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Sebnitzer Händler gegen neuen Rewe in Neustadt

Der Gewerbeverein macht gegen den geplanten Supermarkt mobil. Die Angst: Er könnte weitere Kaufkraft abziehen.

© Daniel Schäfer

Von Dirk Schulze

Sebnitz/Neustadt. Eine Sorge treibt die Sebnitzer Händler um – und die heißt Einkaufszentrum in Neustadt. Die nur 15 Fahrminuten entfernte Nachbarstadt will einen weiteren großen Supermarkt ansiedeln. In Rede steht ein Einkaufszentrum mit insgesamt 3 459 Quadratmetern Verkaufsfläche an der Dresdner Straße. Darin sollen ein Supermarkt, höchstwahrscheinlich Rewe, sowie ein Sonderpostenmarkt Platz finden. Nach Aldi, Lidl und dem Kaufland wäre das der vierte Supermarkt an der Hauptdurchfahrtsstraße durch Neustadt. Erstmals wurden die Pläne schon 2015 vorgestellt. Vor zwei Monaten wurden durch einen neuen Entwurf des Bebauungsplans weitere Details öffentlich. Seitdem rumort es unter den Geschäftsinhabern auch in Sebnitz.

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In einem Brief an Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN) spricht sich der Gewerbeverein Sebnitz nun nachdrücklich gegen das Vorhaben aus. „Jedes einzelne kleine Einzelhandelsgeschäft kämpft in unserer Region ums Überleben“, heißt es in dem Schreiben, welches der Sächsischen Zeitung vorliegt. Die Innenstädte würden sukzessive aussterben. Alle Geschäftsinhaber seien darum bemüht, dies zu verhindern und ihren Kundenkreis zu erhalten. In Sebnitz gehören laut dem hiesigen Gewerbeverein auch viele Neustädter dazu. Die würden mit dem geplanten Einkaufszentrum als Kunden verloren gehen, so die Befürchtung.

Zudem würden schon jetzt viel zu viele Sebnitzer zum Einkaufen nach Neustadt fahren, meint ein Sebnitzer Händler, der nicht namentlich genannt wird. Dies müsse nicht noch künstlich erhöht werden. Ein anderes Mitglied des Gewerbevereins mahnt, dass ein so großer Markt an der Durchfahrtsstraße zusätzlich zum existierenden Kaufland noch mehr Kaufkraft aus Sebnitz abziehen würde. Der Gewerbeverein hatte seine rund 50 Mitglieder um Stellungnahmen gebeten, die auszugsweise, aber anonym, in dem Brief an den Neustädter Bürgermeister zitiert werden.

Explizit verweist der Gewerbeverein auf das Einzelhandelskonzept, welches die Stadt Sebnitz und der Verein im vergangenen Jahr erstellen ließen. „Daraus geht eindeutig hervor, dass wir in unserer näheren Umgebung keinen neuen Lebensmittelgroßmarkt und vor allem keinen Sonderpostenbilligmarkt mehr benötigen“, schreibt der Verein. Für das knapp hundertseitige Konzept haben Experten per Telefonbefragung und Vor-Ort-Analyse die Handelsstruktur und das Einkaufsverhalten der Menschen in Sebnitz und Umgebung untersucht.

In der Folge hat die Stadt drei Maßnahmen ergriffen, um den Geschäften in der Innenstadt den Rücken zu stärken und weiteren Leerstand zu vermeiden: Per Brötchentaste können Einkäufer eine halbe Stunde kostenlos auf dem Sebnitzer Markt parken. Die Stadtbuslinie soll über die Grenze verlängert werden, um vermehrt Kunden aus Tschechien nach Sebnitz zu locken. Nicht zuletzt hat die Stadt medienwirksam eine Prämie von bis zu 10 000 Euro ausgelobt für Gründer, die ein leerstehendes oder von der Schließung bedrohtes Geschäft übernehmen. „Wozu machen wir Einzelhandelskonzepte, wenn weitere Großmärkte entstehen?“, fragt nun ein Händler in dem Brief an Neustadts Bürgermeister Peter Mühle. Er und der Stadtrat werden darin aufgefordert, die Pläne noch einmal zu überdenken.

Der Sebnitzer Gewerbeverein steht mit seiner Skepsis nicht allein. Zuvor hatten sich bereits die Landesdirektion Sachsen und die Industrie- und Handelskammer (IHK) kritisch zu den Plänen geäußert. Die IHK bemängelte eine insgesamt zu geringe Kaufkraft in Neustadt. Durch die Vergrößerung der Lebensmittelverkaufsfläche würde sich dieses Problem noch vergrößern. Die Landesdirektion befürchtet, dass durch den geplanten Supermarkt bald weitere Ladenlokale in der Neustädter Innenstadt leer stehen könnten.

Die Stadt Neustadt teilt diese Befürchtungen nicht. Die IHK habe die Kaufkraft falsch berechnet und die Kunden aus den Nachbarstädten nicht mit einbezogen, erklärte das Rathaus. Auch die kleinen Läden in der Innenstadt seien nicht gefährdet, da sie andere Käufergruppen ansprechen.