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Seit 25 Jahren für eine barrierefreie Stadt

Der Beirat für Behinderte setzt sich für Betroffene ein. Alle Ziele wurden noch nicht erreicht.

© Dietmar Thomas

Von Elke Braun

Roßwein. Rollstuhlgerechte Toiletten in der sanierten Oberschule, die Zwei-Sinne-Ampel an der Postkreuzung oder der Lift im Hallenbad. Das sind nur einige Verbesserungen, die mithilfe des Beirates für Behinderte in Roßwein umgesetzt werden konnten. Seit 25 Jahren kümmert sich das ehrenamtliche Gremium in der Muldenstadt um die Belange Betroffener, wird beispielsweise frühzeitig angehört, wenn es um Neubauten geht.

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Damit gehört Roßwein zu den wenigen Städten, die ein solches Gremium haben – in ganz Mittelsachsen gibt es nur zwei davon. Neben dem Roßweiner engagiert sich noch in Freiberg ein Beirat für die Belange Behinderter, aber auch anderer Menschen, die Hilfe benötigen. „Wir müssen feststellen, dass wir uns auch heute noch mit Dingen beschäftigen müssen, die wir schon in den Anfangsjahren bearbeitet haben“, sagte Kerstin Bauer vom Vorstand anlässlich des 25. Geburtstages des Beirates. So gebe es immer wieder Probleme, weil Fußwege mit Auslagen zugestellt oder Plakate zu tief aufgehängt werden. Hatte der Beirat am Anfang hauptsächlich die Sorgen der Rollstuhlfahrer im Blick, kümmert er sich heute um die Belange aller. Das beziehe Rollifahrer genauso ein wie Sehbehinderte oder Hörgeschädigte, aber auch Eltern mit Kinderwagen oder Ältere, die einen Rollator benötigen. „Im Jahr 2006 haben wir unsere Arbeit inhaltlich neu strukturiert“, erklärt Kerstin Bauer. Das heißt, es werden seither alle Arten von Behinderungen durch den Beirat berücksichtigt. „Unser Ziel ist es, Barrierefreiheit zu erreichen, damit die Menschen ein möglichst selbstbestimmtes und eigenständiges Leben führen können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.“ Roßwein sei schon auf einem guten Weg.

Aktiv werden die Mitglieder des Beirates auch in Schulen. So sind die Mitglieder regelmäßig in den 5. und 6. Klassen der Oberschule Roßwein und des Gymnasiums Hartha zu Gast, um Berührungsängste gegenüber Behinderten abzubauen und sich besser in deren Situation hinein zu versetzen.

Die Schüler können beispielsweise selbst ausprobieren, wie schwierig es ist, sich in einem Rollstuhl fortzubewegen oder blind zu sein. Dazu gibt es spezielle Brillen, die Seheinschränkungen simulieren. In Zukunft will der Beirat auch an jüngere Kinder herantreten und schon bei ihnen Unsicherheiten im Umgang mit behinderten Menschen abbauen. „Wir sind dabei, ein Programm zu erarbeiten, das den Kindern die Problematik spielerisch näher bringt. Das werden wir in den Kindereinrichtungen vorstellen“, so Thorsten Gruner.

Hat der Behindertenbeirat auch schon vieles erreicht, so gibt es noch ein Problem, dessen Lösung auf sich warten lässt: Seit dem Straßenbau in der Döbelner Straße durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LaSuV) besteht im Bereich des Friseursalons Thiele auf dem Fußweg ein seitliches Gefälle von 18 Prozent (DA berichtete mehrfach). „Das ist nach wie vor ein großes Problem für Rollstuhlfahrer“, so Kerstin Bauer. „Und wir haben leider von der zuständigen Straßenbaubehörde noch keinen Bescheid, wann daran etwas geändert wird“, sagt Kerstin Bauer. Lockerlassen wollen die Beiräte nicht. „Notfalls werden wir die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann nochmals um Hilfe bitten.“