merken

Seit zehn Jahren keine dicke Luft mehr

Am 1. Februar 2008 trat das öffentliche Rauchverbot in Sachsen in Kraft. Damals wurde heftig diskutiert. Heute haben sich alle daran gewöhnt.

© dpa/Symbolfoto

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Großenhain. Die rauchende Mitbevölkerung sah sich diskriminiert: In allen öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, Gaststätten und Diskotheken durfte ab dem 1. Februar vor zehn Jahren nicht mehr gequalmt werden. Manche Raucher lamentierten über eine angebliche Treibjagd, Hetzkampagne und dem Ende der Demokratie. Doch das seinerzeit eingeführte Gesetz dient dem Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens, wurde argumentiert. Bereits nach einem Tag ohne Rauchen verringert sich das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Nach einem Jahr ist das Risiko nur halb so groß. Darüber hinaus soll das Verbot den Tabakkonsum von Kindern und Jugendlichen verringern. Waren und sind reine Raucherkneipen ohne Speisen eingeschränkt erlaubt, sind in Tanzhäusern selbst abgetrennte Raucherbereiche ganz verboten, weil 90 Prozent der Besucher Jugendliche sind. Bußgelder bis zu 5000 Euro sind für Verstöße angedroht.

Vor allem die Gastwirte mussten damals reagieren. Viele hatten Angst, rauchende Gäste dauerhaft zu verlieren. „Wer nach der Arbeit in die Kneipe geht, will nicht nur sein Bier trinken, sondern dazu rauchen und sich unterhalten“, argumentierte Hendrik Bretschneider von der Gaststätte am Frauenmarkt.

Raucherbereiche eingerichtet

Aufgebracht war auch Thomas Krause von der Schützenhaus Eventgroup. Eine Disco ohne Glimmstängel konnte man sich damals noch nicht vorstellen. Allerdings wurde im Bowlingcenter – genau wie bei Brettl – ein Extra-Raucherraum nach Vorschrift eingerichtet. Das war nicht gerade billig. Für die Schützenhausnacht und weitere Veranstaltungen werden Zelte vor der Tür aufgestellt. Bei den Arena Beats in der Remontehalle gibt es ebenfalls überdachte Raucherbereiche. Auf Flughäfen und Bahnhöfen, an Schulen und Rathäusern findet man sie nun: die Raucherecken. Sie sind so alltäglich geworden, dass eine Diskussion darüber lange verebbt ist – mal abgesehen von den Kippen, die neben die Ascher geworfen werden. Immerhin begrüßten doch 80 Prozent der Sachsen laut einer Umfrage schon 2008 die Neuerung, obwohl damals nur rund 35 Prozent der Bevölkerung selber rauchten. Es hat sich mittlerweile auch herausgestellt, dass man an solchen Raucherecken gut quatschen und entspannen kann. Umstritten war damals aber auch die Kontrolle, ob das Rauchverbot eingehalten wird. Die obliegt dem jeweiligen Ordnungsamt. Nach einem Jahr bilanzierte die Stadtverwaltung keine Verstöße. Das dürfte sich bis heute wenig geändert haben.

Gäste fanden sich damit ab

Vor allem in den Speisegaststätten hat das Rauchverbot nicht für einen Besucherrückgang gesorgt, sondern für das Gegenteil. Wenn nicht geraucht wird, schmeckt´s besser, stellten viele fest. Auch Angestellte waren erleichtert, denn sie hatten als Nichtraucher am meisten unter dem passiven Mitrauchen zu leiden. Die verflossene Kneipenkultur mit Zigarettenrauchen am Tisch wird heute nur von den Wenigsten vermisst.

Bereits vor 100 Jahren gab es schon reine Nichtrauchergaststätten. „Mit der Zeit werden sich die Gäste damit abfinden“, prophezeite Hendrik Bretschneider vor zehn Jahren. Genauso ist es gekommen.