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Villa am Burggäßchen hat neuen Besitzer

Der frühere Sebnitzer Kindergarten wird zur sozialen Einrichtung umgebaut. Für den umgebenden Park gibt es eine besondere Lösung.

Die Villa am Burggäßchen 10 in Sebnitz. Nach langer Suche hat sie einen neuen Besitzer.
Die Villa am Burggäßchen 10 in Sebnitz. Nach langer Suche hat sie einen neuen Besitzer. © Steffen Unger

Erbaut als Fabrikantenvilla, zu DDR-Zeiten als Kindergarten genutzt, dann der jahrelange Leerstand. Die wechselhafte Geschichte der Villa am Burggäßchen 10 in Sebnitz kommt nun aller Voraussicht nach zu einem guten Ende - oder vielmehr zu einem Neuanfang. Mit dem jetzt beschlossenen Verkauf der Immobilie hat der Sebnitzer Stadtrat dafür den Weg frei gemacht.

"Behütet Wohnen - Der Park am Burggäßchen", lautet das Konzept, das Investor Igor Ratzenberger am Burggäßchen umsetzten möchte. Mit seiner in Dresden ansässigen FR Immobilienverwaltungs-GmbH hat er das Objekt zum Preis von 301.000 Euro von der Stadt gekauft. Ratzenberger baut aktuell bereits den ehemaligen Gasthof "Grauer Storch" in Pirna-Mockethal zu einer seniorengerechten Wohnanlage inklusive Tagespflege um.

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In Sebnitz soll eine Anlage für barrierefreies Wohnen, eine Wohngemeinschaft und eine Tagespflege entstehen. Inhaltlich ist das Konzept nicht allein auf Senioren ausgerichtet, sondern auf allgemein auf Menschen mit neurologischen Erkrankungen, also auch Jüngere, die beispielsweise infolge eines Unfalls eingeschränkt sind. Betrieben werden soll die Einrichtung vom Pflegedienst Provitam aus Neustadt.

Kleinteilige Bebauung

Auf dem Areal am Burggäßchen in Sebnitz ist ein Quartier mit drei Gebäuden geplant, das sich mit seiner kleinteiligen Bebauung in das Umfeld einfügt, wie Igor Ratzenberger in Sebnitz erklärte. Die bestehende Villa soll dafür um einen Anbau, erweitert werden, in dem unter anderem ein Fahrstuhl Platz findet. Hier muss der Denkmalschutz noch zustimmen. Mit dem vorhandenen Treppenhaus sei das barrierefrei Konzept nicht machbar, erklärte der Investor.

So könnte das Areal Burggässchen 10 in Sebnitz aussehen: Vorn die Villa, rechts dahinter der flache Neubau, oben links der 3,5-Geschosser.
So könnte das Areal Burggässchen 10 in Sebnitz aussehen: Vorn die Villa, rechts dahinter der flache Neubau, oben links der 3,5-Geschosser. © Visualisierung: FR Immobilienverwaltungs GmbH

Als zweites Gebäude ist ein Flachbau anstelle des zuvor abgerissenen Flachbaus auf dem Gelände vorgesehen. Hier wird die Wohngemeinschaft einziehen. Der Bau soll das abfallende Gelände terrassenförmig erschließen.

Hinzukommt ein 3,5-geschossiger Neubau am oberen Rand des Grundstücks mit Platz für 18 Wohnungen. Von großen Terrassen blicken die künftigen Bewohner von hier aus in Richtung Stadtzentrum, Parkplätze sind an der Rückseite des Gebäudes vorgesehen.

Insgesamt sollen am Burggäßchen 45 Menschen in 30 Wohnungen barrierefrei leben können. Hinzukommt die Wohngemeinschaft für weitere 12 Menschen sowie eine Tagespflege mit 15 Plätzen. Investor Igor Ratzenberger geht von Gesamtkosten von rund 6,5 Millionen Euro aus.

Park wird öffentlich zugänglich

Ein besonderer Höhepunkt für die Sebnitzer dürfte der denkmalgeschützte Park rings um die Villa werden. Die Parkanlage soll zu festen Zeiten tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich werden. "Wir wollen der Stadt eine zentrumsnahe Grünfläche zurückgaben", sagte Igor Ratzenberger.

Die Stadt Sebnitz schließt dafür einen zunächst auf zehn Jahre befristeten Vertrag mit dem neuen Eigentümer ab und übernimmt für diese Zeit die Baumpflege im öffentlichen Teil des Geländes. "Wir wollen dies historische Chance packen", sagte Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Der Park sei zuvor zu keiner Zeit ein öffentliches Gelände gewesen. Erst war er in Privatbesitz, später zu DDR-Zeiten Teil des Kindergartens.

Der denkmalgeschützte Park wurde zwischen 1883 und 1892 von Max Bertram angelegt, einem königlich-sächsischer Gartenbaudirektor. Bertram schuf unter anderem auch den Park von Barockschloss Wachau nördlich von Dresden sowie den Schlosspark in Thürmsdorf am Fuße der Festung Königstein.

OB: "Sebnitz wird führend bei Sozialeinrichtungen"

Mit dem Verkauf der Villa am Burggäßchen und dem in der gleichen Stadtratssitzung beschlossenen Verkauf des ehemaligen VEB Kunstblume an der Weberstraße hat Sebnitz auf einen Streich zwei zentrale Immobilien losgeschlagen, für die die Stadt seit Jahren einen Käufer gesucht hat.

Beide Gebäude standen jahrelang leer, beide hat die Stadt angekauft und mithilfe sechsstelliger Fördergelder vor dem endgültigen Verfall bewahrt, beide werden jetzt zu sozialen Einrichtungen. Das sei von Anfang an das Ziel gewesen, erklärte OB Ruckh. Die investierten Eigenmittel habe die Stadt durch den Verkauf wieder erlöst.

Beide Investoren kennen das Konzept des anderen und sind sich sicher, dass sie beide nebeneinander bestehen können. "Der Bedarf an barrierereduziertem Wohnraum ist da", sagt Igor Ratzenberger, der das Areal am Burggäßchen entwickeln will.

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Für den Sebnitzer OB Mike Ruckh ist das Ziel klar. Mit dem Verkauf der beiden Objekte sei der Startschuss für Investitionen von über 15 Millionen Euro in Sebnitz gefallen, mindestens 50 neue Arbeitsplätze würden entstehen. Hinzukommt ein weiteres bereits geplantes Sozialprojekt der Lebenshilfe unweit des Burggäßchens. "Wir werden damit an Sozialeinrichtungen die führende Stadt im rechtselbischen Bereich in der Sächsischen Schweiz sein", sagte Ruckh.

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