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Sein viel beachteter Neubeginn

Der Handball-Bundestrainer will nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Doch beim Länderspiel in Leipzig hat er keine Wahl.

© PICTURE POINT

Von Florian Krebl

Die Zeiten des smart lächelnden Bundestrainers sind lange vorbei. Trotzdem wurde Christian Prokop deutlich. Den WM-Startschuss sollte schließlich jeder hören. „Natürlich wurde sehr viel ausgewertet und geschrieben. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt gilt es, nach vorne zu gucken. Das gilt auch für mich“, sagte der Handball-Bundestrainer vorm Länderspiel am Mittwoch, 19 Uhr, in Leipzig gegen Serbien.

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Das EM-Debakel und die anschließenden teils heftigen Kontroversen um seine Person sollen abgehakt sein, nur noch die Heim-Weltmeisterschaft 2019 zählt. Sportlich erfolgt gegen die Serben also ein Neuanfang. Hauptdarsteller hierbei: natürlich Christian Prokop, erst recht zu Hause in Leipzig. Doch Prokop stand zumindest für seinen Geschmack zuletzt genug im Blickpunkt. Die ständigen Fragen nach ihm und dem Verhältnis zur Mannschaft kann der weiterhin nicht unumstrittene Bundestrainer nicht mehr hören.

Die Diskrepanzen und atmosphärischen Störungen nach der desaströsen EM mit Platz neun seien ausgeräumt, wiederholte der 39-Jährige sachlich – aber bestimmt. „Ich möchte nicht, dass es um Christian Prokop geht, und dass die Art und Weise, wie ich irgendwas mache, im Fokus steht. Ich kann verstehen, dass es interessant ist“, sagte er. Interessant besonders deshalb, weil Prokop zum ersten Mal seit seiner Bestätigung im Amt wieder an der Seitenlinie steht. „Jede Aktion von Christian Prokop kommt unter das Brennglas. Wir wissen, wie das Geschäft funktioniert“, prophezeite indes Axel Kromer, Sportvorstand des deutschen Handballverbandes DHB.

Im Februar hatte es viele Experten noch verwundert, dass die Funktionäre am Trainer festhielten. Immerhin regte sich großer Widerstand gegen den noch bis 2022 unter Vertrag stehenden Prokop, einige Spieler sollen angeblich gar mit Rücktritt gedroht haben. All das soll aber nun kein Thema mehr sein. Weswegen Prokop auch an die Medien appellierte, die ihn nach den internen Querelen stark angezählt hatten. „Es ist enorm wichtig, dass Sie es auch mit als Startschuss verfolgen. Es war eine Zeit, die mit Sicherheit nicht einfach war, aber es wurde nun genug zurückgeschaut“, sagte er in Richtung der anwesenden Journalisten bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Leipzig.

Auch Abwehrhüne Patrick Wiencek, der während der EM offenkundig die eine oder andere Meinungsverschiedenheit mit Prokop hatte, bekräftigte: „Für uns ist das Thema gegessen. Wir sind auf Wiedergutmachung aus.“ Und der Kreisläufer des THW Kiel, der entgegen allen Mutmaßungen ebenso wenig seinen Rücktritt erklärte wie andere der Unzufriedenen, betonte: „Wir schauen nach vorne.“

Vorne, das ist unter anderem der 9. Januar 2019 – der Tag des WM-Eröffnungsspiels in Berlin. Die Serbien-Spiele dienen dabei sozusagen als Auftakt in die Vorbereitung auf das nicht zuletzt für Prokop so wichtige Heimturnier. Ein erneutes Scheitern wie bei der EM würde ihn mit Sicherheit den Job kosten. „Wir wollen gute Spiele abliefern und uns Selbstvertrauen holen“, sagte Prokop, der viele Gespräche mit den Spielern führte. Da sei auch über taktische Dinge diskutiert worden, jeder habe laut Wiencek seine Meinung kundgetan. Kromer hatte zudem bereits angekündigt, dass Prokop sein System anpassen werde.

Mehr Ballgewinne, ein stärkerer Fokus auf die Rückraum-Mitte: Die Defizite der EM ergeben die Agenda der WM-Vorbereitung. Die Tests gegen Serbien in Leipzig sowie am Samstag in einem zweiten Duell in Dortmund sollen daher bereits erste Hinweise liefern. Die für die EM nicht nominierten Niclas Pieczkowski, Fabian Wiede sowie Tim Kneule werden nun allesamt ihre Zeit auf der Mittelposition bekommen, dagegen wird Philipp Weber anders als bei der EM nun im linken Rückraum zum Einsatz kommen. Fakt ist: Die passende Abstimmung muss dringend her.

Aber nicht nur spielerisch werden dieser Tage die Weichen für den Erfolg gestellt. Auch organisatorisch drehen Liga und Verband am großen Rad. Zur Erinnerung: Bei der WM eine Medaille, Gold bei Olympia 2020 in Tokio – das ist die Vision. Deshalb wird auf offizieller Ebene eng zusammengearbeitet. Am Mittwochnachmittag empfängt Prokop die Bundesliga-Trainer zu einem turnusmäßigen Treffen in einem Leipziger Hotel. Laut DHB-Sportvorstand Axel Kromer kommen drei Viertel der Coaches. Keine Absage sei negativ behaftet gewesen. „Diejenigen, die nicht kommen, haben klar logische und zeitliche Gründe angeführt.“

Maßnahmen wie eine zusätzliche Vorbereitungswoche im Januar vor der WM und die Japan-Reise der Nationalmannschaft im Juni sind erste Errungenschaften der engeren Abstimmung. „Konkret geht es darum, dass wir den Blick schärfen. Wie wollen wir was gemeinsam erreichen?“, sagte Prokop. Eine Frage, mit der auch Prokops persönliche Zukunft eng verbunden sein wird. (sid, mit dpa und SZ)