Merken

Secondhand braucht mehr Platz

Nadine Bugasch zieht mit ihrer „Rasselbande“ von der Hoyerswerdaer- an die Pfortenstraße. Das tut der City gut.

Teilen
Folgen
© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Kamenz. Entzückende Sommerkleidchen, kurze Hosen für kleine Rumtreiber, knallbunte T-Shirts, Mützen und Schuhe stapeln sich in Nadine Bugaschs Laden. Spielsachen, Kinderbücher, Autositze, Hochstühle und anderer Babybedarf inklusive. Die Regale quillen fast über. Dazwischen zwei Mütter, die in Ruhe stöbern. In der Spielecke spielt eine Vierjährige gemütlich. Über den Armen der Frauen hängen bereits kleine Stapel Sachen. Die Schnäppchenjagd wird für heute zufriedenstellend enden. Und Schnäppchen bekommt man im Rasselbande-Secondhand-Laden an der Hoyerswerdaer Straße immer.

Seit 2007 läuft das Geschäft in Kamenz bestens. Und trotzdem finden Kunden immer noch ein erstes Mal her und fragen ganz erstaunt: Was? Solange schon? Nadine Bugasch lacht dann und bestätigt es stolz. Im neunten Jahr stehen nun trotzdem Veränderungen an. Aber positive. Denn wenn ein Laden zu klein wird für die Ansprüche, kann das eigentlich nichts Schlechtes bedeuten. „Es wurde mir einfach zu eng um die Hüften. Ich kann meine Ware nicht mehr ansprechend genug präsentieren“, sagt sie. Außerdem wollte sie näher an die Altstadt heranrücken. Im leer stehenden Geschäft rechts neben dem Pub an der Pfortenstraße 11 fand sie ein Objekt, das ihren Ansprüchen entsprach. „Ich habe mich länger umgeschaut und mich dabei etwas gewundert, wie hoch die Quadratmeterpreise für Geschäftsmieten doch sind. In einer Stadt, deren Einkaufszentrum in der City langsam verwaist, hätte ich anderes Entgegenkommen erwartet“, gesteht sie. Umso mehr freut sie sich, dass sie den Laden letztendlich gefunden hat.

Die Burkauerin ist eigentlich gelernte Bürokauffrau. Doch das Secondhand-Metier hat sie lange gereizt. „Ich bin schon immer total gern auf Flohmärkte gegangen. Auch heute noch nehme ich mir Zeit, bei den Kollegen stöbern zu gehen“, sagt sie. Nach der Elternzeit mit den beiden größeren Kindern orientierte sich die 38-Jährige auf jeden Fall um. Und stieg in den Secondhand-Handel ein. Es sollten von Anfang an Kinder- und Babysachen sein. Damit ist sie gut gefahren – vor allem in Kamenz. Die Stammkundschaft hält treu zur Stange. Man honoriert das tolle und vielfältige Angebot und freut sich über die fairen Preise. Mittlerweile muss Nadine Bugasch hin und wieder sogar Kunden wegschicken, die ihr vor allem Kindersachen anbieten wollen.

Soziale Medien entdeckt

Das Geschäft mit den gebrauchten und getragenen Dingen läuft. Das ist ein allgemeines Phänomen. „Ich habe natürlich viele Kunden, die der finanzielle Hintergrund reizt. Aber auch immer mehr ökologisch bewusste Mütter, die ihren Kindern einfach lieber schon mehrfach gewaschene Wäsche anziehen möchten. So wäre die Chemie aus den Fasern raus und das wiederum ist natürlich von Vorteil. Nicht nur bei allergiegeplagten Kindern“, weiß die Geschäftsfrau. Die Kundschaft habe dadurch zugenommen. „Viele sehen nicht mehr unbedingt die Notwendigkeit, gerade Kindern teure Sachen zu kaufen, wenn man sie kaum getragen preiswerter haben kann. Vor allem beim zweiten Kind kommt diese Einsicht doch schneller“, schmunzelt Nadine Bugasch. Wer kleine Kinder hat, weiß um deren schnelles Wachstum. Und ist froh, wenn man den Geldbeutel etwas entlasten kann. In vier Monaten braucht man sowieso schon wieder neue Sachen. Neuerdings hat die Geschäftsfrau zusätzlich das soziale Medium Facebook für sich entdeckt. Hier gepostete neue Ware ist oft schon nach kurzer Zeit reserviert. Vor allem, wenn es sich um Spielzeug und Babybedarf handelt.

In ein paar Tagen startet der Umzug an die Pfortenstraße 11. Vom 26. bis 31. Mai bleibt das Geschäft deswegen geschlossen. Noch sind letzte Handgriffe zu erledigen, fehlt ein Wandbild. „Ich danke den Kunden für die bisherige Treue und freue mich, sie nun auf über 80 Quadratmetern zum Stöbern begrüßen zu dürfen“, so Nadine Bugasch.