadtwald von Sebnitz

Der Borkenkäfer schlägt längst auch abseits des Nationalparks zu. Was das für den kommunalen Wald von Sebnitz bedeutet.

Von Dirk Schulze
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Waldschäden an der Hube in Sebnitz.
Waldschäden an der Hube in Sebnitz. © Steffen Unger

Das Problem der stadteigenen Waldflächen von Sebnitz ist, dass sie ziemlich verstreut liegen und eng verzahnt sind mit Privatwald und dem freistaatlichen Wäldern des Sachsenforsts. Aufgrund der verschiedenen Eigentümer ist eine gleichzeitige Bekämpfung des Borkenkäfers kaum möglich, sagt Revierförster Holger Fleischer: "Irgendeiner schafft es immer nicht." Den Käfer kümmern die Flurstücksgrenzen wenig, er fliegt einfach aus. Schon der kleinste Befallsherd genügt, dass der Borkenkäfer sich in der gesamten Umgebung ausbreitet.

Von den kommunalen Wäldern der Stadt Sebnitz, die Revierleiter Fleischer betreut, sind in diesem Jahr drei Hektar Fichte oberhalb von Schönbach hopsgegangen. Am Finkenberg sind drei von 14 Hektar Fichte zerstört, die übrigen elf sind vorwiegend jungen Bäume und bisher noch intakt. An der tschechischen Grenze zwischen Hertigswalde und Saupsdorf hingegen sind die Fichten nicht mehr zu retten.

Das größte zusammenhängende Stück Wald im Eigentum der Stadt befindet sich mit 50 Hektar auf der sogenannten Hube. Hier ging es mit dem Borkenkäfer schon 2017 los und wurde in den Folgejahren immer schlimmer. "Die Fichte ist dort ein Totalausfall", erklärte Holger Fleischer in der Stadtratssitzung im Dezember. Der Anteil der noch lebenden Fichten beträgt vielleicht zwei bis drei Hektar, was sonst auf der Hube noch steht, ist Laubwald. Durch die nötigen Einschläge ist bereits eine größere Freifläche entstanden.

Borkenkäfer befällt auch jüngere Fichten

Insgesamt sind die Waldflächen der Stadt massiv geschädigt, lautet das Fazit des Revierförsters. Von 150 Hektar Kommunalwald gelten etwa 40 Hektar als abgestorben. "Ob die restlichen Fichten die nächsten zwei Jahre überstehen, wage ich nicht zu beurteilen", sagte Holger Fleischer. Auch in diesem Jahr habe er zunächst noch gedacht, dass der Borkenkäfer sich aufgrund der Witterung weniger vermehrt, mittlerweile ist er weniger optimistisch. Zwar sind die verbliebenen Fichten deutlich jünger. Da die vom Borkenkäfer zuerst befallenen älteren Fichten (80 Jahre und aufwärts) mittlerweile fast gänzlich verschwunden sind, greift der Käfer inzwischen auch die jungen Bäume ab 20 Jahren an.

Auf der Hube setzt Fleischer vor allem auf eine natürliche Verjüngung. Die ersten Birken wachsen schon nach. Aufgeforstet werden soll nur, wo kein junger Wald von allein entsteht. Das ist nicht zuletzt eine Kostenfrage: Ein Hektar Bepflanzung würde die Stadt etwa 10.000 Euro kosten. Und durch die Schäden sind die Verluste eh schon hoch.

Drohen Murenabgänge am Steilhang?

Einen besonderen Fall stellt der Steilhang an der Straße bei Ottendorf dar. Hier mussten die befallenen Fichten unter großem Aufwand komplett gefällt werden, um die Verkehrssicherheit entlang der Straße zu gewährleisten. Stadtrat Andreas Stork (Zukunft Sebnitz) wollte wissen, ob dort nach nicht die Gefahr von Muren droht? Förster Fleischer geht davon aus, dass sich die Fläche von selbst neu bewaldet. Eine erste Generation wachse bereits nach. Zudem konnten die Bäume am oberen Ende des Hangs stehenbleiben und auch dort, wo die Fichten gefällt wurden, wachsen noch Lärchen und Kiefern. Die Gefahr von Murenabgängen sei demzufolge gering.

Generell stehe auch auf vielen anderen betroffenen Flächen der neue Wald schon zwei Meter hoch da - das sind die Buchen und Tannen, die dort in der Vergangenheit unter die alten Fichten gepflanzt wurden. Eine naturnahe Verjüngung, so wie sie seine Kollegin Annette Schmidt-Scharfe im Staatswald Sebnitzer Wald praktiziert, sei auch das Ziel für die kommunalen Wälder gewesen, erklärte Revierförster Holger Fleischer auf Nachfrage von Stadtrat Paul Löser (Grüne).

Seit 2011 wurde dementsprechend junge Laubbäume untergepflanzt, um den Wald schrittweise umzubauen. Durch die Stürme 2017/18 und die darauf beginnende Borkenkäferplage wurden die Bemühungen aber jäh unterbrochen. "Wir arbeiten seitdem im Krisenmodus", sagte Fleischer. Generell wolle er aber die naturnahe Waldbewirtschaftung weiterführen.