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Dresden

Selbsternannter Kämpfer entlastet Syrerin

Ein Verurteilter hilft der Angeklagten Fatema A. Eine Muslima weigert sich, als Zeugin im Prozess wegen Werbung für den IS, ihren Schleier abzulegen. 

© dpa

Im Prozess gegen eine 37-jährige Syrerin, die Mitglieder für das Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) geworben haben soll, hat am Mittwoch ein 21-Jähriger als Zeuge ausgesagt, der erst vor wenigen Monaten selbst vom Oberlandesgericht Dresden (OLG) verurteilt worden ist. Der Syrer hatte eine Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten erhalten, weil er unter anderem ein Selbstmordattentat geplant und sich bereits entsprechende Bauanleitungen für Sprengstoffgürtel beschafft hatte. Er wurde im August 2017 verhaftet. Kurz zuvor soll er per WhatsApp mit der Angeklagten Fatema A. gechattet und Dateien ausgetauscht haben. Sie soll ihn weiter radikalisiert und zum IS vermittelt haben.

Der 21-Jährige hat das bestritten. Er sagte, er hätte niemals die Angeklagte nach dem IS gefragt. Er habe sich für die Vereinigung interessiert und habe A. gesagt, dass er für den IS kämpfen wolle. Sie habe darauf „normal“ reagiert. Was immer „normal“ in diesen Zusammenhang bedeuten mag. Auf Nachfrage von Verteidigerin Gesa Israel sagte der Zeuge, die Angeklagte habe ihm geraten, zu beten und Allah zu fragen, welchen Weg er einschlagen soll. Sie habe auch gesagt, er solle besser heiraten und Kinder kriegen. Das hatte Fatema A. selbst am Dienstag auch so erklärt.

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Besonders intensiv beschäftigte sich das Gericht mit der Frage, welche Rolle der Kontakt zu einem mutmaßlichen Sheik des IS gespielt hatte. A. habe dem jungen Mann an den Religionsgelehrten in Marokko vermittelt. Sie habe den Zeugen veranlasst, dem Mann Geld zu überweisen. Bei dem Thema antwortete der Zeuge weniger klar, verstrickte sich in Widersprüche.

Der 21-Jährige ist noch in Haft. Offenbar macht er im Gefängnis Probleme und soll gegenüber Wachtmeistern übergriffig gewesen sein. Der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats riet ihm daher, an seine Zukunft zu denken, zu kooperieren und Kontakte zu anderen zu suchen: „Ich bin fast 59 und kann ihnen diesen Rat geben.“

Mit einer weiteren Zeugin sollte dagegen der Vorsitzende Probleme bekommen. Eine 40-jährige Marokkanerin, Freundin der Angeklagten, weigerte sich, ihre Verschleierung abzunehmen. Sie nehme nur von einem Befehle entgegen, sagte sie, das sei aber nicht der Vorsitzende. Schlüter-Staats konnte gegenüber der Zeugin nicht mehr erreichen, als ihr 100 Euro Ordnungsgeld aufzubrummen und sie nochmals vorzuladen, so Verteidigerin Israel.

Der Prozess ist bis Ende August geplant. Interessant könnte der 20. August werden, wenn IS-Experte Guido Steinberg unter anderem die von der Angeklagten verschickten Dateien begutachten wird.

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