merken
Politik

Seehofer kündigt Anzeige gegen „taz“ an

In einer Satire in der „taz“ legt die Autorin nahe, dass Polizisten am besten auf einer Mülldeponie aufgehoben sind. Der Innenminister findet das unerträglich.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU)
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) © Carsten Koall/dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer will wegen einer umstrittenen Kolumne über die Polizei in der „taz“ Strafanzeige stellen. „Ich werde morgen als Bundesinnenminister Strafanzeige gegen die Kolumnistin wegen des unsäglichen Artikels in der „taz“ über die Polizei stellen“, sagte der CSU-Politiker der „Bild“-Zeitung am Sonntagabend. „Eine Enthemmung der Worte führt unweigerlich zu einer Enthemmung der Taten und zu Gewaltexzessen, genauso wie wir es jetzt in Stuttgart gesehen haben. Das dürfen wir nicht weiter hinnehmen.“

Am vergangenen Montag war der Text einer „taz“-Mitarbeiterin in der Tageszeitung erschienen. Es ging darum, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Darin wurde auch die Option der Mülldeponie aufgegriffen. Aus der Berufsgruppe heraus und von Politikern kam danach viel Kritik. Polizeigewerkschaften kündigten an, mit Strafanzeigen dagegen vorzugehen. Beim Deutschen Presserat - die freiwillige Selbstkontrolle der Presse - gingen bereits bis Dienstag rund 50 Beschwerden ein.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

„taz“-Chefredakteurin Barbara Junge hatte zuletzt wegen der Kolumne ihr Bedauern geäußert. Junge schrieb in der Zeitung an die Leserinnen und Leser über den Artikel: „Eine Kolumne, so satirisch sie auch gemeint gewesen sein mag, die so verstanden werden kann, als seien Polizisten nichts als Abfall, ist daneben gegangen. Das tut mir leid.“

Weiterführende Artikel

"taz"-Kolumne: Seehofer hat Ziel erreicht

"taz"-Kolumne: Seehofer hat Ziel erreicht

Der Minister hatte einer Kolumnistin der "taz" mit einer Strafanzeige gedroht, auf diese dann aber verzichtet. Alles, was er wollte, war eine öffentliche Debattte.

Mehr als 25 Anzeigen gegen "taz"-Autorin

Mehr als 25 Anzeigen gegen "taz"-Autorin

Die Polizei-Kolumne in der "tageszeitung" beschäftigt auch die Berliner Staatsanwaltschaft.

"taz"-Chefredakteurin bedauert Kolumne

"taz"-Chefredakteurin bedauert Kolumne

In der Zeitung hatte sich eine Autorin im wahrsten Sinne des Wortes abfällig über die Polizei geäußert. Es drohen sogar Klagen.

Zudem schrieb Junge, das Ringen in der Redaktion über den Text und darüber, was gesagt werden soll, darf und muss, lege aber auch „einen tieferen Konflikt in der „taz““ offen. „Wir streiten darum, wie stark der subjektive Blick, wie stark Diskriminierungserfahrung den Journalismus prägen soll oder darf.“ Die Chefredakteurin des Blattes mit Sitz in Berlin kündigte zudem an, dass es Debattenbeiträge mit unterschiedlichen Perspektiven in der Zeitung geben werde. (dpa)

Mehr zum Thema Politik