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Wie das Kiez in Sebnitz erhalten wird

Die Betreiber und der Landkreis arbeiten am Zukunftskonzept für die Herberge in Sebnitz. Ein Drama wie bei Burg Hohnstein soll sich nicht wiederholen.

Katja und Sven Hartmann: Als Geschäftsführerin und technischer Leiter kümmern sie sich um das Kiez in Sebnitz.
Katja und Sven Hartmann: Als Geschäftsführerin und technischer Leiter kümmern sie sich um das Kiez in Sebnitz. © Steffen Unger

Als Sven Hartmann den Rundgang beendet, stehen 1,16 Kilometer auf seiner Fitnessuhr. Der technische Leiter des Kiez "An der Grenzbaude" in Sebnitz hat gerade zwei Dutzend Kreisräte und Mitarbeiter des Landratsamts über das ausgedehnte Areal hoch oben über der Stadt geführt. Treppauf, treppab ging es über das sechs Hektar große Gelände, vorbei an Grillplätzen, Freilichtbühne und Schwimmbad, mit Abstechern in die Großküche und eins der riesigen Bettenhäuser. Eine gute Stunde dauerte die Tour.

Kiez - das steht für Kinder- und Jugenderholungszentrum. Fünf Kieze gibt es in Sachsen, allesamt ehemalige Pionierlager. In der Wendezeit 1990 haben sie sich in einem gemeinsamen Dachverband organisiert und bieten sich vor allem als Ziel für Klassenfahrten und Feriencamps für Kinder und Jugendliche an - und werden als solche rege genutzt. Das Sebnitzer Kiez verbucht rund 45.000 Übernachtungen pro Jahr. Das macht fast ein Viertel der Übernachtungszahlen der Stadt aus.

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Das Kiez in Sebnitz verfügt über exakt 452 Betten und dürfte damit der größte Beherbergungsbetrieb im ganzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sein - den allerdings die wenigsten als solchen auf dem Schirm haben. Auch deshalb sind die Kreisräte in Sebnitz eingeladen und halten hier eine Ausschusssitzung ab. "Wir sind von der Corona-Pandemie genauso getroffen wie die Hotel-Branche", sagt Geschäftsführerin Katja Hartmann. Sieben Monate lang musste das Haus während des Lockdowns schließen, für die Mitarbeiter hieß es Kurzarbeit.

Hohe Kosten für Brandschutz

Die Pandemie spielt jedoch nur am Rande eine Rolle bei dem Termin. Hauptsächlich wollen die Kiezianer, wie sie sich selbst gern nennen, dem Wirtschafts-, Tourismus- und Vergabeausschuss des Kreistages die Dimensionen ihrer Arbeit deutlich machen und den enormen Aufwand, der für die Instandhaltung des Gebäudekomplexes nötig ist. Der Landkreis ist der Eigentümer der Immobilie, der Kiez-Verein nutzt sie in einem Erbpachtvertrag. Eine Situation wie bei der Burg Hohnstein, wo ein jahrelanger Investitionsstau beinahe zur Schließung geführt hätte, soll sich nicht wiederholen.

Momentan steht vor allem der Brandschutz im Fokus. An dem prägnanten Turmgebäude in der Mitte des Kiez-Geländes wird ein Anbau geplant, damit künftig mehr Platz ist und die wachsenden Brandschutzanforderungen erfüllt werden können. Vor allem der Baugrund ist eine Herausforderung: Das Haus steht auf Granit. Der freigelegte Fels ist am mit Flatterband abgesperrten Bauplatz deutlich zu sehen. An den Bettenhäusern müssen außerdem zusätzlich zu den vorhandenen Rettungstreppen noch zwei weitere gebaut werden. Um alle Auflagen umzusetzen, sind in den kommenden Jahren laut Kostenschätzung 742.000 Euro nötig.

Neue Multifunktionshalle, Großküche modernisiert

Das Kiez hofft dafür auf weitere Unterstützung. Erst 2019 hatte der Landkreis dem Betreiberverein eine Restschuld von 33.000 Euro aus dem Erbpachtvertrag erlassen, damit das Geld in den Erhalt der Gebäude fließen kann. Seit 1992 wurden laut dem Verein jedes Jahr zwischen 200.000 und 300.000 Euro in das Objekt investiert, finanziert über Fördermittel und einen Eigenanteil von 30 Prozent.

Im vergangenen Jahr hat das Kiez eine neue Multifunktionshalle auf dem Gelände errichtet, die als Spielfläche oder Veranstaltungsraum dient, während der Pandemie hat der Verein hier ein Corona-Testzentrum betrieben und konnte dadurch einige Mitarbeiter früher aus der Kurzarbeit holen. Ebenfalls 2020 wurde die hauseigene Großküche für 120.000 Euro modernisiert, bei Vollbelegung bereiten die Köche hier jeden Mittag und jeden Abend 450 Portionen zu. Dank einer Initiative der Stadt Sebnitz ist das Kiez zudem mit schnellem Internet und WLAN-Hotspots ausgestattet.

Geschäftsführerin Katja Hartmann wies die Kreisräte auch auf die wirtschaftliche Bedeutung hin, die das Kiez für die Region hat. Jede zweite Schülergruppe macht einen Ausflug zur Festung Königstein, auch das Nationalparkzentrum in Bad Schandau, das Freizeitzentrum Solivital in Sebnitz oder das Erlebnisbad Mariba in Neustadt gehören zu den regelmäßigen Zielen. In Zukunft will das Kiez gern auch als Gastgeber für Fest-, Sport- oder Kulturveranstaltungen fungieren. Unter anderem die sanierte Freilichtbühne bietet sich dafür an.

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