merken

Seiteneinsteiger am Kabinettstisch

Fachfremde Ersatzleute gibt es nicht nur an Sachsens Schulen, sondern vor allem in der Politik.

© Robert Michael

Von Gunnar Saft

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Großer Badespaß in Freitals Freibädern 

Nach vielen Renovierungsarbeiten ist die Badesaison in den Freibädern "Windi" und "Zacke" in vollem Gange. 

DIE Meldung der Woche: Die Mehrheit der zurzeit neu eingestellten Lehrer in Sachsen sind gar keine. Es handelt es sich vielmehr um Seiteneinsteiger, die zuvor einem ganz anderen Beruf nachgingen. Und da fällt mir doch sofort auf, das ist ja genau wie bei unseren Politikern. Die haben auch alle etwas völlig anderes gelernt und regieren uns heute quasi jeden Tag fachfremd. Das erklärt dann einiges in diesem Land.

TATSÄCHLICH sitzen zurzeit in der sächsischen Staatsregierung: ein Büroinformationselektroniker (der Chef), ein Maurer (der Vizechef), ein Agrotechniker, ein Bankkaufmann, eine Betriebswirtin, ein Volkswirt, eine echte Lehrerin und vier Juristen. Ich denke, es hätte schlimmer kommen können. Auf jeden Fall aber auch besser. Doch was können politische Seiteneinsteiger dafür, was sie früher einmal waren. Sie müssen dort sein, wo die Not am größten ist. In ihrem Fall ist das eindeutig der Kabinettstisch im Dresdner Regierungsviertel.

ALSO zollen wir nicht nur den vielen Neulehrern unseren Respekt, sondern auch denen, die nun für uns in einem Ministerbüro sitzen, obwohl sie dafür nicht extra ausgebildet wurden. Ich bin überzeugt, sie geben trotzdem ihr Bestes, und hoffe, das reicht. Im Notfall gilt wie überall: Dann müssen eben wieder die Alten ran. Im Klassenzimmer ist das die pensionierte Mathelehrerin oder der 75-jährige drahtige Sportlehrer. Und in der Politik? Zumindest sind Kurt und Ingrid Biedenkopf kürzlich vom Chiemsee zurück nach Dresden gezogen. Wie in jeder aussichtslosen Situation gilt deshalb auch jetzt: Wir schaffen das! Und wenn nicht, war eben genau das der Plan.