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Sei einfach, wie du bist

Eine Dresdner Studie verhilft Frauen zu einem gesunden und glücklichen Körpergefühl. Denn das fehlt vielen.

© 123rf

Von Sebastian Martin

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Vor anderthalb Wochen ging es wieder los. Seitdem wird bei Pro Sieben das nächste deutsche Top-Model gesucht. Zwischen Strand und Palmen müssen die Kandidatinnen beweisen, dass sie für den Laufsteg gemacht sind. Das Wichtigste bei der Show ist natürlich das Aussehen. Ein paar Pfunde zu viel, und die jungen Damen haben keine Chance. Flacher Bauch, knackiger Po, straffe Haut – das will die Jury um Heidi Klum sehen.

Ina Beintner kann bei Sendungen wie Germany’s Next Top Model nur mit dem Kopf schütteln. Diese Formate hätten mit der Realität wenig zu tun und würden ein falsches Schönheitsbild vermitteln, sagt sie. Die 38-jährige Psychologin von der TU Dresden leitet die Studie „everyBody“. Sie erforscht die Wirkung eines Online-Programms, das Frauen ab 18 Jahren helfen soll, Essstörungen zu vermeiden und erfolgreiche Strategien für ein gesundes und glückliches Körpergefühl zu entwickeln. Denn die Akzeptanz der eigenen Rundungen fehlt vielen.

Überkritisch mit sich selbst

Bis zur Hälfte aller Frauen sei mit der eigenen Figur unzufrieden, sagt Ina Beintner. In dem vor einem Jahr erschienenen Film „Embrace“, der sich mit dem weiblichen Schönheitsideal in der westlichen Welt beschäftigt, heißt es sogar, dass 91 Prozent der Damen ihren Körper hassen würden. Betroffene gibt es in nahezu allen Altersklassen. Besonders die Gruppe bis 30, junge Mütter, aber auch viele in den Wechseljahren mögen nicht in den Spiegel schauen, sagt Ina Beintner. Ihr zufolge sind die Folgen gravierend. Der überkritische Blick auf den eigenen Körper halte Frauen davon ab, ihr Leben zu genießen sowie private und berufliche Ziele zu erreichen. Dem soll das Online-Programm „everyBody“ entgegenwirken. Es soll die Frauen stärken, ihnen Selbstvertrauen geben.

Mit Schönheitsidealen umgehen

Etwa tausend Frauen aus dem deutschsprachigen Raum haben im ersten Jahr an der Studie teilgenommen, 4 000 sollen es insgesamt werden. Die meisten stammen aus Sachsen. Überraschend für die Dresdner Wissenschaftler ist, dass neben jungen Frauen bis 30 auch viele zwischen 45 und 55 Jahren sich für das Programm interessieren. Als Ursache dafür sehen Forscher einerseits die Veränderungen des Körpers nach Geburt der Kinder, andererseits die Wechseljahre. Aber auch bis 70-Jährige sind in dem Programm noch zahlreich vertreten. Die bislang Älteste war sogar 84. Wie andere Teilnehmerinnen leidet wohl auch sie schon seit Jahren. Die meisten Frauen seien schon seit der Jugend mit der eigenen Figur unzufrieden, sagt Ina Beintner. Nicht wenige haben etliche Diäten hinter sich – oft ohne dauerhaften Erfolg. Deshalb versuchen sie jetzt mithilfe des bis zu zwölfwöchigen Online-Kurses, den eigenen Körper zu lieben, wie er ist, sowie mit Kritik und häufig vermittelten Schönheitsidealen umzugehen. Denn nicht nur bei Sendungen wie Germany’s Next Top Model wird übertriebener Wert auf einen flachen Bauch, knackigen Po oder straffe Haut gelegt. Auch im Alltag werden wir mit Bildern von vermeintlich perfekten Frauen überhäuft – zum Beispiel durch das Plakat an der Haltestelle oder das Foto der Freundin bei Facebook.

„Wir wollen den Frauen helfen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen“, sagt Ina Beintner. Bevor es losgeht, müssen die Teilnehmerinnen aber zunächst einen Fragebogen anonym ausfüllen. Anhand der Angaben wird das anschließende Online-Programm individuell variiert. Mit kleinen Filmen, Texten und Übungen lernen die Frauen vor dem Bildschirm die Vorzüge ihres Körpers erkennen. Sie lernen zum Beispiel, dass Gewicht kein Erfolgsmaß ist und dass die vermeintliche Traumfigur den Alltag kaum verändern würde. Zudem erhalten sie Feedback per Mail sowie Tipps für mehr Bewegung im Alltag und für eine ausgewogene Ernährung. Dabei geht es nicht um das Zählen von Kalorien oder den absoluten Verzicht auf Schokolade, sondern um einfache Dinge wie das Aufhören mit dem Essen bei einsetzendem Sättigungsgefühl. Denn Hungern und Sportzwang machen ebenso unglücklich wie Übergewicht, wissen die Dresdner Forscher.

Das Ziel des Programms sei, den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist, sagt Ina Beintner. Und das scheint durchaus zu funktionieren. Zwar werden die erhobenen Daten erst nach Abschluss der Studie im nächsten Jahr wissenschaftlich ausgewertet, doch das bisherige Feedback der Teilnehmerinnen sei vielversprechend. Viele von ihnen würden sich durch das Programm wohler und gestärkt fühlen. Und das nachhaltig. Noch Monate später würden einige Frauen berichten, dass sie ihren Körper jetzt besser akzeptieren.

Weniger Figur- und Gewichtssorgen

Damit scheint sich das Ergebnis der Pilotstudie zu bestätigen. Bereits vor Jahren haben Ina Beintner und ihre Kollegen nachgewiesen, dass das entwickelte Online-Programm zumindest bei Studentinnen wirkt. Damals haben Figur- und Gewichtssorgen bei den Teilnehmerinnen deutlich nachgelassen. Allerdings handelte es sich bei den 700 Studentinnen um eine relativ homogene Gruppe, die jung ist, einen hohen Bildungsgrad hat, häufig viel Disziplin besitzt und sich oft bewusst ernährt. Die Dresdner Forscher wollten deshalb wissen, ob sich die Ergebnisse von damals verallgemeinern lassen.

Wenn ja, hoffen sie, dass künftig die Krankenkassen das Online-Programm in ihr Angebot aufnehmen und finanzieren. Doch bis dahin werden vermutlich noch einige Staffeln von Germany’s Next Top Model erscheinen.

https://www.icare-online.eu/de/everybody.html