merken
PLUS Sebnitz

Was hilft Sebnitzer Händlern am meisten?

In Sebnitz könnte es eine neue Gutscheinaktion für Läden in der Stadt geben - aber anders als bisher gedacht. Jetzt werden Geschäftsleute befragt.

Schandauer Straße in Sebnitz: In der Stadt werden Hilfen für das örtliche Gewerbe diskutiert.
Schandauer Straße in Sebnitz: In der Stadt werden Hilfen für das örtliche Gewerbe diskutiert. © Daniel Schäfer

Die beiden bisher bekannten Vorschläge für eine Corona-Hilfsaktion zugunsten des Einzelhandels in Sebnitz sind vom Tisch. Weder die subventionierten 100-Euro-Gutscheine nach dem Vorbild von Pirna, die der frühere Sebnitzer Tourismuschef Julian Ipsen vorgeschlagen hatte, noch die Idee eines Dankeschön-Gutscheins für Pfleger, wie sie die Stadträte von Mitsprache Stadt und Land, Linken und Grünen eingebracht hatten, fanden in der internen Klausurtagung des Stadtrats eine Mehrheit, wie Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) auf Anfrage erklärt.

Der Vorschlag des 100-Euro-Gutscheins sei unter anderem verworfen worden, weil die Summe als zu hoch erschien. In Pirna konnten Einwohner diese limitierten Gutscheine mit für nur 75 Euro kaufen, die übrigen 25 Euro wurden von Sponsoren subventioniert. Beim Einlösen kommen aber die vollen 100 Euro dem lokalen Handel zugute. In Sebnitz gab es Zweifel, ob denn genügend Kunden diese Summe ausgeben würden. Zudem bringe es für die Liquidität der Geschäfte kurzfristig nichts, weil die Gutscheine erst eingelöst werden könnten, wenn die Läden wieder offen seien.

Anzeige
Dresdens Weltklasse-Provinz sucht Sie!
Dresdens Weltklasse-Provinz sucht Sie!

Sie möchten Natur, Familie, Arbeit und Leben miteinander verbinden? Dann ist die Region Altenberg | Glashütte gern Ihre neue Heimat.

Bei der Idee eines Dankeschön-Gutscheins für Pflegekräfte, den die Stadt finanziert und der laut den Initiatoren eine Geste für die Pflege sein und parallel den Handel unterstützen sollte, habe es Bedenken gegeben, eine Berufsgruppe als Corona-Helden herauszustellen - und im Gegenzug vielleicht andere, die ebenfalls bei hohem Risiko viel leisten, wie beispielsweise Kassiererinnen im Supermarkt, zu vernachlässigen, erklärt Ruckh.

Mehrere Ideen für Corona-Hilfen in der Diskussion

Gänzlich gestrichen ist eine Gutscheinaktion aber damit nicht. Wie sie aussehn könnte, wird derzeit noch diskutiert. Die aktuell in Sebnitz favorisierte Variante sieht einen 20-Euro-Gutschein vor, der für 10 Euro verkauft wird. Die übrigen 10 Euro finanziert die Stadt. Das hätte den Vorteil, dass die Hürde kleiner ist, einen Gutschein zu kaufen, und man könne mit dem Kauf von mehreren Gutscheinen leicht mehrere Geschäfte unterstützen, argumentiert OB Ruckh. Das geht in Pirna zwar auch, dafür sind aber elektronische Gutscheinkarten und ein Computersystem nötig. Den technischen Aufwand will man in Sebnitz nicht treiben.

Als zweite Maßnahme steht in Sebnitz weiterhin ein Erlass der Tourismusabgabe zur Debatte. Diese Abgabe müssen alle Unternehmen zahlen, die laut Satzung vom Tourismus profitieren, Geschäfte ebenso wie Tankstellen, Apotheken und Supermärkte. Sebnitz hatte die Tourismusabgabe im Jahr 2020 generell nicht erhoben, um die Gewerbetreibenden zu entlasten. Diese Hilfe nach dem Gießkannen-Prinzip soll es 2021 nicht noch einmal geben, denn Supermärkte, Apotheken und Tankstellen beispielsweise durften während des Corona-Lockdowns öffnen.

Unterstützung sollen aber nur die bekommen, die sie wirklich brauchen. Aktuell gibt es deshalb die Idee, diejenigen Unternehmen zu entlasten, die auch Anspruch auf die Überbrückungshilfe III des Bundes haben und deshalb als besonders betroffen gelten. Wer den Bescheid bekommt, könnte ihn bei der Stadt Sebnitz vorlegen und 50 Prozent der Tourismusabgabe sparen. Somit fiele für die Stadt der Aufwand der Prüfung weg.

Des Weiteren denkt Sebnitz darüber nach, die lokalen Händler bei der Digitalisierung zu unterstützen, zum Beispiel durch Coachings zum Aufbau von Onlineshops. Noch sind alle diese Hilfsmaßnahmen aber in der Diskussion.

Umfrage unter Gewerbetreibenden gestartet

Um vor einer Entscheidung überhaupt mit den Betroffenen zu sprechen, gab es kürzlich einen Gesprächstermin mit dem Gewerbeverein im Sebnitzer Rathaus. Überraschenderweise sei ein Ergebnis des Gesprächs gewesen, dass die Umsätze im Jahr 2020 bei vielen gar nicht so schlecht ausgefallen wären, sagt OB Mike Ruckh. Es waren besonders viele Touristen unterwegs und, so berichten es Händler, auch die Einheimischen haben ihnen die Treue gehalten.

Natürlich kann dies von Fall zu Fall verschieden sein, und nicht alle Läden sind Mitglied im Gewerbeverein. Für ein umfassendes Bild hat die Stadt Sebnitz deshalb eine Umfrage zur Corona-Situation unter den Gewerbetreibenden initiiert. In dem dreiseitigen Fragebogen können die Unternehmen beantworten, wie sich ihr Umsatz entwickelt hat, ob ihnen die Hilfen von Freistaat und Bund geholfen haben und vor allem, welche Unterstützung sie sich von der Stadt Sebnitz wünschen würden.

Neben einer Gutscheinaktion und dem Erlass der Tourismusabgabe stehen auch niedrigere Sondernutzungsgebühren für Auslagen oder Tische auf öffentlichen Fußwegen oder mehr Veranstaltungen (sobald es die Lage erlaubt) zur Wahl.

Weiterführende Artikel

Hilfen für Händler oder Dank an die Pflege?

Hilfen für Händler oder Dank an die Pflege?

In Sebnitz werden verschiedene Ideen für eine Corona-Hilfsaktion diskutiert. Zuerst ist jedoch ein Kassensturz nötig.

Neue Hilfs-Aktion für Sebnitzer Läden?

Neue Hilfs-Aktion für Sebnitzer Läden?

Die Stadt Sebnitz sollte Gutscheine für lokale Geschäfte finanziell fördern. Das wird in einem offenen Brief an den Stadtrat vorgeschlagen.

Bisher sei der Tenor eindeutig gewesen, sagt OB Ruckh: "Das Wichtigste für die Gewerbetreibenden ist eine klare Öffnungsperspektive." Das hätten die bisherigen Gespräche ergeben. Ein Öffnungstermin sei auch die Voraussetzung dafür, dass eine Gutscheinaktion funktioniert. Wenn es soweit ist, soll es einen Aktionstag geben.

Mehr Nachrichten aus Sebnitz und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Sebnitz