SZ + Sebnitz
Merken

Sächsische Schweiz: Weg frei für neuen Wohnmobilplatz

Der Sebnitzer Rat kann beim Verkauf des Lichtenhainer Sportplatzes aus drei Bietern auswählen. Dabei spielt auch die Bowlingbahn eine Rolle.

Von Dirk Schulze
 2 Min.
Teilen
Folgen
Sportplatz Lichtenhain mit Bowlingbahn. Ihr sollen in Zukunft Camper Urlaub machen.
Sportplatz Lichtenhain mit Bowlingbahn. Ihr sollen in Zukunft Camper Urlaub machen. © Steffen Unger

Der Sportplatz von Lichtenhain soll zum Campingareal werden – das steht schon eine Weile fest. Im Juli hatte der Sebnitzer Stadtrat den Verkauf des brachliegenden Grundstücks mitsamt der Gebäude beschlossen mit der Maßgabe, dass der zukünftige Eigentümer dort eine Caravan- und Campingplatz errichten sollte.

Der anhaltende Campingboom und insbesondere der Stellplatzmangel für Wohnmobile im Sommer 2020 hatten zu dieser Idee geführt. Hörbaren Widerspruch gab es nicht: Der SV Lichtenhain hat seinen Spielbetrieb mangels Nachwuchs schon 2018 eingestellt, die Gaststätte samt Bowlingbahn auf dem Gelände sind geschlossen.

Die Resonanz spricht für sich. Sechs Interessenten meldeten sich auf die Ausschreibung, von denen fünf ein erstes Angebot abgaben. Zwei davon zogen wieder zurück. Es verblieben final drei Bieter. Aus Sicht des Sebnitzer Rathauses brachten sie alle ein schlüssiges Konzept mit sowie eine gesicherte Finanzierung. Es gab somit keinen klaren Favoriten. Nun lag es an den Stadträten in der Sitzung am 15. Dezember eine Entscheidung zu treffen. Zuvor hatten die Bewerber ihre Konzepte bereits im November in nicht-öffentlicher Sitzung persönlich präsentiert.

Die Bieter stammten alle drei aus der Sächsischen Schweiz und haben mal mehr, mal weniger Erfahrung in Sachen Tourismus. Im Rennen waren erstens Lichtenhains Ortsvorsteher André Müller mit seiner Frau Monique, die einen "4-Sterne-Aktiv-Campingplatz" vorgeschlagen hatten. Als zweites die Betreiber des Campingplatzes Bergoase im benachbarten Mittelndorf, André Balogh und Martina Müller-Balogh, die sich in Lichtenhain erweitern wollten. Und als drittes ein Dreier-Konsortium um den Betreiber der Schrammsteinbaude in Ostrau, Steve Möller.

Gaststätte und Bowlingbahn sollen bleiben

Wer von den dreien sollte es nun werden? Rathauschef Ronald Kretzschmar hatte eigens einen Vertreter des Lichtenhainer Ortschaftsrats eingeladen, der stellvertretend erklären sollte, welches der drei Konzept denn die Lichtenhainer bevorzugen. Ortschaftsrat Bert Schäfer tat sich schwer einen klaren Favoriten zu benennen: "Es ist keiner dabei gewesen, der uns komplett überzeugt hat", sagte er. Den Lichtenhainern sei vor allem daran gelegen, dass es mehr Gastronomie im Ort gibt, erklärte Schäfer, der selbst das Hotel und Restaurant Berghof betreibt. Der zweite Knackpunkt sei die Bowlingbahn, die mit zum Sportplatz gehört. Die Lichtenhainer hätten viel Herzblut in die Anlage gesteckt und wünschten sich, dass sie erhalten bleibt und wieder öffnet.

Dementsprechend landete im Ranking des Ortschaftsrats das Angebot von Schrammsteinbauden-Inhaber Steve Möller und seinen Partnern auf Rang eins. Deren Konzept namens "Panorama-Camping Lichtenhain" sieht die Neueröffnung einer Gaststätte in den Räumen am Sportplatz vor - und auch die Bowlingbahn soll bleiben.

Die beiden anderen Bewerber hingegen sahen keine Chance für die Bowlingbahn. Familie Müller aus Lichtenhain wollte laut ihrem Konzept zumindest einen Pächter für die Gaststätte suchen, die Betreiber der Bergoase hatten keine öffentliche Gaststätte auf dem Campingplatz vorgesehen.

Für Irritation sorgte, dass es offensichtlich verschiedene Versionen des Rankings im Lichtenhainer Ortschaftsrat gab. Die Reihenfolge, die Vertreter Bert Schäfer im Stadtrat für die Plätze zwei und drei präsentierte, unterschied sich von der, die ein anderes Ortschaftsratsmitglied zuvor per Mail übermittelt hatte. Es habe da selbst innerhalb des Ortschaftsrats keine Einigkeit gegeben, musste Schäfer eingestehen. Auf Rang eins war jedoch in beiden Listen der gleiche Bewerber.

Funktionieren Camping und Bowling nebeneinander?

CDU-Stadträtin Uta Dittrich hatte trotzdem noch Fragen. Es gehe bei dem Konzept um einen Campingplatz - und nun lege der Ortschaftsrat auf einmal Wert auf Gastronomie und Bowling. "Das widerspricht sich", sagt Dittrich. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Urlauber im Zelt ihre Ruhe finden, wenn nebenan gebowlt wird. "Haben Sie das berücksichtigt?", fragte sie. Bert Schäfer vom Ortschaftsrat sah darin kein Problem, schließlich verlaufe auch die Staatsstraße direkt neben dem Platz, erklärte er.

Rainer Böhme (Die Linke) hingegen lobte die Herangehensweise des Ortschaftsrats. Dieser hätte nach Fakten gewichtet - und dadurch immerhin seinen eigenen Ortsvorsteher auf einen hinteren Platz gesetzt. Ähnlich sah es Toni Lustig von der AfD. Paul Löser (Grüne) wies darauf hin, dass nur der Verkauf des Grundstücks samt Gebäude zu Debatte stehe. Inwieweit die versprochenen Konzepte tatsächlich umgesetzt werden, liege außerhalb der Macht des Stadtrats. Er traue allen drei Bewerben das Projekt zu.

Der Zuschlag ging schließlich mit acht Ja-Stimmen, vier Nein und drei Enthaltungen an Schrammsteinbauden-Inhaber Steve Möller und seine Partner. Er will den Campingplatz gemeinsam mit dem Bad Schandau Hausdienstleistungsunternehmer Roland Hering sowie Frank Baumert aus Oßling betreiben. In der wiedereröffneten Gaststätte sollen dann auch Familien- und Vereinsfeste möglich sein.